Beistand durch Angehörige und nahestehende Menschen soll für sterbende und schwerstkranke Menschen auch in Zeiten von COVID-19 möglich sein.
Bei­stand durch und nahe­ste­hen­de Men­schen soll für ster­ben­de und schwerst­kran­ke Men­schen auch in Zei­ten von mög­lich sein.Pho­to 36509504 © Kris­to – Gothard Hunor – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Aufhebung des Besuchsverbots im Sterbefall ermöglichen

Auch in von Kon­takt­ver­bo­ten gepräg­ten Zei­ten sol­len ster­ben­de Men­schen in Alten- und Pfle­ge­hei­men in ihren letz­ten Tagen Bei­stand von ihren Ange­hö­ri­gen erhal­ten dür­fen. Die Ethik­kom­mis­si­on der Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sa­chen for­der­te in einer Pres­se­mit­tei­lung, dass ster­ben­de Men­schen auch wäh­rend der eine adäqua­te Ster­be­be­glei­tung und pal­lia­ti­ve Ver­sor­gung erhal­ten sol­len. Unter Ein­hal­tung gege­be­ner Ver­hal­tens­vor­schrif­ten soll­te für der Per­son nahe­ste­hen­den Men­schen eine Aus­nah­me des Besuchs­ver­bots offe­riert wer­den. Lutz Schüt­ze, Lei­ter und Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on unter­streicht dies. Es gel­te, die Ster­ben­den in der aktu­el­len Situa­ti­on nicht allei­ne zu las­sen. Es sol­le auch den Ange­hö­ri­gen ein wür­de­vol­ler Abschied ermög­licht wer­den.

Alten- und Pfle­ge­heim­be­woh­ner zäh­len zu den am meis­ten durch gefähr­de­ten Per­so­nen­grup­pen. Durch das bis­he­ri­ge Besuchs­ver­bot der Ein­rich­tun­gen in Nie­der­sach­sen wer­den sowohl die Bewoh­ner als auch die Pfle­ge­fach­kräf­te vor einer geschützt. Für eine Umset­zung der Aus­nah­me­re­ge­lung bei einem bal­dig abseh­ba­ren Tod eines Ange­hö­ri­gen soll beson­ders auf die Ein­hal­tung der gel­ten­den Hygie­ne- und Abstands­re­geln geach­tet wer­den, um die Mög­lich­keit zur Ster­be­be­glei­tung zu gewäh­ren.

Anzei­ge
avanti

Neben der Besuchs­er­laub­nis müs­se auch die pal­lia­ti­ve Ver­sor­gung in Alten- und Pfle­ge­hei­men gewähr­leis­tet wer­den. Hier­für sei eine vor­aus­den­ken­de gesund­heit­li­che Ver­sor­gungs­pla­nung hilf­reich, die die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se und Wil­lens­be­kun­dun­gen der Bewoh­ner umfas­sen und in einem offe­nen, empa­thi­schen Dia­log erfol­gen sol­le. Für die opti­ma­le Behand­lung und Betreu­ung soll bei Bedarf zusätz­lich auch die Hil­fe ambu­lan­ter Hos­piz- und Pal­lia­tiv­diens­te in Anspruch genom­men wer­den.

Auch die Fach­ge­sell­schaf­ten wie­sen dar­auf hin, dass auch in Zei­ten von COVID-19 ster­ben­de, schwerst­kran­ke und trau­ern­de Men­schen in ihrer Angst und Not jeman­den an ihrer Sei­te brau­chen und haben daher unter Feder­füh­rung der Deut­schen Gesell­schaft für (DGP) Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zur psy­cho­so­zia­len und spi­ri­tu­el­len Unter­stüt­zung her­aus­ge­bracht. Mehr dazu hier.

Pflegekammer gegen generelle Besuchserlaubnis

Seit Mon­tag, dem 20.04.2020 gilt nach Anga­ben des NDR in Nie­der­sach­sen eine Ver­ord­nung, die Besu­che in Pfle­ge- und Alten­hei­men wie­der zulässt, vor­aus­ge­setzt, die Ein­rich­tun­gen erfül­len die not­wen­di­gen Hygie­ne­auf­la­gen. Dabei sol­len die Pfle­ge­hei­me jeweils ein indi­vi­du­el­les Kon­zept ent­wer­fen, wie sie das Infek­ti­ons­ri­si­ko mög­lichst gering hal­ten wol­len. Es soll aus­schließ­lich der Kon­takt zu den Ange­hö­ri­gen gewähr­leis­tet wer­den. Das Antref­fen ande­rer Bewoh­ner sei tabu. Die Lan­des­re­gie­rung will mit der Auf­he­bung des Besuchs­ver­bots der sozia­len Iso­la­ti­on ein Ende berei­ten.

Das Vor­ha­ben stößt wie­der­um auf Gegen­wind sei­tens der Pfle­ge­kam­mer. Für eine unein­ge­schränk­te Öff­nung der sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen sei es zu früh. Eine sol­che Maß­nah­me kön­ne fata­le Fol­gen nach sich zie­hen, wird die Prä­si­den­tin der Kam­mer, Nadya Klar­mann, zitiert. In den letz­ten Wochen sind die Fall­zah­len in deut­schen Pfle­ge­hei­men mas­siv ange­stie­gen. Man müs­se des­halb wei­ter­hin ver­su­chen, die Coro­na-Infek­tio­nen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ein­zu­däm­men. Wich­ti­ger als eine gene­rel­le Locke­rung des Besuchs­ver­bo­tes sei­en Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen, bei denen der kon­se­quent gewahrt blei­be. Der sozia­le Aus­tausch sei natür­lich lebens­wich­tig für die Bewoh­ner, für den sozia­len Kon­takt wur­de in eini­gen Ein­rich­tun­gen daher zuletzt häu­fi­ger mit Tablets oder Com­pu­tern gear­bei­tet. Die Beglei­tung Ster­ben­der müs­se aber unter Beach­tung aller Hygie­ne­re­geln immer mög­lich sein.

Über die Ethikkommission

Die Ethik­kom­mis­si­on der nie­der­säch­si­schen Pfle­ge­kam­mer wur­de im Juni 2019 ins Leben geru­fen. Sie ist deutsch­land­weit die ers­te Pfle­ge­kom­mis­si­on die­ser Art und befasst sich mit berufs­ethi­schen The­men und unter­stützt die Pfle­ge­kam­mer hin­sicht­lich der sich hier erge­ben­den Fra­gen und Pro­ble­ma­ti­ken.