Merk intepretiert in seinen Bildern auch Werke anderer Künstler neu. Hier ein Ausschnitt aus einem, von Roy Lichtenstein inspirierten, Werk.

Pop Art, Briefmarken und der Fluss des Lebens – der Berliner Künstler Stefan Merkt versteht sich darauf verschiedene Wahrnehmungen und Themen in seinen Objekten zu verknüpfen. Seit April 1989 erschafft Stefan Merkt seine mosaikartigen Kunstwerke aus hunderten von gewöhnlichen Briefmarken. Der Kölner G&S Verlag freut sich Ihnen, Ihren Freunden und Ihrer Familie seine große Kunst aus kleinen Marken am 15.12.2017 um 18:00 Uhr in den Verlagsräumen am Salierring 48, 50677 Köln, näherzubringen. Es ist die 4. Ausstellung des G&S Verlages mit der wir Künstler/innen fördern möchten. Für vorweihnachtliche Stimmung und Verpflegung ist gesorgt. Gern begrüßen wir Sie mit einem Glas Sekt zu einem kleinen Brunch bei anregenden Gesprächen mit uns. Der Künstler ist anwesend.

„Im Fluss“ – Kunstwerke von Stefan Merkt
Vernissage am 15.12.2017, 18:00 Uhr

Anmeldung unter: verlag@rechtsdepesche.de oder (0221)951584-0

Ort: G&S Verlag GbR, Salierring 48, 50677 Köln

(v.l.n.r.): Inga Hoffmann-Tischner (Organisatorin); Prof. Dr. Volker Großkopf (Juror); Veronika Gerber (Schirmherrin).Johannes Dudek/XtraQueer Photography

Die Messlatte für den 2. WUNDSlam in Köln hing hoch nach dem Dortmunder-Debüt im vergangenen Jahr. Unter der erstmaligen Schirmherrschaft der Initiative Chronische Wunden (ICW) versprach die Organisatorin des diesjährigen Wettstreits Inga Hoffmann-Tischner (Wundmanagement Köln) Spannung bis zum Schluss – und hielt Wort. Im voll besetzen Kölner Künstler Theater in Köln-Ehrenfeld moderierten sie und Carsten Hampel-Kalthoff (OrgaMed Dortmund) mit Witz und Charme das neue linguistische Veranstaltungsformat der Wundversorgung. Bestens aufgelegte Slammerinnen und Slammer lieferten dem Publikum auf hohem Niveau mit unterschiedlichen Stilmitteln unterhaltsame Einblicke in ihre Arbeitswelten. Nach einem Grußwort der ICW-Vorsitzenden Veronika Gerber startete der 2. WUNDSlam.

Wund-Slam in Köln
Die Gäste im Kölner Künstler Theater amüsierten sich gut.Johannes Dudek/XtraQueer Photography

Das Programm

Georg König aus Augsburg heizte gleich zu Beginn die Stimmung mit rockigen Texten und Akkorden an. Der Refrain seines Titels „Wundrand, Wundgrund, keine Heilung in Sicht“ hallte mit Hitpotenzial ohrenbetäubend laut durch die Ehrenfelder Theaterränge. Der 2. Slammer Jörg Priemke aus Bochum setzte demgegenüber auf leisere Töne. In Anlehnung an Martin Luther verkündete er in Mönchskluft den fachkundigen Zuhörern die „Thesen in der Wundversorgung“. Priemkes´ Kernbotschaften lauteten: „Im Mittelpunkt steht der Mensch“ und „Nur saubere Wunden können heilen“. Kurz vor dem Ablauf seiner 10-minütigen Redezeit zog er mit der rhetorischen Floskel „Wer in der Wunde rumnäht, kriegt nicht immer die meisten Moneten“ die Sympathien und den lautstarken Beifall auf seine Seite. Dem Kampf mit dem Keim widmete sich der erste Gruppenslam des Abends, der von der Leverkusener Hubertus Apotheke geboten wurde. Die tour d´horizon durch die mikrobiologischen Sphären der Wunde und der Slogan „Gesunde Haut muss trocken und sauber sein, dann ziehen keine Keime ein“ bescherten dem 8-köpfigen Team einen tosenden Applaus. Die Slammerin Nadja Schollmeier aus Mannheim konzentrierte sich im Anschluss mit „Kunigundes Lovestory“ auf das Verhältnis einer Patientin zu ihrer Wunde. Ihr gelang es auf äußerst einfühlsame Art die soziale Isolation als mögliche Ursache für einen verzögerten Heilungsverlauf darzulegen. Der 5. Slammer, Jan Schmidt, stellte sich als Albert Einstein vor. Er brachte dem faszinierten Publikum die osmotische Kraft des Honigs nah. Unterstützt wurde er dabei durch seine Teamkollegen von Principelle Deutschland mit einer komödiantischen Balletteinlage aus dem Reich der Biene Maja.

