Pflegepolitische Diskussion „Finger weg von der Fachkraftquote“

Äußerungen des pflegepolitischen Sprechers der CDU/CSU, Erwin Rüddel, zur Felxibilisierung der Fachkraftquote in Pflegeeinrichtungen haben eine rege Diskussion entfacht. Der Deutsche Pflegerat e.V. sowie der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe kritisieren diese Forderung und sehen darin einen falschen Ansatz, der die Pflegequalität mindern würde.

Fachkraftquote in Pflegeeinrichtungen.
Für den DBfK sowie für den DPR ist eine Flexibilisierung der Fachkraftquote in Pflegeeinrichtungen der falsche Ansatz.Alexraths/Dreamstime.com

Die Forderung des pflegepolitischen Sprechers der CDU/CSU, Erwin Rüddel, die Fachkraftquote in Pflegeeinrichtungen zu flexibilisieren sorgte für ein Echo. Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) kritisierte den Politiker für seine Äußerungen deutlich. Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR, sagte: „Finger weg von der Fachkraftquote in stationären Pflegeeinrichtungen. Im Mittelpunkt darf nicht die Flexibilisierung des Personaleinsatzes für die Einrichtungsbetreiber stehen. Das ist der falsche Ansatz. Im Mittelpunkt muss die Patientensicherheit stehen.“

Vielmehr müsse die Fachkraftquote nach oben hin ausgestaltet werden, an die bisherige Regelung einer 50-prozentigen Fachkraftquote könne nicht mehr festgehalten werden, erklärt Westerfellhaus weiter. Außerdem sei die Zahl pflegebedürftiger Menschen angestiegen und damit auch die Leistungsanforderungen an die qualifizierten Pflegekräfte.

DBfK: Reduzierung der Fachkraftquote in der Altenpflege undenkbar

An diesem Punkt setzt auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) an und sieht insbesondere die Altenpflege durch eine solche Flexibilisierung gefährdet. Der DBfK bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen des Niedersächsischen Sozialministeriums, wonach schon heute rund 2 Millionen Menschen in Niedersachsen älter als 60 Jahre sind, und diese Zahl steigt weiter an. Laut dem Statistischen Bundesamt liegen die Zahlen in Nordrhein-Westfalen, Schlesweig-Holstein, Bremen und Hamburg in einem ähnlichen Bereich.

„Eine gute personelle Ausstattung in der Altenpflege wird daher künftig noch wichtiger werden, als sie es heute bereits ist. Die Personaldecke weiter auszudünnen kommt deshalb nicht in Frage. Die Forderungen des DBfK Nordwest sind daher klar: Für Veränderungen an der Fachkraftquote müssen die gleichen Maßstäbe gelten wie für die Einführung des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) und die Entwicklung von Personalbemessungsinstrumenten. Sie müssen auf der Basis wissenschaftlicher evidenzbasierter Erkenntnisse erfolgen. Bis diese vorliegen ist eine Reduzierung der Fachkraftquote undenkbar“, heißt es auf der Seite des DBfK.

Gegenüber dem pflegepolitischen Sprecher der CDU/CSU äußerte der DBfK-Vorstandsvorsitzende Martin Dichter Kritik: „Herr Rüddel und die privaten Arbeitgebervertreter handeln fahrlässig und verantwortungslos gegenüber den pflegebedürftigen Menschen und den Pflegenden in der stationären Altenpflege. Die von ihnen geführte Diskussion führt zudem nur dazu, dass sich noch mehr Pflegende von ihrem Beruf abwenden und frustriert aufgeben und junge Menschen keine Zukunft in dem Beruf sehen.“

Quelle:

DBfK, DPR