Hilfsmittel mit Sicherheitsmechanismen sind zum Schutze vor Nadelstichverletzungen ab sofort verordnungsfähig.
Hilfs­mit­tel mit Sicher­heits­me­cha­nis­men sind zum Schut­ze vor Nadel­stich­ver­let­zun­gen ab sofort ver­ord­nungs­fä­hig.frolicsomepl/Pixabay.com [CC0 1.0]

Um poten­zi­el­le Nadel­stich­ver­let­zun­gen zu ver­hin­dern, dür­fen Ärz­te seit kur­zem Hilfs­mit­tel mit einem Sicher­heits­me­cha­nis­mus ver­ord­nen. Dies ergab ein Beschluss des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses über eine Ände­rung der Hilfs­mit­tel-Richt­li­nie (HilfsM-RL) vom 22. Novem­ber 2019. Dem­nach wur­de die Richt­li­nie im Bezug auf die Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung geän­dert. Die Ände­rung trat am 15. Febru­ar die­sen Jah­res in Kraft.

Sicherheitskanülen zum Schutze Dritter

Neu in der Richt­li­nie ist der § 6b „Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln mit Sicher­heits­me­cha­nis­mus“. Hilfs­mit­tel, die eine drit­te Per­son durch ihren Sicher­heits­me­cha­nis­mus vor Stich­ver­let­zun­gen bewah­ren, sind wegen des bei die­sen Wun­den anzu­neh­men­den Infek­ti­ons­ri­si­kos ver­ord­nungs­fä­hig. Vor­aus­set­zung ist, dass ent­we­der medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit für die Ver­sor­gung mit dem Hilfs­mit­tel besteht oder aber der/die Ver­si­cher­te nicht allei­ne zur Anwen­dung des Hilfs­mit­tels fähig ist und daher die Hil­fe eines Drit­ten benö­tigt.

Um das Risi­ko einer Infek­ti­ons­über­tra­gung auf Drit­thel­fer ein­zu­schrän­ken, hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss die Tätig­kei­ten bestimmt, die eine erhöh­te Infek­ti­ons­ge­fähr­dung Drit­ter durch eine Nadel­stich­ver­let­zung ris­kie­ren. Die­se Tätig­kei­ten sind grund­sätz­lich sol­che, die nor­ma­ler­wei­se selbst von der/dem Betrof­fe­nen durch­ge­führt wer­den kön­nen, bei­spiels­wei­se eine Insu­lin­sprit­ze. Der Beschluss umfas­se daher kei­ne Tätig­kei­ten, die aus­schließ­lich Ärz­ten oder Pfle­ge­kräf­ten zuzu­mu­ten sind.

Fol­gen­de Tätig­kei­ten ber­gen eine erhöh­te Infek­ti­ons­ge­fahr für Drit­te durch Nadel­stich­ver­let­zun­gen:

  • Blut­ab­nah­me zur Gewin­nung von Kapil­lar­blut
  • Sub­ku­ta­ne Injek­tio­nen und Infu­sio­nen
  • Per­ku­ta­ne Punk­ti­on eines Port­sys­tems zur Infu­si­on
  • Set­zen eines sub­ku­ta­nen Sen­sors

Körperliche oder geistige Einschränkungen vorausgesetzt

Damit die Ver­ord­nung greift, muss der/die Ver­si­cher­te kör­per­lich und/oder geis­tig ein­ge­schränk­te Fähig­kei­ten auf­wei­sen, die ihn an der allei­ni­gen Durch­füh­rung der Tätig­keit hin­dern. Dazu zäh­len ins­be­son­de­re:

  • Blind­heit oder star­ke Beein­träch­ti­gung des Seh­ver­mö­gens
  • Star­ke Ein­schrän­kung der Grob- und Fein­mo­to­rik der obe­ren Extre­mi­tä­ten
  • Stark limi­tier­te kör­per­li­che oder geis­ti­ge Leis­tungs­fä­hig­keit oder Rea­li­täts­ver­lust
  • Ent­wick­lungs­be­ding­te Beein­träch­ti­gung, die den Pati­en­ten nicht zum erler­nen durch­füh­ren der Tätig­keit befä­higt