In naher Zukunft kann die Visite beim Arzt online geschehen, ohne dass es jemals zum realen Kontakt gekommen ist.
In naher Zukunft kann die Visite beim Arzt online geschehen, ohne dass es jemals zum realen Kontakt gekommen ist. Andrey Popov/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Laut einem Bericht von Spiegel Online wird es ab Mai 2018 für Ärzte möglich sein, ihre Patienten ausschließlich online zu behandeln. Bisher war, aufgrund des Fernbehandlungsverbotes, die Behandlung via Tablet und Co. nämlich nur möglich, wenn sich Arzt und Patient schon einmal tatsächlich real getroffen hatten. Nun soll sich das ändern; die Bundesärztekammer (BÄK) soll dafür beim nächsten Ärztetag das Verbot lockern und damit die Weichen für mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen legen.

Jahrelang haben sich Ärzte und Datenschutz-Experten gegen eine solche Form der Behandlung ausgesprochen. Bisher war die rein digitale Behandlung nur in wenigen Ausnahmefällen bzw. in einigen Modell-Projekten möglich, wie wir bereits berichteten. Das Aufheben des Verbots könnte die momentan drastische Unterversorgung in ländlichen Regionen entspannen, denn nach wie vor zieht es junge Ärzte in Großstädte, während die ländlichen Regionen über Ärztemangel klagen. Durch eine Online-Visite könnte man dieser Entwicklung etwas gegenwirken.

Neue Perspektive für die Wundversorgung?

Durch die Lockerung des Verbots eröffnen sich neue Möglichkeiten in der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden. Älteren Menschen, die aufgrund von Schmerzen oder eingeschränktem Bewegungsvermögen nicht in der Lage sind, den langen Weg zu der Arztpraxis zu gehen, kann jetzt mit einer Visite via Tablet geholfen werden. Der behandelnde Arzt hätte nämlich nach wie vor die Möglichkeit, den Behandlungsverlauf einer Wunde zu beurteilen und auf Fragen seiner Patienten einzugehen.

Ein Modellprojekt im Laurentiusheim (Gohfeld) zeigt, dass es möglicht ist – der dortige Bereichsleiter nimmt einer Bewohnerin ihren Verband ab und kontaktiert über das System Elvi (Elektronische Visite) einen Chirurgen. Mit einer separaten Kamera kann der Pfleger das Bein der Bewohnerin aus verschiedenen Winkeln darstellen, während der behandelnde Arzt aus der Ferne über den Heilungsprozess urteilt. Für die Visite wird natürlich vorher ein Termin gemacht – digital versteht sich. Und das Projekt scheint zu wirken.

Aus der Entscheidung der BÄK ergeben sich zwar neue Perspektiven, allerdings gibt es auch noch offene Fragen. Zwar ist der Ärztemangel in ländlichen Regionen ein Problem, gibt es aber überhaupt eine digitale Infrastruktur um eine flächendeckende Online-Versorgung zu gewährleisten? Wer auf dem Land Urlaub gemacht hat, oder in die Großstadt gezogen ist, kennt es nämlich: das langsame Internet. In manchen Gegenden ist das Verschicken einer E-Mail teilweise ein mühsames und zähes Unterfangen – wie soll dann erst eine Videoübertragung möglich sein? Und diese muss auch in einer guten Qualität gestreamt werden, damit sich der behandelnde Arzt einen guten Überblick über die Wunde verschaffen kann.

Auch wenn einige Fragen offen sind, bleibt es spannend zu beobachten, wie die Digitalisierung auch im deutschen Gesundheitswesen langsam Gestalt annimmt.

 

Pflegenotstand
Der Eintritt zur Pflegekammer sorgt nach wie vor für regen Gesprächsstoff. Vadymvdrobot/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Im vorigen September konstitutierte sich unter dem Titel „Das neue WIR!“ die Gründungskonferenz zu einer Bundespflegekammer, aus Mitgliedern des Deutschen Pflegerates (DPR) sowie der bereits tätigen Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Das Gremium will die Arbeiten vorantreiben sowie Satzungs- und Finanzierungsfragen klären. Im Südwest-Bundesland hatte zum Neujahrstag 2016 die erste Landespflegekammer Deutschlands ihre Arbeit aufgenommen; alle beruflich Pflegenden sind dort Pflichtmitglieder. In zwei weiteren Bundesländern – Niedersachsen und Schleswig-Holstein – sind sie auf den Weg gebracht und werden sich in Kürze konstituieren. Einen anderen Weg ist Bayern gegangen: Dort gibt es, als Alternativmodell, seit kurzem die „Vereinigung der Pflegenden in Bayern“. Die Mitgliedschaft ist dort grundsätzlich freiwillig, die Vereinigung wird vom Land mitfinanziert und soll nicht in einer Bundespflegekammer mitwirken.