Albert Einstein auf dem WUNDSlam
Albert Einstein (mit Grashüpfer Flip) und die osmotische Kraft des Honigs.Johannes Dudek/XtraQueer Photography

Die Siegerin

Wenngleich alle Slammerinnen und Slammer mit ihren souveränen Performances das Publikum begeisterten, konnte es nur einen Sieger geben. Unter den wachen Augen und offenen Ohren des Kölner Rechtsanwalts Prof. Dr. Volker Großkopf wurde der Sieg des 2. WUNDSlams regulariengerecht an der Intensität des Jubels ausgerichtet. Nach einem spannenden Applausfinale tobte und klatschte das Publikum für Nadja Schollmeier schließlich am längsten und lautesten. Glücklich und zufrieden nahm die Mannheimer Wund-Slammerin den Sieger-Pokal entgegen. „Freude über den Sieg und Motivation für die Arbeit“ nehme sie aus Köln mit nach Hause in die Kurpfalz.

Abschlussbild vom WUNDSlam
Hintere Reihe; Nadja Schollmeier, Inga Hoffmann-Tischner, Prof. Dr. Volker Großkopf, Carsten Hampel-Kalthoff (v.l.). Vordere Reihe; Klaus Meier (Gestalter des Pokals).Johannes Dudek/XtraQueer Photography

Ein außergewöhnlicher Wettstreit ist entschieden. Allen Kandidaten ist es gelungen ihre Themen zu vermitteln und ernste Hintergründe in einen würdig-unterhaltsamen Rahmen zu kleiden. Auch mit dem abschließenden „Chapeau“ des Co-Moderators Carsten Hampel-Kalthoff wurde daher das rechte Wort zur rechten Zeit gesprochen. Abschließend bedankte sich die Organisatorin Inga Hoffmann-Tischner bei den verschiedenen privaten Unterstützern der Veranstaltung ohne die ein Gelingen nicht zu garantieren gewesen wäre. Auch die Rechtsdepesche wird dem besonderen wortakrobatischen Event weiter zur Seite stehen.

Der Deutsche Wundkongress 2016 in Bremen.
Neben dem Deutschen Wundkongress fanden in diesem Jahr in der Messe Bremen auch zwei weitere Wundveranstaltungen statt. Dafür entfiel der Bremer Pflegekongress.Michael Schirp

Über 6000 Forscher, Mediziner, Pflegende und Gesundheitswirtschaftler aus rund 80 Ländern trafen sich vom 11. bis 13. Mai in der Messe Bremen zu Austausch, Networking und Fortbildung. Das Kongressprogramm umfasste rund 1000 deutsch- und englischsprachige Vorträge und Workshops. Der international sehr renommierte Kongress fand in diesem Jahr als Veranstaltungstrio statt, bestehend aus dem 10. Deutschen Wundkongress, dem 26. Kongress der European Wound Management Association (EWMA) und dem 2. WundD.A.CH-Kongress.

Das übergreifende Kongressthema lautete: Patienten, Wunden, Rechte. Bereits in der von EWMA-Altpräsidentin Salla Seppänen und dem amtierenden EWMA-Präsidenten Severin Läuchli gemeinsam moderierten Eröffnungssitzung wurde deutlich betont, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte jedem Mensch das Recht auf Gesundheit verleiht. Mit Bezug auf die Wundversorgung bedeute dies, dass jeder Mensch Zugang zu Präventionsmaßnahmen und zur Behandlung nicht heilender Wunden haben muss. Von zentraler politischer und klinischer Bedeutung sei es dabei die Lebensqualität der Patienten sicherzustellen, so das Credo aller Eröffnungsredner.

Bei der Lebensqualität der Patienten setzt auch die Forschung von Prof. Dr. Manfred Schedlowski an. Er sprach über das Zusammenspiel von Psyche und Wundheilung. Bekannt ist die Verbindung zwischen Gehirn und Immunsystem, dass Stress und chronische Belastungen die Arbeitsweise von Immunzellen stören und damit die Wundheilung verzögern. „Aber auch die Erwartungshaltung des Patienten an ein Medikament oder die Beziehung zwischen Patient und Arzt haben Einfluss auf das Schmerzempfinden und die Lebensqualität.“ Diese sogenannten unspezifischen Behandlungseffekte, die nicht durch Arzneimittel oder Behandlungen hervorgerufen werden, bezeichnen Wissenschaftler als „Placeboantwort“. Sie mache bis zu 70 Prozent des Therapie-Erfolgs aus. „Wir konnten nachweisen, dass eine positive Erwartung an ein Medikament mit Aktivitätsveränderungen in bestimmten Hirnregionen korrespondiert, die schließlich auch die Immunzellen in den entsprechenden Endorganen beeinflussen“, erklärt Schedlowski.

Das anschließende deutschsprachige Programm umfasste insgesamt 44 wissenschaftliche Sitzungen mit 130 Vorträgen sowie 4 Key-Sessions des europäischen Programms. 11 der 44 wissenschaftlichen Sitzungen und 2 der 4 Key-Sessions wurden von den Beiräten des WundD.A.CHs geplant. Entsprechend informieren in diesen Sitzungen führende Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam.

