Kontrazeptiva „Pille danach“ findet weiter großen Absatz

Seit über einem halben Jahr ist die sogenannte "Pille danach" in Deutschland rezeptfrei. Seitdem wird sie deutlich häufiger verkauft. Die größte Nachfrage gibt es in Sachsen.

Die "Pille danach" Ellaone.
Das Präparat „Ellaone“ mit dem Wirkstoff Ulipristal ist seit dem 16. März 2015 rezeptfrei erhältlich. (Bild: HRA PHARMA)

Das Beratungsunternehmen IMS Health berichtet, dass zwischen März und November 2015 rund 526.000 Packungen abgegeben wurden. Das ist beinahe die Hälfte mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. In Berlin fiel der Anstieg mit 39 Prozent eher mäßig aus, in Sachsen ist er mit 61 Prozent am höchsten.

Die wöchentliche Abgabemenge hat sich stabilisiert

Das Präparat „Ellaone“ mit dem Wirkstoff Ulipristal ist seit dem 16. März 2015 rezeptfrei erhältlich, „Pidana“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel seit dem 15. April 2015. In den ersten Wochen nach der Entlassung aus der Verschreibungspflicht erhöhte sich die Menge abgegebener Packungen um 40 Prozent.

Es wurde schon vor einem halben Jahr verschiedentlich diskutiert, ob der rezeptfreie Status zu Mehrabgaben der Präparate in den Apotheken führen würde. Eine Analyse zeigte aber, dass sich die wöchentliche Abgabemenge in den ersten Wochen nach Entlassung aus der Rezeptpflicht nur um rund 40 Prozent erhöhte und seitdem stabil bei einem Volumen zwischen 13.000 und 14.000 Packungen pro Woche liegt.

Die meisten zahlen selber

Mit der Aufhebung der Rezeptpflicht für die „Pille danach“ gingen einige gesetzliche Vorgaben einher. So wurde über eine Ergänzung des Heilmittelwerbegesetzes (§ 10 HWG) das Publikumswerbeverbot auch für Notfallkontrazeptiva festgelegt und ein Versandhandelsverbot erlassen. Letzteres soll vor dem Hintergrund erfolgt sein, dass eine unverzügliche Verfügbarkeit des Arzneimittels bei Bedarf durch den Versandhandel als nicht gewährleistet gilt und „Vorratsbestellungen“ nicht für sinnvoll erachtet werden; außerdem gelte die erforderliche individuelle Beratung nicht als gesichert.

Für bis 20-Jährige besteht eine Erstattungsvorgabe an die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV), vorausgesetzt, es liegt eine ärztliche Verordnung vor. Bisher galt diese Bestimmung nur für verschreibungspflichtige Mittel zur Empfängnisverhütung. Eine Analyse nach der Zahlart zeigt, dass nur hinter 7 Prozent aller abgegebenen rezeptfreien Packungen von Notfallkontrazeptiva GKV-Rezepte stehen. Doppelt so viele Verordnungen erfolgen auf PKV-Rezepten, der größte Anteil entfällt jedoch mit vier Fünftel auf Selbstzahler.

Quelle: ÄrzteZeitung, IMS Health

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