Mit besonderer Spannung ist die Diskussion in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, zu beobachten: Neben Baden-Württemberg und Hessen sind unter den Ländern ohne Kammervertretung hier die Vorarbeiten für eine Landespflegekammer am weitesten fortgeschritten. Bereits im September 2017 hatte der Initiator der Online-Petition „Pflegekammer NRW jetzt!“, Jan Wollermann, rund 42.000 Unterschriften an den Gesundheitsausschuss-Vorsitzenden Günther Gabrecht (SPD) übergeben. Auch die CDU/FDP-Landesregierung stünde einer Pflegekammer NRW positiv gegenüber. „Nordrhein-Westfalen wird eine Interessenvertretung der Pflegenden einrichten, wenn die Pflegenden dies wollen“, heißt es im Koalitionsvertrag aus dem Vorjahr.

Die Befragung der Pflegekräfte, um genau dies herauszufinden, wird voraussichtlich in den nächsten Monaten stattfinden; aus Verbandskreisen rechnet man mit einem Termin in den Herbstmonaten. Der Förderverein Pflegekammer e.V., der sich bereits 1997 im lippischen Lemgo gründete, weist auf die Vorteile einer solchen Berufsvertretung hin – mehr Autonomie in der Verwaltung der Pflege, Qualitäts-Verbesserungen durch Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, eine gemeinsame Interessenvertretung gegenüber der Politik und eine Steigerung der Attraktivität (sowie des Images) der Pflegeberufe.

Auch auf dem JuraHealth-Congress (JHC) am Donnerstag, 24. Mai, in den Kölner Sartory-Sälen unter dem Motto „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es” wird das Ob und Wie einer Pflegekammer NRW eines der Unterthemen sein. Im den JHC begleitenden Workshop der Uniklinik Köln, „Aussichtslos war gestern“, von 14 bis 16 Uhr hält David Petri, Pflegedienstleiter des Uni-Klinikums, unter dem Titel „Pflegekammer NRW – Bewegen und nicht bewegt werden!“ einen Vortrag und lädt zur Diskussion mit den Besuchern ein.

Informieren Sie sich unter http://jurahealth.de/ über die Veranstaltung.


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Pflegekammer, Schleswig-Holstein
Zwar wird eine Personal-Untergrenze seitens des Bundesrats und weiterer Instanzen gefordert, die Frage nach der Finanzierung ist aber unbeantwortet.Ginasanders/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Ende März legte der Bundesrat mit einer ergänzenden Forderung nach: Laut des beschlossenen Antrags soll ein bundesweit verbindlicher Personalschlüssel für Pflegekräfte in sämtlichen Klinik-Stationen her, sowohl tagsüber als auch nachts. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Pflegekräfte aus nicht-quotierten Abteilungen abgezogen würden, um die Quoten zu erfüllen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutsche Pflegerat (DPR) formulierten Anfang April in einer gemeinsamen Resolution 50.000 neue Planstellen in der Pflege.

Allerdings steht fest: Auch die schärfste und umfassendste Personal-Untergrenze hilft nichts, wenn das nötige Pflegepersonal schlicht und ergreifend nicht zur Verfügung steht – mit dem man eine wie auch immer gefasste Quote erfüllen könnte. Bekanntlich gilt der Arbeitsmarkt in der Pflege als leer gefegt; rund 17.000 Pflegestellen gelten bundesweit als unbesetzt. Ein zentrales Problem ist die – im Vergleich zu ähnlich anstrengenden Berufen in der Industrie oder dem Handwerk – schlechte Bezahlung, aber auch die immer noch mäßige Reputation des Pflegeberufs in der Bevölkerung sowie die unzureichende Vereinbarkeit mit privaten und familiären Verpflichtungen.