Christian Peter, Dr. Maria-Luise Plank und Prof. Dr. Volker Großkopf.
V.l.: Christian Peter, Dr. Maria-Luise Plank und Prof. Dr. Volker Großkopf.Michael Schirp

Im juristischen Veranstaltungsteil wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Großkopf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Bereichen Dokumentation, Schweigepflicht und Aufgabenübertragung herausgestellt und diskutiert. Mit dem Blick auf die Verteilung der Aufgaben zwischen Ärzten und Pflegenden plädierte Großkopf aus deutscher Sicht dafür im konkreten Behandlungssetting zwischen ärztlichem und pflegerischem Personal einen Konsens über die Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen, damit Unstimmigkeiten bezüglich der Therapiewahl nicht zulasten des Patienten gehen.

Ein Vorschlag, den die beiden deutschsprachigen Kollegen in deren heimatliche Diskussionen einbringen werden. Der Schweizer Rechtsanwalt Christian Peter bezog sodann Stellung zur Schweigepflicht: „Bei der Frage, wer Informationen bekommen darf oder nicht, muss man davon ausgehen, dass lediglich innerhalb des Behandlungsteams Behandlungsdetails weitergegeben werden dürfen.“ Insoweit stellt sich die Situation in der D.A.CH.-Region deckungsgleich dar. Ein großer Unterschied wurde jedoch in dem an die Schweigepflicht angrenzenden Rechtsbereich des Einwilligungsmanagements offenbar. Während in Deutschland und Österreich die Einwilligung in eine medizinische Behandlung grundsätzlich nur vom Patienten selbst erteilt werden darf, sieht das schweizerische Recht in bestimmten Fällen eine gesetzliche Einwilligungsermächtigung für nahestehende Angehörige vor.

Dr. Maria-Luise Plank, Rechtsanwältin in Wien, skizzierte sodann die Grundsätze der medizinischen Dokumentation und wies auf die prozessuale Bedeutung von Versäumnissen in der Verschriftlichung der Behandlungsdaten hin. Ihre Aussage, dass Dokumentationsfehler die Beweislast ungünstig auf die Seite der Wundbehandler verlagern, entspricht nach den Aussagen Großkopfs und Peters auch der Praxis in Deutschland und der Schweiz. International übereinstimmend stellten die Rechtsexperten daher die Unverzichtbarkeit der Dokumentation fest und mahnten an, die Dokumentationspflicht sorgfältig wahrzunehmen.

Der medizinische Kongressteil war durch eine enorme Themenbandbreite gekennzeichnet. Neben vielen klassischen Themen der Wundversorgung, wie der Dekubitustherapie, dem Diabetischen Fußsyndrom (DFS), der Wundinfektion oder der Kompressionsbehandlung wurden den Kongressbesuchern in den begleitenden Seminaren und Workshops auch zahlreiche pharmakologische und medizintechnische Innovationen zur Behandlung von chronischen Wundpatienten präsentiert. Beispielsweise ist der Mikrobiologe Dr. Andreas Rüffer der Frage nachgegangen, inwieweit Probiotika wie Bifido- und Laktobakterien bei Wundheilungsstörungen helfen können. Nach seinen Ausführungen ist die Kenntnis über die Art und Zusammensetzung der Darmflora von chronischen Wundpatienten für die Diagnose und Prognose von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Die spezifischen Problemlagen adipöser Patienten wurden vor dem Hintergrund des Zuwachses von Erwachsenen, die in Deutschland unter starkem Übergewicht leiden in verschiedenen Sitzungen thematisiert. Das Übergewicht sei auf dem Wege normaler als das Normgewicht zu werden. Von medizinischer Seite wurde zuächst attestiert, dass Adipositas die Entwicklung der arteriellen Hypertonie und die Manifestierung des Typ-2-Diabetes begünstigt. Typischerweise seien auch die Atmung und Lunge bei Adipositas beeinträchtig.

Bemerkenswert sei, dass in den Krankenhäusern in der Vergangenheit eine deutlich höhere Zahl adipöser Patienten mit Wundheilungsstörungen oder Ulcus cruris zu verzeichnen ist, die die Chirurgen in einer bariatrischen Operation vor besondere Herausforderungen stelle. Längere OP-Zeiten, höherer Blutverlust und ein mehrfach erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen, wie Thrombosen und Infektionen, summieren sich bei den betroffenen Patienten zu einem hohen Gesamtrisiko. Hinzu komme, dass durch die Schwächung der Immunabwehr die Wundheilung bei Adipositaspatienten ein häufiges Problem darstelle und zu einer erhöhten Morbidität führe. Präventive Strategien sollten neben einer Optimierung der Ernährung und präoperativer Antibiotikaprophylaxen auch eine sorgfältige Pflegeberatung und ein effizientes Schnittstellen-Management zwischen den versorgenden Ärzten und dem Wundmanagement beherzigen, so das Credo der Adipositas-Plenen.

