Betreuungsplätze für junge Pflegebedrüftige.
Young lonely man in a wheelchair on a balcony looking at the nature in the springKariDesign/ Fotolia

Am vergangenen Donnerstag wurde in Berlin der Barmer Pflegereport 2017 vorgestellt, bei dem über 1.7000 Versicherte zu ihrer Betreuungssituation befragt wurden. Aus dem Report geht hervor, dass es bundesweit deutlich zu wenige Betreuungsplätze für Pflegebedürftige gibt. Für diejenigen unter 60 Jahren fehlen rund 4.000 teilstationäre und 3.400 Kurzzeitpflegeplätze. Aufgrund des mangelnden Angebots können junge Pflegebedürftige zudem oftmals nicht so wohnen, wie es bevorzugt wird. 35 Prozent der zehn- bis 29-Jährigen würden gerne in einer Wohngruppe leben, allerdings blieb für jeden Zweiten dieser Wunsch unerfüllt, da keine Plätze vorhanden waren.

Junge Pflegebedürftige haben andere Bedarfe als ältere

Insgesamt hat es laut dem Pflegereport 386.000 Pflegebedürftige unter 60 Jahren im Jahr 2015 gegeben, davon waren 175.000 Pflegebedürftige weiblich und somit der größte Anteil männlich (211.000). Auch die Krankheitsbilder der jüngeren Pflegebedürftigen wurden ausgewertet: Demnach haben 35 Prozent Lähmungen, 32 Prozent Intelligenzminderungen, 24 Prozent eine Epilepsie und zehn Prozent das Down-Syndrom. „Junge Pflegebedürftige haben ganz andere Bedarfe als ältere. Dem müssen Pflegeeinrichtungen künftig verstärkt Rechnung tragen“, sagte der Autor des Barmer-Pflegereports, Prof. Heinz Rothgang von der Universität Bremen.

Mangelnde Angebote in Kurzzeit- und Tagespflege

Auch in der Kurzzeitpflege liegen dem Report zufolge große Versorgungslücken vor. Neun Prozent der jungen Pflegebedürftigen nutzen zwar einmal im Jahr die Kurzzeitpflege, allerdings würden insgesamt gerne 19 Prozent der Befragten auf dieses Angebot zurückgreifen. Der Wunsch nach Kurzzeitpflege ist also um über 100 Prozent höher, als es tatsächlich realisierbar ist. Das gleiche Bild zeichnet sich in der Tagespflege ab: 13 Prozent beanspruchen diese, jedoch würden es insgesamt gerne 20 Prozent. Auch hier wurde bei vielen (40 Prozent) angegeben, dass der Grund in den nicht vorhandenen Angeboten für ihre Altersgruppe liegt.

Daher resümierte Prof. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer: „Für junge Pflegebedürftige geht das Angebot an geeigneten Pflegeplätzen an deren Bedürfnissen vorbei, Wunsch und Wirklichkeit klaffen häufig auseinander. Die Situation der jungen Pflegebedürftigen muss dringend verbessert werden, und zwar kurzfristig. Hier sind Politik, Pflegekassen und Leistungserbringer gleichermaßen gefragt.“

Quelle:

barmer