Freilich besteht die Hoffnung, dass mit einer Einführung der Personal-Untergrenzen die Arbeitgeber Bewerbern schlicht und ergreifend mehr bieten müssen, um genügend Personal zu finden, was der Arbeitnehmerseite bei Tarifverhandlungen „Rückenwind“ verschaffen dürfte. Die Pflegenden können die Entwicklung selbst forcieren – einerseits dürften Hoffnungen in den sich gerade quer durch die Republik konstituierenden Pflegekammern als Berufsvertretung ruhen; andererseits gibt es immer noch die gute, alte Möglichkeit der Gewerkschafts-Mitgliedschaft, um die Stimme der Pflegenden zu stärken. Hier besteht gerade in der Pflege noch Luft nach oben in der Bereitschaft, sich für die eigenen Interessen stark zu machen.

Da jedoch schlicht und ergreifend mehr Geld ins System gelangen muss, dürfte auch eine moderate Anhebung der Pflegeversicherungs-Beiträge kein Tabu mehr bleiben. Durch Entlastungen etwa bei der Arbeitslosenversicherung dürfte hier Spielraum bestehen, ohne Arbeitnehmer und Arbeitgeber übermäßig zu belasten. Im Übrigen würde eine bessere Bezahlung der mehrheitlich „weiblichen“ Pflege dazu beitragen, den immer wieder lautstark beklagten „Gender-Pay-Gap“ – die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen – ein Stückchen zu schließen.

Das Thema „Personal-Untergrenzen in der Pflege“ wird auch beim JuraHealth-Congress (JHC), der am Donnerstag, 24. Mai, in den Kölner Sartory-Sälen stattfindet, breit diskutiert werden. Beispielsweise befasst sich Prof. Dr. Anke Helmbold um 14 Uhr in ihrem Vortrag „Patientensicherheit durch akademisierte Pflegekräfte?“ das Thema unter einem weiteren Aspekt, der besseren Qualifizierung der Pflegenden. „Ressourcen schaffen durch Entbürokratisierung“ lautet um 16.30 Uhr der Vortrag von Willi Zylajew. Auch im begleitenden Workshop der Uniklinik Köln, „Aussichtslos war gestern“, sind die Personal-Untergrenzen eines der expliziten Themen. Hier wird Vera Lux, Vorstandsmitglied der Uniklinik, ein Referat zum Thema halten.
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Mainz, Gericht, Zwangsmitgliedschaft
Die Datenschutz-Grundverordnung stellt einige Unternehmen vor Herausforderung. Auch im Gesundheitswesen – doch was ist konkret zu beachten?Hermann/Pixabay.com [CC0 1.0]

Neu ist beispielsweise, dass die Verarbeitung von Gesundheitsdaten nur erfolgen darf, wenn dies durch eine gesetzliche Vorschrift geboten ist oder über die Einwilligung des Betroffenen abgedeckt wird. Eine Verarbeitung der Daten ohne eine solche Grundlage ist unzulässig und bußgeldbewährt. Dem sog. „Einwilligungsmanagement“ wird damit zukünftig eine enorme Bedeutung zukommen. Die Verantwortlichen sind insoweit aufgerufen die Einwilligungserklärungen z.B. darauf zu überprüfen, ob der Einwilligende über die vorgesehene Verwendung auch informiert wurde. Demnächst gilt: auch die Verarbeitung von Gesundheitsdaten darf nur für konkret festgelegte Zwecke erfolgen. Zu beachten ist außerdem, dass dem Einwilligenden natürlich auch ein Widerrufsrecht zusteht – werden also beispielsweise persönliche Daten eines Patienten zu Studienzwecken (weiter-)verwendet, kann der Widerruf einmal gewonnene wissenschaftliche Analysen gefährden.

Ein weiterer Schwerpunkt der DS-GVO ist das „Recht auf Vergessenwerden“. Mit anderen Worten: personenbezogene Daten müssen jederzeit gelöscht werden können. Auch hier können Probleme entstehen, wenn weiterverarbeiteten Daten im Nachhinein die Berechtigung entzogen wird.

Dieses und vieles andere mehr wird in der Zukunft von den Aufsichtsbehörden leicht überprüft werden können. Auf dem 11. JuraHealth Congress am 24.5.2018 in den Kölner Sartory Sälen haben die Besucher die Gelegenheit sich aus erster Hand über die neuen Aspekte des Datenschutzes zu informieren. Stefan Glau, Geschäftsführer der Jalomed GmbH informiert auf dem Satellitensymosium der Universitätsklinik Köln über die wichtigsten Neuerungen und lädt die Besucher zur Diskussion ein. Informieren Sie sich unter http://jurahealth.de/ über die Veranstaltung.