Die begleitende Fachmesse lud zum Ausprobieren ein.
Die begleitende Fachmesse lud zum Ausprobieren ein.Michael Schirp

In berufspolitischer Hinsicht wurde das Podium des diesjährigen EWMA-Kongress genutzt, um Vergleiche mit nichtärztlichen Berufszweigen in anderen Ländern zu ziehen. In den USA, in Kanada, Großbritannien oder den Niederlanden ist der Berufszweig des Physician Assistant (PA) längst etabliert, der delegierbare Aufgaben des ärztlichen Personals übernimmt. „Die Tätigkeiten reichen von der Anamneseerhebung über kleinere chirurgische Eingriffe wie das Wunddebridement bis zur organisatorischen Leitung eines Wundzentrums“, sagt Dr. Thomas Karbe, Leiter des berufsbegleitenden PA-Bachelorstudiengangs am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Seit 2005 wird die Ausbildung zum „Arzt-Assistenten“ in Deutschland angeboten. „Ganz klar, der Physician Assistant darf und kann den Arzt nicht ersetzen. Aber er kann ihn entlasten“, so Karbe, der damit die Bedeutung des neuen Berufsbilds vor dem Hintergrund des aktuellen Ärztemangels hervorhebt.

Welche Möglichkeiten die Telemedizin der Wundversorgung bietet, dazu präsentierte Dr. Peter Lübke in der gleichnamigen Sitzung ein Beispiel aus der Praxis. Seit 2011 arbeiten er und seine Mitarbeiter am Wundzentrum Mittelsachsen mit einer Webanwendung, die Wunden dokumentiert, Behandlungsdaten speichert und Versorger miteinander vernetzt. „Das System läuft auf den Smartphones unserer Wundschwestern, auf den Klink-Desktops und -Tablets. Je nach Nutzerrechten können Ärzte, Pflegende und zum Beispiel Orthopädiehäuser auf die Daten zugreifen“, erläutert Dr. Lübke. Eingesetzt wird die App, die Kosten und Zeit spare, bei allen ambulanten und stationären Patienten.

Wie bereits im vergangenen Jahr wurde auch in diesem Jahr wieder der Einsatz von Sauerstoff in der Wundheilung thematisiert. Dr. Thomas Wild erläuterte in seinem Workshop, warum die Körperzellen für die Infektabwehr und den Gewebeaufbau besonders viel Sauerstoff benötigen. Dass die sogenannte topische Sauerstofftherapie mittels Druckmanschetten eine gute, für den Patienten komfortable, Methode ist, um O2-Defizite auf relativ einfache Weise auszugleichen und damit die Wundheilung zu beschleunigen, präsentierten Margarete Ozimek und Peter Peschel im praktischen Teil der Session.

Deutsche und Spanier tauschen sich aus.
Ein Highlight der diesjährigen Winterakademie war der Austausch mit den spanischen Pflegekräften des „Centro Sociosanitario El Pino“.

Die 9. Winterakademie des G&S Verlages stand in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Zeichen. Ernste Fragestellungen zum professionellen Umgang mit den sexuellen Bedürfnissen älterer Menschen und dem Konsum von Alkohol und Drogen durch Pflegebedürftige zogen insgesamt 65 Fach- und Führungskräfte aus Medizin und Pflege in das Hotel „IFA Dunamar“ im Süden Gran Canarias. Prof. Dr. Volker Großkopf, Initiator der Winterakademie, ist der Überzeugung, dass auch den Hochbetagten das Recht zum Ausleben ihrer Emotionalität zusteht. Dieses Thema gilt es nach seiner Auffassung zu enttabuisieren, damit die Betroffenen ihre Bedürfnisse tatsächlich auch ausleben können.

Prof. Dr. Marcus Siebolds (Katholische Hochschule NRW) bearbeitete gleich zu Beginn mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das zentrale Hintergrundthema der gesamten Woche. Wie kann mit dem Spannungsfeld der Patientenautonomie und einer angemessenen, sicheren und vertretbaren Versorgung umgegangen werden? Didaktischer Schwerpunkt seiner Fortbildungseinheit war die Sensibilisierung seiner Zuhörer für die selbstkritische Fragestellung, durch welche innere Haltungen und Einstellungen sie überhaupt zum Handeln bewegt werden.

Parallel dazu sprach Prof. Gertrud Hundenborn (ebenfalls Katholische Hochschule NRW) über die pädagogische Gestaltung von Lernprozessen. Was müssen Lehrende über das Lernen wissen? Mit dem Blick auf das Kernelement der Fortbildung lautete ihre scherzhafte Antwort, dass ein guter Vortrag so sein müsse, wie ein Badeanzug: knapp, ansprechend und das Wesentliche abdeckend.

