traurige, ältere Frau
Auch älte­re Men­schen erkran­ken ver­mehrt an psy­chi­schen Erkran­kun­gen.

„Aus­gangs­punkt war die Annah­me, dass die gül­ti­gen Dia­gno­se­ver­fah­ren für Erwach­se­ne schlech­ter für die Dia­gno­se von psy­chi­schen Krank­hei­ten bei älte­ren Men­schen geeig­net sind“, erläu­tert die Stu­di­en­lei­te­rin Syl­ke Andre­as (Insti­tut für Psy­cho­lo­gie der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät), die gemein­sam mit Mar­tin Här­ter, Jana Vol­kert und Hol­ger Schulz (Insti­tut und Poli­kli­nik für Medi­zi­ni­sche Psy­cho­lo­gie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf) die Unter­su­chung koor­di­nier­te. Älte­re Men­schen wür­den bei den her­kömm­li­chen Dia­gno­se­instru­men­ten recht bald die Auf­merk­sam­keit ver­lie­ren. Hin­zu kommt, dass die Fra­gen in den bis­he­ri­gen Dia­gno­se­ver­fah­ren oft recht lang und kom­pli­ziert waren, was älte­ren Men­schen zusätz­lich Pro­ble­me berei­te­te.

Das For­schungs­team umfass­te Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler aus Spa­ni­en, Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land, Ita­li­en, Isra­el und der Schweiz. Sie ent­wi­ckel­ten zunächst ein neu­es Dia­gnos­tik­in­stru­ment in Form eines com­pu­ter­ba­sier­ten Inter­views mit ver­ein­fach­ten Sät­zen. Mit die­sem Ver­fah­ren wur­den dann 3.100 älte­re Men­schen (65 bis 85 Jah­re) in Spa­ni­en, Groß­bri­tan­ni­en, Deutsch­land, Ita­li­en, Isra­el und in der Schweiz unter­sucht.

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Bessere Diagnoseinstrumente sind vonnöten

Die Ergeb­nis­se zei­gen eine deut­lich höhe­re Häu­fig­keit von psy­chi­schen Erkran­kun­gen bei älte­ren Men­schen als bis­her ange­nom­men wur­de: Bei einem Drit­tel der Befrag­ten zeig­te sich zum Zeit­punkt des Inter­views eine psy­chi­sche Erkran­kung im letz­ten Jahr (Ein-Jah­res-Prä­va­lenz) und bei einem Vier­tel der Befrag­ten wur­de eine aktu­el­le psy­chi­sche Erkran­kung fest­ge­stellt. Am häu­figs­ten waren es Angst­er­kran­kun­gen (17 Pro­zent) und Depres­sio­nen (14 Pro­zent), an denen die befrag­ten Per­so­nen im letz­ten ver­gan­ge­nen Jahr lit­ten.

Die Ergeb­nis­se sei­en ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der bis­her ange­bo­te­nen Gesund­heits­leis­tun­gen erschre­ckend, so Syl­ke Andre­as. „Wir brau­chen bes­se­re und ver­läss­li­che­re Wege, um zu eru­ie­ren, ob ein älte­rer Mensch an einer psy­chi­schen Erkran­kung lei­det. Damit ein­her geht auch die dring­li­che Not­wen­dig­keit, bis dato bei­na­he gänz­lich feh­len­de psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te für Men­schen im höhe­ren Lebens­al­ter zu eta­blie­ren.“