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Der JHC geht in die 11. Runde mit drei neuen, brandaktuellen und spannenden Themen.Arne9001/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Auch wie im vorherigem Jahr sind wieder mal zwei Begleitveranstaltungen Teil des JHC: Neben dem Satelliten-Symposium „I like to move (it)! – Anspruch auf Mobilität und dessen Umsetzung“ der BGW steht nun auch das Programm der zweiten Veranstaltung fest. Die Uniklinik Köln lädt von 14 bis 16 Uhr zum Workshop „Aussichtslos war gestern“ ein. An beiden Begleitveranstaltungen können JHC-Besucher ohne Aufpreis teilnehmen.

Drei Programmpunkte sind beim neuen Workshop geplant: Vera Lux, Mitglied des Uniklinik-Vorstands, diskutiert unter dem Stichwort „Lang ersehnt – Personal-Untergrenzen in der Pflege“ über die zunehmenden politischen Initiativen, die Ausstattung der Pflege zu verbessern – und was die Vorgaben für Mitarbeiter und Einrichtungsleitungen bedeuten. Der Uniklinik-Pflegedienstleiter David Petri spricht bei „Pflegekammer NRW – Bewegen und nicht bewegt werden!“ über den aktuellen Stand im Vorhaben, eine Berufsvertretung für Pflegende auch in Nordrhein-Westfalen einzuführen, und welche Herausforderungen dabei noch gemeistert werden müssen. „Die Europäische Datenschutzverordnung kommt“ lautet schließlich der Vortrag von Stefan Glau, Geschäftsführer der jalomed GmbH. Die neuen Vorschriften, und der damit verbundene bürokratische Aufwand, werden alle betreffen.

Anmeldungen zum Kongress sind noch möglich. Entsprechende Anmeldemöglichkeiten und weitere Informationen zum Programm gibt es hier auf der Website des JHC.

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Ein Dekubitus entsteht durch längere Druckbelastung und dadurch gestörte Durchblutung der Haut. Häufig anzutreffen, bei Patienten, die lange im Bett liegen und sich dadurch "Wundliegen".
Ein Dekubitus entsteht durch längere Druckbelastung und dadurch gestörte Durchblutung der Haut. Häufig anzutreffen, bei Patienten, die lange im Bett liegen und sich dadurch „Wundliegen“. Monkey Business Images/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Der DNQP-Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ wurde 2017 bereits zum zweiten Mal aktualisiert und ist damit eine wesentliche pflegerische Handlungsvorgabe. Er richtet sich an alle Pflegekräfte in der stationären Altenhilfe und Gesundheitsversorgung sowie der ambulanten Pflege. Zielgruppe sind all jene Menschen, die durch gesundheitliche Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit sowie Einschränkungen ihrer Mobilität ein erhöhtes Risiko für Dekubiti aufweisen. Dabei spielt das Alter keine Rolle.

Basierend auf einer umfassenden Übersicht nationaler und internationaler Fachliteratur, Untersuchungen der Mitglieder von Expertenarbeitsgruppen sowie Praxiserfahrungen zur Umsetzung des Standards steht die Intervention im Vordergrund, die zu Druckentlastung und Druckverteilung beiträgt. Ebenso wichtig ist zudem die Bewegungsförderung.

Mithin stellt der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe den aktuellen Stand der pflegerischen Wissenschaft und Forschung dar. Und entfaltet trotz des Empfehlungscharakters hierdurch eine haftungsrechtliche Konsequenz. Denn der Sorgfaltsmaßstab der handelnden Pflegekraft hat sich grundsätzlich am anerkannten Stand der pflegerischen Wissenschaft und Forschung zu orientieren, sodass eine unbegründete Abweichung hiervon als Sorgfaltspflichtverletzung gewertet wird, die ggf. zivilrechtliche Schadensersatzansprüche nach sich ziehen kann.

Aus dem Gesichtspunkt des Patientenschutzes und der haftungsrechtlichen Risikominimierung ist es unumgänglich, sich mit den Neuerungen und Aktualisierungen des Expertenstandards auseinanderzusetzen und dessen Inhalte auf die individuellen Bedingungen der Gesundheitseinrichtung zu konkretisieren. Es ist eine gesamtbetriebliche und Leitungsaufgabe, diesen Standard zu implementieren.

