Infektionsforschung am Bakterium Staphylococcus aureus.
DZIF-Preisträger Andreas Peschel (links) und Vorstandsvorsitzender Martin Krönke.DZIF/C. Augustin

Seit mehr als 20 Jahren hat er sich der Erforschung von Infektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus verschrieben: Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen (IMIT) und Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhält er jetzt den diesjährigen Preis für translationale Infektionsforschung des DZIF. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und des DZIF in Hamburg verliehen.

Insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können Infektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus verursacht werden, wie beispielsweise Wundinfektionen oder auch Blutvergiftungen. Da er zunehmend gegen gängige Antibiotika resistent ist, ist das Bakterium als typischer „Krankenhauskeim“ gefürchtet.

Bekämpfung mit „Lugdunin“ und Bakteriophagen

Er besiedelt häufig die Nasenlöcher des Menschen – jeder Dritte trägt ihn in sich – und nutzt dieses Reservoir für die Auslösung schwerer Infektionen. Andreas Peschel und sein Team haben in ihren Forschungsprojekten, die auch vom DZIF gefördert werden, herausgefunden, dass Staphylococcus aureus nur selten zu finden ist, wenn das verwandte Bakterium Staphylococcus lugdunensis ebenfalls in der Nase lebt. Dieser Keim der menschlichen Mikroflora produziert ein Antibiotikum, das die Entdecker „Lugdunin“ genannt haben. In präklinischen Studien wollen die Forscher klären, ob Lugdunin therapeutisch eingesetzt werden könnte.

Doch Lugdunin ist nicht der einzige neue Wirkstoff, den Andreas Peschel im Rahmen des DZIF weiterentwickelt, um die Besiedelung der Nase durch Staphylococcus aureus zu bekämpfen: Ein hochwirksames Protein aus speziellen Viren, so genannten Bakteriophagen, soll die Bakterien innerhalb kürzester Zeit töten. Dabei bleibt die natürliche Mikroflora erhalten, denn das Protein wirkt spezifisch gegen Staphylococcus aureus.

Einsatz am Patienten schnell möglich machen

Bei seinen Forschungsansätzen hat Peschel die translationale Infektionsforschung stets im Blick, das heißt die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sollen möglichst schnell dem Patienten zugutekommen. Damit folgt Peschel der obersten Prämisse des DZIF. Bei der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) vom 28. bis 30. September in Hamburg sind Antibiotikaresistenzen das übergeordnete Thema. Rund 500 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kamen zusammen, um aktuelle Forschungsarbeiten zu diskutieren.

Quelle:

idw