Vereinigung für Pflegende, erste Sitzung in Bayern.
Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), äußerte sich zur ersten Sitzung des Gründungsausschusses der „Vereinigung der Pflegenden“ in Bayern.Haraldmuc/Dreamstime.com/DPR

Alternativ zu einer Pflegekammer wurde bereits im April dieses Jahres einer „Vereinigung der Pflegenden“ in Bayern zugestimmt. Insbesondere der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR), aber auch andere Pflegeverbände zählen zu den stärksten Kritikern des Zusammenschlusses. Sie halten die „Vereinigung der Pflegenden“ für keine echte Interessenvertretung der professionell Pflegenden.

Erste Sitzung des Gründungsausschusses

Nun hat am gestrigen Tag die erste Sitzung des Gründungsausschusses der „Vereinigung der Pflegenden“ in Bayern stattgefunden. Anlässlich dessen meldete sich Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), zu Wort: „Der Deutsche Pflegerat lehnt die Vereinigung der Pflegenden in Bayern ab und fordert die bayerische Politik auf, ihre Position zu diesem losen Interessenverbund zu ändern. Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern ist und bleibt ein Etikettenschwindel und soll den Pflegefachpersonen gegen ihren Willen übergestülpt werden. Ein solcher Verbund kann nicht die einer starken Pflegekammer zugeschriebenen Aufgaben erfüllen. Da können auch alle anders lautenden Betörungen des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege nichts daran ändern.“

Weiterhin wurde die fehlende Unabhängigkeit aufgrund der staatlichen Finanzierung kritisiert. Zudem repräsentiere die Vereinigung nicht die gesamte Berufsgruppe der Pflegefachpersonen, da die Mitgliedschaft auf Freiwilligkeit beruht. Wagner legte Bayern, wie schon sein Vorgänger, Andreas Westerfellhaus, die Gründung einer Pflegekammer nahe: „Die Pflegefachpersonen wollen ihre Belange selbst in die Hand nehmen. Das kann nur durch die Gründung einer starken Pflegekammer erreicht werden. In dieser ist gewährleistet, dass es tatsächlich um die Interessen der Pflegefachpersonen geht und nicht Interessengruppen der Arbeitgeber Einfluss nehmen können, wie dies in Bayern der Fall sein wird.“

Keine wichtige Chance verpassen

Marliese Biederbeck, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Landespflegerates und Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) Südost e.V., betonte hingegen, dass man nun lieber die Chance zum Handeln nutzen sollte, anstatt über die Vereinsgründung zu diskutieren:

„Jetzt geht es darum, den Notstand in der Pflege in die aktuellen Koalitionsgespräche auf Bundesebene einzubringen und hier nach passenden Lösungen zu ringen. Wer sich in dieser wichtigen Phase mit Vereinsneugründungen beschäftigt, verpasst erneut eine wichtige Chance, erst Recht, weil kompetente Ansprechpartnerinnen mit fachlicher Expertise im Bayerischen Landespflegerat bereits seit 70 Jahren gebündelt zur Verfügung steht.“

Quelle:

DBfK, DPR