Ingrid Fischbach.
Parl. Staatssekretärin, Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte, Ingrid Fischbach.Laurence Chaperon

Das Krankenversicherungs- und Pflegesystem sei zwar gut und die medizinische und pflegerische Versorgung in Deutschland hochwertig, dennoch rücken Patienten und Pflegebedürftige zu oft in den Hintergrund, wenn es um Geld und Einfluss geht, so Fischbach. Aus diesem Grund hat sie sich mit einer Acht-Punkte-Liste an Politiker gewendet, aus der hervorgeht, in welchen Problempunkten im Gesundheitssystem sie Handlungsbedarf sieht.

Der MDK muss unabhängiger werden

Das Prozedere für Betroffene eines Behandlungsfehlers ist nach Ansicht der Patientenbeauftragten mit zu vielen Hürden behaftet. Sie fordert daher eine andere Verteilung der Beweislast. Gerechter sei es, „das Beweismaß für diesen Ursachenzusammenhang auf die überwiegende Wahrscheinlichkeit abzusenken“.

Weiterhin bemängelt sie die Undurchsichtigkeit vieler Kassenentscheidungen. Gerade der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) gelte als „verlängerter Arm der Krankenkassen“ – hier muss laut Fischbach dringend mehr Unabhängigkeit geschaffen werden.

Aufwertung der Gesundheitsfachberufe

In Puncto Ausbildungsvergütung und Ausbildungsbedingungen müsse sich dringend etwas ändern, um Berufe im Gesundheitswesen wieder attraktiver zu machen. Schließlich handelt es sich bei Pflege- und Gesundheitsfachberufen um eine der größten Berufsgruppen, die von großer Wichtigkeit für das Gesundheitssystem sind. Außerdem müsse die Anbindung an die elektronische Gesundheitskarte endlich umgesetzt werden.

Ausbau der Angebote

„Ambulant vor stationär“ – so der bekannte Grundsatz, auch für Vorsorge- und Reha-Maßnahmen. Dazu muss die ambulante Versorgung allerdings auch entsprechend ausgebaut sein. In der Realität werden „pflegende Angehörige jedoch oftmals nicht ausreichend entlastet“, erklärt die Patientenbeauftragte. Der Zugang zu entsprechenden Angeboten müsse daher erleichtert werden, sowohl zu vollstationären Reha-Angeboten als auch zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege und Tages- und Nachtpflege, damit Pflegebedürftige eine Alternative Betreuung wahrnehmen können, wenn die Angehörigen verhindert sind.

Pflegepersonalmangel in Krankenhäusern sorgt zunehmend für belastende Arbeitsbedingungen und stellt zudem eine Gefährdung für Patienten dar. Verpflichtende Personaluntergrenzen sollten daher eingeführt und gegebenenfalls ein wissenschaftliches Instrument zur Personalbemessung entwickelt werden, wie es in der Altenpflege der Fall ist.

Qualitätssicherung und Verbesserung der Terminservicestellen

Terminservicestellen müssen erreichbar sein, um Patienten den Zugang zu Fachärzten und Psychotherapeuten zu vereinfachen – bereits in der Vergangenheit hatte Fischbach kritisiert, dass dies, Ergebnissen von Stichproben zufolge, bei einigen nicht der Fall ist. Sie richtet daher in ihren Forderungen erneut den Appell an die Kassenärztlichen Vereinigungen tätig zu werden.

Zuletzt fordert Fischbach noch mehr Transparenz in der Versorgungsqualität. Es müssen Indikatoren geschaffen werden, anhand derer für Patienten ersichtlich wird, wie es um die Qualität und Patientensicherheit im ambulanten und stationären Bereich steht. Darüber hinaus müssen die Anstrengungen fortgeführt werden, um die Gesundheitskompetenz der Bürger weiterhin zu fördern.

Quelle:

patientenbeauftragter.de