Ariadne Ghabél auf der Winterakademie 2016
Die Berliner Persönlichkeits-Trainerin Ariadne Ghabél auf der Winterakademie 2016.

Diesen lehrtheoretischen Vorgaben folgend gestaltete die Berliner Persönlichkeits-Trainerin Ariadne Ghabél ihren Fortbildungsteil „Go for Gold“ sehr interaktiv. Sie eröffnete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen besonderen Zugang zu den Sachthemen „Teambildung und Teamkommunikation“ über kreative Gruppenarbeiten und Tanzübungen.

Der Kölner Rechtsanwalt Hubert Klein widmete sich in seinem Vortrag dem juristischen Umgang mit Drogen, Sex und Alkohol im Pflegeheim. Er beschrieb die verfassungsrechtlichen Grenzen, die im Umgang mit obsessiven Pflegebedürftigen zu beachten sind. Sein Plädoyer ging klar zugunsten der Achtung des Selbstbestimmungsrechtes aus. Dem schloss sich auch die Coachin und Supervisorin Brigitte Münzel an. Bei alkoholkranken alten Menschen sei es besonders wichtig, die Betroffenen zu verstehen; letztlich müsse es das Ziel sein, die Lebensqualität zu erhalten und nicht die Abstinenz.

Gemeinsame Übungen und Gruppenarbeiten
Gemeinsame Übungen und Gruppenarbeiten waren ebenfalls Bestandteil der Winterakademie.

Interessante Eindrücke erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Winterakademie am folgenden Exkursionstag in das staatliche Alten- und Pflegeheim „Centro Sociosanitario El Pino“ in Gran Canarias Hauptstadt Las Palmas. Trotz der angespannten Versorgungssituation und langer Wartelisten waren die deutschen Besucher von dem empathischen Umgang der spanischen Kollegen mit den über 400 Bewohnern dieser Einrichtung der Maximalversorgung nachhaltig beeindruckt.

„Zwischen Sehnsucht und Selbstbestimmung – wenn die Liebe Hilfe braucht“ lautete der von allen mit Spannung erwartete Beitrag am letzten Veranstaltungstag von Gabriele Paulsen. Die charismatische Gründerin des ersten deutschen erotischen Portals für immobile Menschen – „Nessita“ – beschrieb welche Hilfsangebote zur Unterstützung der erotischen Wünsche von Bewohnern überhaupt ergriffen werden können. Die über ihr Internetportal angebotene Sexualassistenz und Sexualbegleitung fand erwartungsgemäß bei allen Teilnehmern besonders große Aufmerksamkeit.

Im kommenden Jahr feiert die Winterakademie in der Zeit vom 21. bis 28. Januar 2017 ihr zehntes Jubiläum. Anmeldungen hierzu sind derzeit noch möglich: www.winterakademie.de).

Die Sturzgefährdung ist im Alter signifikant erhöht.
Die Sturzgefährdung ist im Alter signifikant erhöht.Pixabay

Rechtsdepesche: Ab welchem Alter ist ein Anstieg des Sturzrisikos zu verzeichnen und woran liegt das?

Frohnhofen: Ab der Lebensmitte nehmen die Funktions- und Leistungsfähigkeit vieler Organe diskret, aber kontinuierlich ab. Irgendwann ist eine kritische Grenze erreicht. Für das sichere und balancierte Laufen sind sowohl eine gute Funktion des Nervensystems als auch eine stabile Muskulatur wichtig. Von Bedeutung sind aber auch die Sehfähigkeit und das Herz-Kreislaufsystem. In all´ diesen Bereichen kommt es durch den Alterungsprozess zu leichten Veränderungen. Bei dem einem etwas früher, beim dem anderen später. Überlagert werden diese Faktoren von zusätzlich auftretenden Krankheiten und eventuell verabreichten Medikamenten. Generell kann gesagt werden, dass ein gesunder älterer Mensch diesen kritischen Bereich ungefähr ab dem 80. Lebensjahr erreicht. Das ist in etwa die Altersgrenze zu der das Sturzrisiko auch bei fehlenden sonstigen Erkrankungen deutlich ansteigt. Liegen sonstige Erkrankungen vor, wie beispielsweise eine Herzschwäche, oder wurde ein Schlaganfall erlitten, führt dies zu einer deutlich früheren Sturzrisikosteigerung. Tröstlich ist, dass durch die Kenntnis dieser Zusammenhänge diesem Risiko entgegen gearbeitet werden kann.

Rechtsdepesche: Welche Möglichkeiten gibt es, dass Risiko der Sturzneigung zu ermitteln und welche Maßnahmen können ergriffen werden, um im Alter das Sturzrisiko zu minimieren?

