Epilepsie im Gehirn
Bei einem epileptischen Anfall feuern unkontrolliert Neuronengruppen im Gehirn.Agfotografia74/Dreamstime.com

Fakt #1

Der Begriff Epilepsie (von altgriechisch „epílēpsis“, deutsch „Angriff“ bzw. „Überfall“) bezeichnet ein Krankheitsbild, das sich durch mindestens einen spontan auftretenden Krampfanfall äußert, der nicht durch eine vorausgehende erkennbare Ursache hervorgerufen wurde. Bei einem solchen Anfall entladen sich im Gehirn gleichzeitig Neuronengruppen, die zu den unwillkürlichen Verhaltensstörungen führen. Weniger als 5 Prozent aller Menschen erleiden einmal in ihrem Leben einen solchen Krampfanfall. Von derartigen Gelegenheitskrämpfen zu unterscheiden ist eine fortschreitende Epilepsie, unter der rund 1 Prozent der Bevölkerung leiden.

Fakt #2

Noch zu Beginn der griechischen Antike wurde die Epilepsie als eine „heilige Krankheit“ angesehen: Ein Anfall galt danach „als Besessensein von der göttlichen Macht“.

Mit der Begründung der medizinischen Wissenschaft durch Hippokrates geriet diese Vorstellung in Verdrängung: Er und seine Schüler sprachen der Epilepsie erstmals eine natürliche Ursache zu. So wurde angenommen, dass kalter Schleim in das wärmere Blut einströmen und sodann abkühlen würde, was einen Stillstand der Zirkulation hervorbräche.

Im Mittelalter sollten sich Vorstellungen und Annahmen zur Epilepsie erneut radikal ändern: Nunmehr galt ein Anfall häufig als „Angriff von oben“, als „göttliche Strafe“ oder „dämonische Besessenheit“. Für die Betroffenen konnte ein derartige Interpretation schwerwiegende Konsequenzen haben, z.B. einen Exorzismus. So auch geschehen in dem aufsehenerregenden Fall der Anneliese Michel aus dem Jahre 1976.

Fakt #3

In Kork, einem Ortsteil der baden-württembergischen Stadt Kehl, steht das weltweit erste und nach wie vor einzige Museum für Epilepsie. Ins Leben gerufen wurde es 1998 von Hansjörg Schneble, einem deutschen Neuropädiater und Epileptologe sowie langjähriger Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Epilepsiezentrum Kork. Das Deutsche Epilepsiemuseum ist Sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Fakt #4

Kaum bekannt: Auch bei Haustieren kann eine Epilepsie vorkommen. Am häufigsten hiervon betroffen sind Hunde. Etwas seltener erkranken Katzen, sehr selten hingegen Kaninchen. Aufgrund der anderen Nervenschaltungen im Tierhirn wird hier häufig von sogenannten „epileptiformen Anfällen“ gesprochen. Wie beim Menschen wird zwischen idiopathischen (etwa 80%) und symptomatischen Epilepsien sowie zwischen partiellen und generalisierten Anfällen unterschieden.

Fakt #5

Medizinhistorische Untersuchungen geben Anlass zu der Vermutung, dass Sokrates, Gaius Julius Cäsar und auch Napoléon Bonaparte unter Epilepsie litten. Bekannte Persönlichkeiten der Gegenwart, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert worden ist, sind beispielsweise der Schauspieler Hugo Weaving („Matrix“, „Der Herr der Ringe“) oder Musiker Martin Kemp („Spandau Ballet).