SeriousGame
Spielen verbindet Generationen – und kann sogar wissenschaftlich genutzt werden.Viacheslav Iacobchuk/Dreamstime.com

Ein schönes Beispiel für ein derartiges SeriousGame ist „Foldit“. Das Programm wurde von Wissenschaftlern der University of Washington 2008 entwickelt, um auf spielerischer Weise Proteine zu optimieren. Dabei ist das Programm, dass kostenlos der Spiel-Community zur Verfügung steht, so konzipiert, dass es ohne Hintergrundwissen genutzt und gespielt werden kann.

Und das auch schon recht erfolgreich: So konnten mithilfe von Foldit unter anderem in der AIDS-Forschung Fortschritte erzielt werden. Dort stand man lange Zeit vor dem Problem die Struktur von M-PMV-Protease – ein Protein, das bei Rhesus-Affen AIDS auslöst – zu entschlüsseln. Gut zehn Jahre traten die Forscher hierbei auf der Stelle. Der springende Punkt war, dass ein Protein unter dem Mikroskop nur zweidimensional betrachtet werden kann. Des Weiteren waren die Computermodelle dieser Zeit für eine räumliche Bearbeitung noch nicht ausgelegt.

Im Jahr 2011 wandten sich die AIDS-Forscher dann an die Gaming-Community von „Foldit“. Mit deren Hilfe gelang es dann die Struktur von M-PMV-Proteasezu entschlüsseln – und zwar in nur zehn Tagen!

SeriousGame
Es sieht unscheinbar aus, doch Foldit kann richtig süchtig machen.

SeriousGames auf der GamesCom

Dieses spannende Projekt wurde auch auf der GamesCom 2017 in Köln thematisiert. Dort wurde auch weitere Beispiele aus der Krebs- oder Demenz-Forschung vorgestellt, in denen mithilfe von „Foldit“ ebenfalls Fortschritte erzielt werden konnten, und die so demonstrieren, dass es sich nicht nur um einen einmaligen Glückstreffer handelte.

Es zeigt, dass Spiele mittlerweile nicht nur ein fester Bestandteil unserer Kultur sind, sondern auch außerhalb der Gaming-Branche zum Einsatz gebracht werden können und dabei ernst zu nehmen sind. Es wäre wünschenswert, wenn solche Spiele auch mehr Raum in der öffentlichen Diskussion finden würden, damit Medizin und Forschung weiter von solchen Anwendungen profitieren können.

Klar ist, dass Games mittlerweile mehr als nur Spaß sind, und es bleibt jedem selbst überlassen, was man aus diesem Medium macht. Potential steckt aber in vielen Bereichen. Und wer selber keine Idee hat, wo und wie er das Medium für solche Zwecke nutzen kann, dem ist ein Besuch auf einer Messe wie der GamesCom sehr zu empfehlen.