Frohnhofen: Die Sturzgefährdung kann aus einfachen Tests abgeleitet werden. Zum Beispiel sollte ein 80-jähriger in einer Art Seiltänzerschritt zehn Sekunden auf einem Fuß frei stehen können. Auch sollte ein gesunder, hoch betagter Mensch aus dem Sitzen ohne Armeinsatz innerhalb von zehn Sekunden 5mal aufstehen können. Wer das schafft, hat eigentlich kein erhöhtes Sturzrisiko. Sind Probleme vorhanden, kann mit regelmäßigem Training wirksam vorgebeugt werden. Nicht übermäßig, aber regelmäßig sollte die Muskulatur trainiert und Gymnastik gemacht werden. Hierfür sind Physio- und Ergotherapeuten eigentlich prädestiniert. Die bieten ein breites Trainingsspektrum an, mit dem am besten frühzeitig angefangen wird. Salopp ausgedrückt: spätestens ab dem 70. Lebensjahr sollte regelmäßig die Muckibude besucht werden.

Auch aus medizinischer Sicht bestehen gute Möglichkeiten das Sturzrisiko zu minimieren. Die Einnahme von Schlafmitteln oder Antidepessiva, Neuroleptika, Sedativa usw. sollte besser kontrolliert und tendenziell reduziert werden, denn mit dem Einsatz von beruhigenden Medikamenten geht eine Erhöhung des Sturzrisikos einher. Besonderes Augenmerk ist auch auf den Blutdruck und die Kreislaufmedikamente zu richten. Fällt der Blutdruck im Stehen stark ab, stellt dies einen deutlichen Risikofaktor für einen Sturz dar. Deshalb muss der Blutdruck bei älteren Menschen auch im Stehen gemessen werden.

Natürlich ist daneben auch auf die äußeren Rahmenbedingungen zu achten, dass sicheres Schuhwerk getragen wird und die Beleuchtungsverhältnisse so optimal wie möglich gestaltet sind.

Nicht vergessen werden darf, dass unsere motorischen Leistungen im Gehirn verankert sind. Insofern ist körperliches Training auch als Gedächtnisleistung zu verstehen. Das heißt, auch die motorischen Abläufe, müssen immer wieder trainiert werden, damit sie sich einspielen.

Rechtsdepesche: Sind dementiell erkrankte Menschen deshalb auch einem höheren Sturzrisiko ausgesetzt?

Frohnhofen: Ja, das ist richtig. Bei Menschen mit Gedächtnisproblemen funktioniert oft auch das motorische Gedächtnis nicht. Gerade demenzkranke Menschen haben aufgrund der Veränderungen in ihrem Nervensystem erhebliche Probleme hinsichtlich der Koordination ihrer Bewegungsabläufe. Leider sind bei dementiell erkrankten Menschen Einbußen in punkto sicherer Körperbalance, richtiger Wahrnehmung und Einschätzung von Entfernungen zu verzeichnen. Das führt dazu, dass die in früheren Jahren routinierten Bewegungsabläufe gestört sind und die Reaktionsmuster auf Gefahrensituationen nicht mehr so flüssig funktionieren. Damit steigt das Sturzrisiko ganz erheblich.

Rechtsdepesche: Sehr geehrter Herr Dr. Frohnhofen, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Das Interview führte Michael Schanz.

„Interkulturelle Kompetenz ist erforderlich um diese Menschen effektiv behandeln zu können.“

Rechtsdepesche on TV interviewte hierzu Dr. Ali Kemal Gün, Facharzt und Integrationsbeauftragter an der LVR-Klinik Köln sowie Autor des Titelthemas der ersten Ausgabe der Rechtsdepesche im Jahr 2016. Ferner besuchte unser Fernsehteam eine Veranstaltung des Gesundheitsamtes Köln, bei dem unterschiedliche Akteure ihre Sichtweise auf die Flüchtlingskrise darstellten.

Medizinische Versorgung der Flüchtlinge sehr problematisch

Flüchtlinge fallen laut Frau Dr. med. Anne Bunte, Leiterin des Kölner Gesundheitsamtes, unter das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Sie haben also das Recht auf eine medizinische Versorgung. Doch in der aktuellen Flüchtlingskrise gestaltet sich die medizinische Versorgung der Betroffenen mitunter besonders schwierig, denn hier stoßen unterschiedliche Kulturen und Ethnien aufeinander, die erst eine gemeinsame Sprache finden müssen.

Sturz ist keine Bagatelle
Ein Sturz stellt insbesondere für Senioren keine Bagatelle dar. Zur Vermeidung eines solchen Ereignisses kommen aber auch Interventionen zum Einsatz, die zu einer Beschränkung der Bewegungsfreiheit führen.Mary Katherine Wynn/Dreamstime.com

In Ergänzung zu der Darstellung der Entscheidung des AG Frankfurt folgt nun eine Beschreibung der juristischen Einsatzvoraussetzungen von sogenannten freiheitsentziehenden Maßnahmen im stationären Pflegebereich:

Aus haftungsrechtlicher Sicht ist es zunächst von enormer Bedeutung, dass das potenzielle Sturzrisiko bei dem jeweilig betroffenen Heimbewohner so präzise wie möglich ermittelt wird. Hierbei muss neben dem abstrakten vor allen Dingen das situativ-konkrete Sturzrisiko herausgearbeitet werden. Dieses (schriftlich erfasste) konkrete Sturzrisiko ist die Grundvoraussetzung, damit eine geeignete sturzprophylaktische Intervention überhaupt zum Einsatz gebracht werden darf.

