Roboter
Der kleine Roboter Zora wird Stefanie Fimm, Gesamtleitung Physiotherapie des UKSH, und ihre Kolleginnen bei der Motivation und Mobilisation der jungen Patienten unterstützen.UKSH

Zwei neue Mitarbeiter werden in Kürze in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) ihren Dienst aufnehmen. An sich wäre dieser Umstand noch keine besondere Nachricht wert, wenn es sich nicht dabei um zwei sogenannte humanoide Roboter handeln würden. Damit sind Apparaturen gemeint, die ein menschen­ähnliches Erscheinungsbild aufweisen und menschliches Verhalten imitieren, um mit Menschen interagieren zu können.

Die beiden im UKSH eingesetzte Exemplare sind Teil des „Zora“-Projektes. Zora – das ist zunächst ein Akronym für „Zorg Ouderen Revalidatie en Animatie“, was aus dem Niederländischen übersetzt für „Altenpflege, Rehabilitation und Animiation“ steht. Die Begriffe stehen die wesentlichen Aufgabenbereiche, für die die Software der Zora-Roboter (oder kurz: ZoraBots) konzipiert worden ist.

Dadurch wird der äußerst kommunikative Roboter in die Lage versetzt, u.a. zu Bewegungsübungen zu motivieren, an die Einnahme von Arzneimitteln oder an die Flüssigkeitsaufnahme zu erinnern, oder zu singen und Geschichten zu erzählen. Nach Angaben des belgischen Entwicklers sollen weltweit bereits 400 ZoraBots im Gesundheitswesen tätg sein.

Kein Neuling unter den Robotern

Die technische Grundlage des ZoraBots liefert im Übrigen ein recht bekannter Vertreter seiner Art: Der NAO, ein knapp 58 Zentimeter hoher und rund 4,5 Kilo schwerer Roboter des japanischen Herstellers Softbank Robotic. Es existiert bereits seit 2008 auf dem Markt und liegt mittlerweile in der 5. Generation vor.

Mit den Klinikclown on Tour

Für den Projektstart im UKSH ist geplant, dass Zora die Klinikclowns bei ihrer Visite begleitet und unterstützt. Ziel ist es, Kindern eine Abwechslung vom Krankenhausalltag zu verschaffen und Berührungsängste abzubauen. In Kooperation mit der Physiotherapie soll der Roboter zudem helfen, Kindern therapeutische Übungen nahezubringen und zu motivieren.

Darüber hinaus soll Zora auch im Rahmen eines Autismus-Projektes an der Kinderklinik zum Einsatz kommen. Kindern, die an Autismus-Spektrum-Störungen leiden, fällt es häufg leichter mit Gegenständen statt mit Menschen zu kommunizieren. Aus diesem Grund wird Dr. Navah Kadish, Psychologin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II, prüfen, inwieweit die Roboter helfen könnten, die Kinder bei ihrer Therapie zu unterstützen.

Weitere Anwendungsgebiete denkbar

Längerfristig wollen die Projektteilnehmer auch über Einsatzmöglichkeiten in anderen klinischen Bereichen, z.B. in der Neurogeriatrie, nachdenken. Darüber hinaus wäre auch denkbar, dass Zora, das über 20 Sprachmodule verfügt, einfache Übersetzertätigkeiten bei der Kommunikation mit ausländischen Patienten übernehmen könnte.

„Wir sind jetzt in der Startphase, in der wir Schritt für Schritt lernen wollen, an welchen Stellen Zora sinnvoll unterstützen kann“, erklärte Prof. Dr. Ulrich Stephani, Direktor der Kinderklinik, hierzu. „Dabei geht es immer um das Wohl unserer Patienten und eine Unterstützung unserer Mitarbeiter. Sicher ist schon jetzt: Qualifiziertes Personal ersetzen, kann keine Maschine.“