Psychische Erkrankung 5 Fakten zur bipolaren Störung

Bipolare Störung - die Krankheit mit den zwei Gesichtern. Heute, am 30. März, ist „World Bipolar Day“, mit dem weltweit Organisationen an die bipolare Störung erinnern. Wir beteiligen uns mit fünf Fakten zum Thema.

Bipolare Störung
Die bipolare Störung – die Krankheit mit den zwei Gesichtern.Konstantynov/Dreamstime.com

Fakt #1

Die bipolare Störung heißt so, weil das Krankheitsbild zwei Ausprägungen kennt: die Manie und die Depression. Früher nannte man die Krankheit auch manisch-depressiv. Die bipolare Störung gehört zu den häufigsten psychiatrischen Krankheiten in Deutschland, schätzungsweise 1,5 bis 5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Viele Erkrankungen bleiben aber unentdeckt. Kennzeichen der bipolaren Störung sind völlig übersteigerte Stimmungsschwankungen, die entweder ohne Anlass oder nach einer bestimmten Lebenssituation auftreten. Der Betroffene durchläuft ein Wechselbad von himmelhoch-jauchzend (Manie) bis zu Tode betrübt (Depression). Der Verlauf kann dabei sehr individuell sein, die manischen/depressiven Episoden können Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre dauern, dazwischen können Phasen liegen, in denen der Betroffene völlig beschwerdefrei ist.

Fakt #2

Eine Manie (von altgr. „mania“ = Wut, Raserei, Wahnsinn) äußert sich durch ein intensives Hochgefühl, gute Laune und erhöhte persönliche Leistungsbereitschaft. Der Betroffene empfindet sich als außergewöhnlich kreativ und schöpferisch – er ist euphorisch. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Maniker hartnäckig leugnet, irgendein Problem zu haben und dann ggf. gegen den eigenen Willen in eine geschlossene Station eingewiesen wird. Die eigene Hochstimmung kann schnell in Gereiztheit umschlagen, auch hat der Patient meist einen hohen Rededrang gegenüber anderen und ist distanzlos. Gedankensprünge gehören ebenso zu dieser Krankheit wie Sprunghaftigkeit im Handeln: vieles wird angefangen und kaum etwas zu Ende geführt. Auch moralische Schranken fallen: oft verhält sich der Betroffene sehr anders als er es im Normalzustand tun würde.

Fakt #3

Die Depression ist das Gegenteil von der Manie und äußert sich durch gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freud- und Ausdruckslosigkeit. Der Antrieb ist deutlich reduziert. Die Gefühlswelt ist erloschen – Denken, Handeln und Körper sind betroffen. Weitere wichtige Symptome können sein, dass der Betroffene viel grübelt und sich pessimistische Zukunftsperspektiven ausmalt. Appetitverlust ist möglich, aber auch das Gegenteil. Depressive können sich nur schwer konzentrieren und haben Aufmerksamkeitsstörungen. Auch fällt es ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen. Schließlich treten Gefühle der Wertlosigkeit und Schuldgefühle hinzu. Auch Suizidgedanken sind möglich, die diese Episode der bipolaren Störung sehr gefährlich machen.

Fakt #4

Bei der Behandlung der bipolaren Störung muss man unterscheiden, ob sie akut stattfindet, der Erhaltungstherapie dient oder der Rückfallvorbeugung. Im Akutfall geht es darum, den Leidensdruck des Betroffenen zu reduzieren und die Krankheitseinsicht wiederherzustellen. In der Erhaltungstherapie wird die Situation des Patienten weiter stabilisiert, um einen Rückfall zu verhindern. Die Rückfallvorbeugung ist langfristig geplant und soll weitere Krankheitsepisoden verhindern. Während der Akutbehandlung werden Interventionsmedikamente gegeben, z.B. Antidepressiva. Langfristig kommen Stimmungsstabilisatoren wie Lithium zum Einsatz. Psychotherapie sollte sich eher mit dem Hier und Jetzt (Krankheit) als mit dem Warum beschäftigen.

Fakt #5

Jüngst erntete der Roman „Die Welt im Rücken“ des Schriftstellers Thomas Melle viel Lob im Feuilleton. Melle beschreibt darin seine eigene bipolare Erkrankung und wie er mit ihr im Alltag zurecht gekommen ist. Die literarische Herangehensweise und die Sprachgewalt Melles ermöglichen einen neuen, frischen und differenzierten Zugang zur bipolaren Störung. Viele berühmte Kulturschaffende litten oder leiden an der bipolaren Störung, so bspw. auch die Star-Wars-Schauspielerin Carrie Fisher. In den manischen Phasen laufen diese Menschen zu Hochform auf und sind kreativ und schöpferisch tätig. Leider folgt dann irgendwann der Absturz in die Depression.

Quelle:

DGBS
  • Ulrike
    Zusatz zu Fakt 3:
    In der Depression treten zwar häufig Suizidgedanken auf, meist ist der Antrieb aber so stark verringert, dass die Umsetzung "zu anstrengend" ist und deshalb nicht stattfindet.
    Gefährlich ist der Umschwung zur Manie, wenn in der Depression konkrete Szuzidvorstellungen vorhanden waren, oder Medikamentöse Behandlung, die zuerst auf den ANtrieb und dann auf die Stimmung wirkt. In diesen Situationen können die Suizidgedanken nämlich noch aktuell und akut sein und zusätzlich ist jetzt auch der Antrieb, der die Durchführung ermöglicht vorhanden
  • Anette Santo
    Es wird Zeit dass solche Erkrankungen ernst genommen werden, auch die Politik sollte sich damit auseinander setzen. kein Mensch kann etwas für eine Erkrankung , was auch immer es ist. dadurch ins Gesellschaftliche und sehr oft auch ins finazielle Abseits zu rutschen ist ein absolutes no go. Es sollte viel mehr Unterstützung geben .Die Erkrankten haben oft auch Angst zu sagen was sie haben. Gesellschaftlich ist eine Psychische erkrankung immer noch ein Makel. ach der hat eine Meise oder stell dich nicht so an. Da muss noch viel geschehen ! Mein Sohn ist erkrankt und ich weiß wovon ich spreche. in den tief phasen hat er auch Halluzinazionen . nach dieser Phase ist alles okay, dann erinnert er sich an nichts,es ist dann für ihn schwer diese Erkrankung zu kazeptieren. geht es ihm gut rutscht er aus dem Hilferaster raus. es ist schwer für die Fanilie , die auch an ihre grenzen kommt.