Richtig ist an dieser Stelle die Einschätzung von Sabine Hagedorn, dass bei der Abwägung des für und wider von sturzpräventiven Maßnahmen der Personalschlüssel keine Bedeutung haben darf.

Auch wenn der Einsatz von Bettgittern in manchen Einrichtungen gängige Praxis sein mag, ändert dies nicht an den Wertungen von Gesetzgebung und Rechtsprechung, nach der diese Form der Sicherungsvorkehrung das Recht der Betroffenen auf Fortbewegungsfreiheit beschneidet. Deshalb ist die Zulässigkeit des Einsatzes immer von einer Rechtfertigung durch die Abgabe einer wirksamen Einwilligung abhängig. Diese ist – wie von Birgit Ellersiek richtig bemerkt – von dem Betroffenen persönlich oder von dessen bevollmächtigten (Vorsorgebeauftragter) oder gesetzlichen (Betreuer) Vertreter abzugeben.

Wird das Hochziehen des Bettgitters verweigert, muss dieser Entscheidung – nach einer Belehrung über die hieraus resultierenden Gefahren – Folge geleistet werden. Wird hingegen die Einwilligung von dem Betroffenen oder dessen Vertreter erteilt, spricht nichts gegen die Einrichtung der Sicherungsmaßnahme. Die Einschaltung des Betreuungsgerichtes wird immer dann erforderlich, wenn die Einwilligung durch einen Betreuer oder Vorsorgebevollmächtigter erfolgt und die Sicherungsmaßnahme länger als 24 Stunden oder regelmäßig (mehr als dreimal) vorgenommen werden soll.

Zusammenfassung

  1. Freiheitsentziehende Maßnahmen immer nur bei einer konkreten Gefahrenlage.
  2. Freiheitsentziehende Maßnahmen bedürfen der Einwilligung des Betroffenen oder der Einwilligung des Vertreters (Betreuer/Vorsorgebevollmächtigter).
  3. Freiheitsentziehende Maßnahmen, die durch einen Betreuer oder Vorsorgebevollmächtigt legitemiert wurden, müssen vom Betreuungsgericht genehmigt werden, wenn die Sicherung länger als 24 Stunden oder öfter als dreimal in Folge vorgenommen wird.

Und weil es auch angesprochen wurde: Die vorgenannten Prinzipien gelten natürlich auch für den Krankenhausbereich. Diese und weitere Fragen werden auf dem JuraHealth Congress am 21.4.2016 in den Kölner Sartory-Sälen diskutiert.

Über den Film

Der Dreiklang „Sex, Drugs and Rock ́n ́Roll“ ist das mythische Kennzeichen eines Lebensstils der 1950er bis 1970er Jahre, der bei vielen seiner Anhänger den gesamten Lebensverlauf geprägt hat. Die Rebellen von einst sind nun selbst in die Jahre gekommen und bedürfen zunehmend der professionellen medizinischen und pflegerischen Unterstützung. Wer im Gesundheitswesen und insbesondere in der Pflege arbeitet, muss den historischen Hintergrund des klischeebehafteten Stereotyps kennen, um eine adäquate Versorgung der ergrauten Rock ́n ́Roller zu gewährleisten.

In diesem Videobeitrag wird sich der zunehmenden Problematik von Sex und Drogen im Alter angenommen.

Über die Winterakademie

Dieser Videobeitrag entstand im Zuge der vom Kölner G&S Verlag GbR veranstalteten Winterakademie, eine Fortbildungsveranstaltung, die einmal im Jahr auf Gran Canaria stattfindet. Das diesjährige Motto lautete „Sex, Drugs & Rollatoren“: Über 60 Protagonisten aus dem Gesundheitswesen folgten dem Aufruf der Initiatoren Prof. Dr. Volker Großkopf und Dipl.-Jurist Michael Schanz, sich gemeinsam über Themen wie beispielsweise der Umgang mit Sexualität und Drogenkonsum im Alter auszutauschen. Der besondere Reiz liegt dabei in dem breitgefächertem Publikum: Hierarchielos ist es hier möglich, dass die Einrichtungsleitung mit einem Vertreter aus der Dienstleitung genauso gut zusammenarbeitet, wie die Pflegekraft mit dem Professor.

Aber nicht nur hierdurch zeichnet sich die Winterakademie aus. Die besonderen Highlights (z.B. Open Space, Teilnehmer informieren Teilnehmer) und Herangehensweisen (z.B. Besichtigung spanischer Gesundheitseinrichtungen) machen sie zu einer so besonderen Lehrveranstaltung.

