Klinikum Bremen-Ost Keine Strafverfahren gegen Ärzte nach Patientensuizid

Es besteht kein hinreichender Tatverdacht gegen drei Ärzte des Klinikums Bremen-Ost wegen fahrlässiger Tötung einer Patientin, die sich in ihrer Behandlung befand, bis sie Suizid beging. So lautet die Entscheidung des 1. Strafsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen.

Suizid einer Patientin in Bremen
Das Klinikum Bremen-Ost: Hier wurde die damals 20-jährige der Tochter der Antragstellerin bis zu ihrem Suizid behandelt (Archivbild aus 2009).Jürgen Howaldt [CC BY-SA 3.0 DE]

Mit dem Beschluss vom 18.8.2017 (Az.: 1 Ws 174/16), der jetzt veröffentlicht wurde, wiesen die Richter des OLG Bremen den Antrag der Mutter der Patientin auf Durchführung eines Strafverfahrens gegen die Ärzte als unbegründet zurück.

Im Juli 2014 wurde bei der damals 20-jährigen Tochter der Antragstellerin ein ausgeprägtes depressives Syndrom festgestellt. Auf Veranlassung der behandelnden Neurologin und Psychiaterin wurde die junge Frau daraufhin in das Klinikum Bremen-Ost eingewiesen. Auf der dortigen allgemeinpsychiatrischen Station erfolgte sodann ein umfangreiches Behandlungsprogramm sowie die Gabe von Medikamenten. Für Anfang August 2014 war dann die Übernahme in die Psychosomatik vorgesehen. Auf eigenen Wunsch wurde die Patientin jedoch zunächst entlassen, da sie beabsichtigte mit der Familie und Freunden einen Besuch in einer anderen Stadt vorzunehmen. Am Tage ihrer Entlassung begab sich die Patientin sodann zum Hause ihrer Mutter, wo sie sich im Dachgeschoss strangulierte.

Das von der Staatsanwaltschaft daraufhin gegen Ärzte der Klinik eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde später mangels hinreichenden Tatverdachts wieder eingestellt. Hiergegen reichte die Mutter der Patientin Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft ein. Beim OLG Bremen stellte sie einen Antrag auf gerichtliche Entscheidung gegen den Beschwerdebescheid der Generalstaatsanwaltschaft.

Das Gericht hat den Antrag nunmehr abgewiesen. Zur Begründung gab es an, dass auch nach dem Ergebnis der Nachermittlungen kein hinreichender Tatverdacht gegen die behandelnden Ärzte bestehen würde. So konnte der hinzugezogene Sachverständige keinen Fehler bei der Behandlung der Patientin feststellen.

Auch die Unterbrechung des Klinikaufenthaltes stelle keinen Behandlungsfehler dar, vielmehr sei dieser von der Patientin gewünscht gewesen. Bei bereits zuvor erfolgten Beurlaubungen mit Übernachtungen hätten sich zudem keine Verhaltensauffälligkeiten bei der Patientin gezeigt. Nach den Ausführungen des Sachverständigen sei am Tag der Entlassung für das Klinikum auch nicht erkennbar gewesen, dass eine gesteigerte Suizidalität bei der Patientin bestand. Schließlich sei zu berücksichtigen, dass sich die Patientin freiwillig in der Klinik aufgehalten habe und die Klinik jederzeit habe verlassen dürfen.

Nach alledem sei kein hinreichender Verdacht dafür festzustellen, dass die behandelnden Ärzte sich mit der Behandlung der Patientin einer fahrlässigen Tötung oder eines anderen Delikts schuldig gemacht haben.