Pilzinfektionen, Pilz
Krankheitserregende Pilze wie „Aspergillus fumigatus“ werden im Sonderforschungsbereich/Transregio „FungiNet“ der Universität Jena erforscht. Im Bild der nah verwandte, ungefährliche „Aspergillus nidulans“.Jan-Peter Kasper, FSU

Denn: Was kaum einer weiß, Pilzinfektionen sind eine große Gefahr – ganz besonders für ältere oder abwehrgeschwächte Patienten, beispielsweise mit Leukämie oder nach einer Organtransplantation. Solche Infektionen sind tückisch, weil sie häufig zu spät erkannt und ihre Krankheitsmechanismen kaum verstanden werden. Zudem gibt es nur wenige, teilweise ineffektive Therapiemethoden und zunehmend Resistenzen gegen die eingesetzten Medikamente. „Jährlich erkranken weltweit zwei Millionen Menschen an lebensbedrohlichen Pilzinfektionen. Ein steigendes Problem, das pro Jahr etwa so viele Todesfälle wie Malaria oder Tuberkulose fordert“, warnt Prof. Dr. Axel Brakhage, Sprecher des Sonderforschungsbereichs.

Antiinfektive Therapien entwickeln

Deshalb lautet das ambitionierte Ziel der Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich – auch „FungiNet“ genannt – pilzbedingte lebensbedrohliche Infektionen besser zu verstehen und neue, dringend benötigte antiinfektive Therapien zu entwickeln.

Seit Oktober 2013 arbeiteten die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Universitätsklinikums Jena und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (HKI) gemeinsam mit Kollegen der Universität Würzburg und ihrem Klinikum in 18 Teilprojekten sehr erfolgreich zusammen: „Seit Projektstart haben die beteiligten Kollegen 112 Publikationen veröffentlicht – unter anderem im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature.

Die Forscher untersuchen demnächst weitere Pilzarten

Darüber hinaus konnten sie das erste Pilzgift bei Candida albicans – einem der häufigsten Auslöser von schweren Pilzinfektionen in Europa – identifizieren. Damit machten wir einen bedeutenden Schritt, um die Krankheitsmechanismen infektiöser Pilze besser zu verstehen und künftig verbesserte Therapien ableiten zu können“, bilanziert Axel Brakhage, Lehrstuhlinhaber für Mikrobiologie und Molekularbiologie an der Universität Jena und zugleich HKI-Direktor mit Blick auf die letzten vier Forschungsjahre.

Die Mikrobiologen, Immunologen, Kliniker, Bioinformatiker und Chemiker im Netzwerk weiten ihr Forschungsinteresse in den nächsten Jahren auf weitere krankheitserregende Pilzarten aus. Auch wollen sie ganz neue Möglichkeiten der Immuntherapie entwickeln. „Ergänzt werden die Untersuchungen durch bioinformatische Analysen und die Entwicklung virtueller Infektionsmodelle, so dass wir uns mit diesem bisher einzigartigen Forschungsverbund weiterhin nachhaltig der unterschätzten Gefahr von Pilzinfektionskrankheiten widmen können“, bestärkt Brakhage.

Quelle:

idw