Mit der Aktualisierung des Expertenstandards befasst sich auch der Intensivworkshop „Dekubitusprophylaxe“, die Teilnehmer erhalten 3 Punkte der Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung, 6 Punkte der Initiative Chronischer Wunde und 6 Punkte der Registrierung beruflich Pflegender.

Welche Mythen über Wunden stimmen und welche sind falsch?
Wundversorgung – Ein viel diskutiertes Thema. Welcher Mythos stimmt und welchen Ratschlag kann man „über Bord werfen“?Congerdesign/Pixabay.com [CC0 1.0]

#1. – Wunden heilen am besten an der Luft

Diese Aussage ist nicht richtig. Offene Wunden sollten am besten schnell versorgt werden. Pflaster oder spezielle Wundauflagen sorgen für den nötigen Schutz und verhindern Verschmutzungen durch Keime oder Bakterien – dadurch wird eine Infektion der Wunde verhindert. Wie lange man jedoch ein Pflaster tragen muss – darüber sind sich Institutionen und Betroffene uneinig. Einige nehmen ihr Pflaster bereits nach dem ersten Tag ab, andere empfehlen, es bis zur kompletten Abheilung dran zu lassen. Auf diese Weise soll die Gefahr einer Infektion durch Abschürfungen und Kratzen minimiert werden.

Bevor es allerdings daran geht, eine Wundauflage anzulegen, sollten Sie die Wunde reinigen. Die richtige Reinigung erklären wir Ihnen in unserem Guide !

#2. – Wenn die Wunde juckt, beginnt der Heilungsprozess

Dieser Mythos ist richtig ! In der Regel verspüren viele Betroffene ein juckendes Gefühl beim Abheilen der Wunde. Vermeiden Sie es dennoch, am Wundschorf zu kratzen, denn dadurch könnten Sie die Wunde wieder öffnen und eventuell eine Infektion verursachen.

#3. – Alkohol hilft beim Desinfizieren der Wunde

Aua. Lieber nicht. Viele Actionfilme fördern zwar den Mythos, indem sich die verletzten Protagonisten puren Wodka über ihre „Kratzer“ gießen und kaum eine Miene verziehen – im realen Leben ist diese Vorgehensweise jedoch nicht ratsam. Einerseits ist es schmerzhaft sich in die offene Wunde Alkohol zu gießen, andererseits schädigt es das Wundgewebe. Besser sind hierfür alkoholfreie Wundsprays.

Für die Behandlung einer chronischen Wunde gibt es hier unterschiedliche Wundauflagen mit verschiedenen Effekten:

Weitere Produktgruppen, stellen wir Ihnen in unserem Wundbehandlungs-Guide vor. 

#4. – Eine gute Wundversorgung verhindert Narbenbildung

Stimmt! Eine optimale Wundversorgung kann das Narbenrisiko verringern oder zumindest zu einer kleineren Narbenbildung führen. Auch nach der Wundheilung empfiehlt es sich, die betroffene Stelle durch spezielle Cremes feucht zu halten.

#5. – Ursache für schlecht heilende Wunden kann eine ernsthafte Erkrankung sein

Das kann durchaus stimmen. Wenn eine Wunde sich trotz allen Bemühungen nicht schließt oder heilt, kann das ein Hinweis dafür sein, dass im Körper etwas nicht ganz „rund“ läuft. Ursachen für eine sogenannte chronische Wunde sind vielfältig.

Mögliche Wundursachen können sein:

  1. Eine schlechte Durchblutung – als Folgen vom Langzeitrauchen, durch Bluthochdruck oder Gefäßentzündungen
  2. Außenfaktoren – Diabetes, zu enge Schuhe, Wundgelegen
  3. Wasser im Gewebe – durch Erkrankungen des Venen-Systems, der Lymphe oder einer Herzschwäche

Weitere Informationen zur WundUhr erhalten Sie hier. 

Hier können Sie unseren kostenlosen Guide zur Wundversorgung runterladen!

4 Tipps zur Wundbehandlung.pdf


Interdisziplinärer WundCongress 2018

Wundversorgung 4.0 – Die Zukunft beginnt heute

Am 29. November 2018 findet in den Kölner Sartory-Sälen die elfte Auflage des Interdisziplinären WundCongress (IWC) statt. Der Kongress unter dem Motto „Wundversorgung 4.0 – Die Zukunft beginnt heute“ ist ab sofort im Verkauf!

