WHO, Jugendlichen, Fettleibigkeit
Die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendliche nimmt weiter zu.Kwanchaichaiudom/Dreamstime.com

Der wirtschaftliche Aufholprozess vieler Schwellenländer hat eine große Schattenseite: Weltweit gibt es immer mehr Kinder und Jugendliche, die übergewichtig oder sogar fettleibig sind. Gegenüber 1975 hat sich ihr Anteil mehr als verelffacht. Das ergab eine groß angelegte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Imperial College in London. Für die Bestandsaufnahme anlässlich des Welt-Adipositas-Tages – die größte ihrer Art in der Geschichte – wurden die Körpergröße und das -gewicht von weltweit ca. 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 19 Jahren. In Deutschland war das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) an der Untersuchung beteiligt, die im Medizinblatt „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Auf die Menschheit hochgerechnet, stieg die Zahl der fettleibigen Kinder und Jugendlichen binnen 40 Jahren von 11 auf 124 Millionen. Bei den Mädchen beträgt die Quote sechs Prozent (50 Millionen), bei Jungen sogar acht Prozent (74 Millionen). Noch hinzu kamen 213 Millionen Kinder und Jugendliche, die als übergewichtig, aber nicht als fettleibig gelten. Die Schwellenwerte hierfür sind bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 beziehungsweise 30 definiert.

2022 laut Prognosen weltweit mehr Kinder mit Adipositas als mit Untergewicht

Besonders stark war der Anstieg in Ostasien, Südamerika, der Karibik, dem Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika sowie in den englischsprachigen Ländern mit hohem Einkommen (USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Irland). In den übrigen hoch entwickelten Ländern habe sich die Entwicklung hingegen verlangsamt, oder sei – freilich auf inakzeptabel hohem Niveau – gestoppt. Sollte der Trend anhalten, rechnen die Wissenschaftler damit, dass 2022 erstmals mehr fettleibige als untergewichtige Kinder auf der Welt leben werden. Letztere Zahl belief sich 2016 laut der Studie auf rund 192 Millionen (117 Millionen Jungen, 75 Millionen Mädchen).

Der Londoner Studienleiter Majid Ezzati führt den Trend auf die immer stärkere Verbreitung und Bewerbung von energiereichen, ungesunden Lebensmitteln zurück. Gerade in Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen werde dadurch zunehmend gesundes Essen verdrängt. „Dem Trend zufolge wird eine Generation von Kindern und Jugendlichen heranwachsen, die fettleibig ist und höheren Gesundheitsrisiken, wie Diabetes, ausgesetzt ist“, so Ezzati. „Wir brauchen Konzepte für mehr gesundes, nahrhaftes Essen in Haushalten und Schulen, gerade in ärmeren Familien und Gesellschaften.“ Zugleich warb er für Steuern und Regulierungen, um Kinder stärker vor ungesundem Essen zu schützen.

Deutschland im europäischen Mittelfeld – Untergewicht in Indien extrem verbreitet

Innerhalb von Europa weisen Griechenland bei den Jungen (16,7 Prozent) sowie Malta bei den Mädchen (11,3 Prozent) die höchsten Adipositas-Quoten auf. Am anderen Ende liegt Moldawien mit 5 beziehungsweise 3,2 Prozent. Deutschland liegt mit 11,2 beziehungsweise 6,9 Prozent im europäischen Mittelfeld. Die weltweit höchsten Raten weist die Südsee-Region mit Polynesien und Mikronesien auf, wo ein knappes Viertel der Kinder und Jugendlichen viel zu dick ist. Dem gegenüber leben in Indien sowohl absolut als auch relativ die meisten untergewichtigen Kinder und Jugendlichen. Hier brachten 2016 22,7 Prozent der Mädchen und 30,7 Prozent der Jungen zu wenig auf die Waage. Mit einer Zahl von insgesamt 97 Millionen lebt mehr als jeder zweite untergewichtige junge Mensch der Welt in Indien. Immerhin sind die Quoten gegenüber 1975 hier leicht rückläufig.

Quelle:

WHO, DKFZ