Deutsche Stiftung Schlaf
Prof. Dr. Fietze (Mitte), zusammen mit Kollegen bei der Deutschen Stiftung Schlaf.

Fietze: Herr Prof. Dr. Fietze, warum ist es überhaupt wichtig die Menschen über Schlaf aufzuklären?

Fietze: Man muss sagen, es wird vieles richtig gemacht beim Schlafen. Allerdings sind ca. 1/3 der Menschen in Deutschland schlechte Schläfer. Das Problem dabei ist, dass das Bewusstsein für Schlafmedizin einfach sehr gering ist. Wenn Sie einen Pickel haben, gehen Sie zum Hautarzt. Wenn Sie Herzprobleme haben, zum Kardiologen usw. Aber an wen wenden Sie sich bei Schlafproblemen? Es gibt keine offizielle Foren, an die sich die Menschen wenden könnten. Deshalb setzen wir, von der Stiftung Schlaf uns für mehr Aufklärung ein, und zwar vor allem bei Jugendlichen.

Rechtsdepesche: Und wie läuft diese Aufklärung genau ab?

Fietze: Wir haben unterschiedliche Projekte, bei denen wir mit Schulen kooperieren. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung organisieren wir regelmäßig solche Projekttage. Die Direktoren und Lehrer interessieren sich sehr stark für dieses Thema. Allerdings mussten wir feststellen, dass sich die Jugendlichen außerhalb dieser Schulveranstaltungen wenig mit derartigen Events etc. befassen. Paradoxerweise mussten wir aber feststellen, dass immer mehr junge Leute, sogenannte „Schlaf“-Apps verwenden, um beispielsweise ihren Schlaf zu tracken. Wir versuchen deshalb bei unserer Aufklärungsmission aktuelle Themen aufzugreifen, die die jungen Menschen betreffen oder interessieren. Die Diskussion ob die Schulzeit freizügiger gestlatet werden sollte, oder ob die Schule später anfangen sollte aber auch Fragen wie : „Wie wirkt sich Sport auf euren Schlaf aus?“ oder „Wie wirkt sich der Alkoholkonsum auf euren Schlaf aus?“ Das sind Themen, die die Jugendlichen interessieren. Wir haben außerdem eine „Schlafmesse“ – die Sleep for fit, welches so gesehen eine einzigartige Messe ist, bei der auch Referenten über interessante Schlafbezogene Themen sprechen.

Rechtsdepesche: Sie haben ja bereits die Schlaf-Apps angesprochen, ein höchst aktuelles Thema. Was halten Sie davon?

Fietze: Aus rein medizinischer Sicht, sind die meisten Unfug. Aber der Gedanke dahinter ist sehr gut, denn die Apps schaffen ein Bewusstsein für gesünderen Schlaf und regen auch dazu ein, sich mit dem Thema eingehender zu befassen. Solche Apps werden natürlich nicht den Arztbesuch ersetzen können, aber das Ziel der Aufklärung ist etwas was wir befürworten.

Rechtsdepesche: Eine etwas persönlichere Frage: Sind Sie selbst Langschläfer oder Kurzschläfer?

Fietze: Ich würde von mir selbst behaupten, dass ich ein Normalschläfer bin. In meiner Jugend konnte ich wesentlich länger schlafen aber diese Zeiten sind schon leider vorbei. Interessanterweise, gab es lange Zeit keine Normwerte fürs Schlafen. Wir wissen wie viel Herzschläge pro Minute normal sind. Aber einen Normwert fürs Schlafen gibt es erst seit Februar. So sind Menschen, die beispielsweise bis 9 Stunden täglich schlafen Langschläfer. Wer in der Regel länger schläft, der leidet womöglich unter Gesundheitlichen Problemen.