Informieren Sie sich jetzt über das Event unter http://www.wundcongress.de/ oder nutzen Sie bei Interesse an einer Teilnahme, das unten stehende Buchungsformular! Jetzt anmelden !

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MolecuLight im Detail
Das MolecuLight i:X.Björn Koch

Bei der Wundversorgung von Patienten müssen sich Wundexperten, Pflegekräfte oder Ärzte eine Reihe von Fragen stellen, die nicht immer leicht zu beantworten sind: Ist die Wundreinigung ausreichend und sind wirklich alle Bakterien entfernt worden, sodass der Verband angelegt werden kann? Wie viel Debridement ist angemessen? Und: Verbessert sich die Wundheilung oder sind Bakterien in der Wunde, die die Wundheilung verzögern?

Visualisierung der Bakterien in unterschiedlichen Farben

Mit MolecuLight i:X – ein Assessmentinstrument von dem Hersteller smith&nephew, welches im Rahmen eines Workshops auf dem 10. Interdisziplinären WundCongress in Köln vorgestellt wurde – lassen sich diese Fragen leichter klären und auf diese Weise fundierte Behandlungsentscheidungen treffen. Das innovative Gerät ermöglicht eine schnelle und einfache Visualisierung fluoreszierender Bakterien sowie die genaue Messung der Wundgröße. Indem, für die Wunde ungefährliches, violettes Licht mit präziser Wellenlänge emittiert wird, beginnen Bakterien mit mehr als 104 KbE/g (koloniebildende Einheit) zu fluoreszieren und werden in verschiedenen Farben bildlich dargestellt. Die Wundgrenzen können genau markiert und eingezeichnet werden, um sie anschließend von dem Gerät ausmessen zu lassen. „Mit dem Lineal würde man die Messung der Wundgröße oft überschätzen und man kann Veränderungen über den Zeitraum nicht verfolgen“, erklärten die Hersteller von smith&nephew und fanden Zustimmung bei den Workshop-Teilnehmern.

Teilnehmer des Workshops
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Interdisziplinären WundCongresses konnten sich selbst ein Bild vom MolecuLight i:X machen.Björn Koch

Auch eine Unterscheidung der Bakteriengruppen ist möglich. Eine rote Fluoreszenz weist beispielsweise auf verschiedene Staphylokokkenarten (MRSA, Staphylococcus aureus) sowie auf Enterobacter cloacae, Escherichia coli und 5 weitere Bakterienarten hin, in cyan-Farben wird das Bakterium Pseudomonas aeruginosa dargestellt. Sie werden dabei bis zu 1-1,5 mm unter der Oberfläche sichtbar und Wunden von einer Größe bis zu 8 cm können erfasst werden, bei größeren Wunden kann abschnittsweise vorgegangen werden. Der Einsatz ist in allen Phasen der Wundversorgung möglich und durch die schnelle Speicherung lässt sich die Dokumentation über den gesamten Zeitraum einfach umsetzen. Auf diese Weise kann auch der Patient aktiver einbezogen werden.

Die Teilnehmer des Workshops von smith&nephew haben sich nach Vorstellung von MolecuLight i:X in kleinen Gruppen zusammengefunden und konnten das Tool selbst ausprobieren und den Herstellern individuelle Fragen stellen. Dieser und weitere Workshops sowie Symposien und informative Vorträge unter dem Motto „Wundversorgung im Wandel“ wurden auf dem Interdisziplinären WundCongress (IWC) in den Kölner Sartory-Sälen angeboten, der mit über 1.000 Teilnehmern sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat.

Interdisziplinärer WundCongress
So ähnlich wird es wohl auch am kommenden Donnerstag in den Sartory Sälen aussehen: Bild von der letztjährigen Veranstaltung.

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Kongress – für den Veranstalter PWG-Seminare ist er jetzt schon Erfolg: Wie bereits in den vorherigen Jahren ist auch die Jubiläumsauflage des Interdisziplinären WundCongressen (IWC) wieder restlos ausverkauft. Konkret bedeutet das, dass am kommenden Donnerstag rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet nach Köln in die Sartory Säle, dem Veranstaltungsort, strömen werden.

Und das erwartet die Besucherinnen und Besucher: Da ist zum einen der Hauptkongress, der in diesem Jahr unter dem Motto „Wundversorgung im Wandel steht“. Hierunter summerieren sich verschiedene Vorträge bekannter Referentinnen und Referenten, wie beispielsweise Veronika Gerber von der Initiative Chronische Wunden, Dr. Angela Sauerwald vom Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) oder Dr. Dirk Hochlenert vom Netzwerk Diabetischer Fuß Köln, die das Thema aus der Sicht ihrer jeweiligen Profession betrachten.