Mehr Informationen unter www.winterakademie.de

Kerstin Protz
Für Kerstin Protz besteht ein großer Schulungbedarf bei den Pflegekräften in Hinblick auf die Kompressionstherapie.

Gleichwohl wird dieser Behandlungsmethode sowohl auf ärztlicher als auch auf pflegerischer Seite nicht immer der gebührende Stellenwert eingeräumt, so das Resümee auf dem Workshop des Medical Data Institutes (MDI) in Hamburg.

Die erfolgreiche Behandlung von venösen und lymphologischen Krankheitsbildern ist ohne die Kompressionstherapie nicht denkbar. Ein genau definierter übt Druck auf das Gewebe und die Gefäße aus. Zuvor erweiterte Venen werden auf ihren normalen Durchmesser zusammengepresst, noch nicht zerstörte Venenklappen schließen wieder und werden ihrer Funktion als Rückstauventil gerecht. Der Rückfluss des Blutes zum Herzen wird befördert, weil es sich nicht mehr in den Beinen staut; es bilden sich deutlich weniger venöse Blutgerinnsel. Die Beine schwellen ab, weil die Gewebeflüssigkeit wieder verstärkt in die Venen aufgenommen wird und besser abfließen kann.

Dieses einfache mechanische Wirkprinzip bildet die Basis der Behandlung zahlreicher Venenleiden und Erkrankungen des Lymphsystems und beugt zahlreichen Folgeerkrankungen wie Gefäßverschlüssen, Thrombosen oder Ulzerationen vor.

Gleichwohl wird dieser effektiven Therapieform sowohl auf ärztlicher als auch auf pflegerischer Seite nicht immer der gebührende Stellenwert eingeräumt. Aus diesem Grund diskutierten auf einem Workshop des MDI am Freitag, den 9. Oktober 2015 am Rande des 13. Gesundheitspflege-Kongresses in Hamburg Experten aus ganz Deutschland über die Möglichkeiten und Grenzen der Kompressionstherapie.

Gerd Lulay
Dr. Gerd Lulay, Facharzt für Gefäßchirurgie aus Rheine, hob lobend ein neues ärztliches Curriculum der Ärztekammer Westfalen-Lippe hervor.

Vor allem bei Erkrankungen wie dem Ulcus cruris venosum und Lymphödemen sei es allgemeiner Konsens, dass die Kompressionstherapie die Basis einer erfolgreichen Behandlung sei, erklärte der Gefäßchirurg Prof. Martin Storck aus Karlsruhe. Die Effektivität dieser Therapieform hätte nicht zuletzt auch eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2012 nachdrücklich untermauert. Wie Storck betonte, ist aber auch die effiziente Durchführung der Therapie für deren Erfolg entscheidend.

Doch gerade hierbei gebe es häufig Probleme, so Kerstin Protz vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie sieht insbesondere bei Pflegekräften einen großen Schulungsbedarf in Hinblick auf eine fachgerechte Versorgung. „Die in der Ausbildung vermittelten Kenntnisse zur Kompressionstherapie sind keineswegs ausreichend“, so Protz. Eine Untersuchung zur Anwendungspraxis habe gezeigt, dass in Deutschland die Mehrheit der Versorger die verschiedenen Kompressionsmaterialien nicht kennt und auch mit der adäquaten Ausführung der Kompressionstherapie nicht vertraut ist.

Protz zufolge müsse das Anlegen einer Kompressionsbandagierung regelmäßig geübt werden – auch unter Verwendung von Druckmessgeräten. Vor diesem Hintergrund sei es erfreulich, dass mittlerweile Kompressionsbandagen-Systeme auf dem Markt sind, die auch vom Patienten selbst angelegt werden könnten. Der Vorteil: Das Bandagensystem ist flexibel an sich verändernde Beinumfänge anpassbar und der adäquate Kompressionsdruck kann jederzeit schnell und einfach vom Anwender überprüft werden.

Dringender Fortbildungsbedarf wird aber auch auf der ärztlichen Seite erkannt. Leider sähen weder die universitären Ausbildungen noch die Facharztausbildungen einen entsprechenden Platz für die Kompressionstherapie vor, ebenso würden die Inhalte in den einschlägigen Weiterbildungen eher theoretisch als praktisch vermittelt, stellte Dr. Gerd Lulay, Facharzt für Gefäßchirurgie aus Rheine fest. Er hob lobend ein neues ärztliches Curriculum der Ärztekammer Westfalen-Lippe„Lymphologie für Ärzte/innen“ – hervor, durch das erstmals in Deutschland systematische Einblicke in die Mikro- und Makroanatomie, Physiologie und Pathophysiologie sowie in physikalische und apparative Untersuchungsmethoden vermittelt werden.

Unter anderem wird das Schwerpunktthema beleuchtet, dass sich mit der Problematik der sogenannten „Freiheitsentziehenden Maßnahmen“ auseinandersetzt.