Daneben finden mit Unterstützung der Industrie auch in diesem Jahr wieder vier Satellitensymposien sowie zwei Workshops statt: In diesen werden u.a. Themen behandelt wie beispielsweise bewegungsorientierte Kompression, Unterdrucktherapie, Hautschutz sowie die Behandlung von Ulcera. Fall- und Erfahrungsberichte aus der Praxis sowie die Vorstellung eines neuen Wundassessment-Instruments werden hier ebenfalls behandelt.

Fachmesse
Rund 50 Aussteller werden ihre Stände aufstellen.

Abschließend sei noch die begleitende Fachmesse erwähnt: Verteilt auf zwei Ebenen und einem angrenzenden Saal, werden rund 50 Aussteller aus dem Bereich der Wundversorgung sich und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen präsentieren.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich zu der Veranstaltung haben anmelden können, wünschen wir schon jetzt eine spannenden und erfolgreichen Kongress. Für alle anderen bleibt die Gewissheit, dass es im kommenden Jahr wieder einen Interdisziplinären WundCongress geben wird.

Wundbehandlung, Unfall, Akut
Bei einer Blutung, die nicht gerinnt, muss schnell gehandelt werden. Ein Druckverband sollte die Blutung stillen, bis die verletzte Person medizinisch weiter behandelt wird.Overcrew55/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Die verletzte Person in eine sichere Position bringen

Bei einem erheblichen Blutverlust droht die Gefahr zu kollabieren. Die verletzte Person könnte zusammenbrechen und je nach Ort des Geschehens sich noch weitere Verletzungen hinzuziehen, wenn sie zu Boden fällt oder auf hartes und unsicheres Gelände aufprallt. Am besten bringen Sie die Person dazu, sich auf einem Stuhl oder den Boden zu setzen, bevor es zur Ohnmacht kommt. Die Person kann sich auch hinlegen, sofern keine Möglichkeit sich anzulehnen besteht. Anschließend ist es wichtig, die blutende Stelle hoch zu halten. Bei einem aufgeschnittenen Arm, oder einem Bein müssen diese hochgelegt werden; kann die Unfallperson dies nicht aus eigener Kraft, müssen Sie nachhelfen oder eine Tasche unter das verletzte Glied schieben. Selbstverständlich sollten Sie den Notruf (kostenlos unter 112) kontaktieren. Ist die Person in einer stabilisierten Lage, geht es an die Wundversorgung.

Erste Hilfe Rettung
Sollten Sie keinen Verbandskasten oder sterilen Verbandsmittel haben, müssen Sie kreativ werden.3dman_eu/Pixabay.com [CC0 1.0]

Wundversorgung: Wie lege ich einen Druckverband an?

Die zwei Grundsatzregeln beim Anlegen eines Verbands lauten:

Legen Sie als erstes eine Wundkompresse auf die betroffene Stelle an, anschließend verwenden Sie Mullbinden bzw. Bandagen und umwickeln Sie den Arm oder das Bein mit der Wundkompresse. Anschließend legen Sie ein Druckmittel auf die Stelle, (dafür eignet sich eine ungeöffnete Mullbinde) dieses wird dann ebenfalls mit Mull umwickelt. Achten Sie darauf, dass der Druckverband relativ stark sitzt, allerdings sollte dieser auch nicht zu fest sein: wenn die Hand oder der Fuß dick wird, oder gar sich blau verfärbt, ist der Verband zu fest und dies kann zur fatalen Folgen führen. Bewegungsfreiheit für Zehen und Finger muss gewährleistet sein.

Sollten Sie keinen Verbandskasten oder steriles Verbandszeug in unmittelbarer Nähe haben, müssen Sie auf alltägliche Mittel zurückgreifen, wie ein T-Shirt, Handtuch, Schal, Hemd etc. Gleiches gilt für das Druckmittel. Sie können dafür Handschuhe, eine Zigarettenschachtel, eine Geldbörse, eine Krawatte oder eine geschlossene Packung Taschentücher dafür verwenden. Achten Sie darauf, dass der Verband fest sitzt und nicht runterrutscht.

Was soll ich tun, wenn in der Wunde sich weiterhin ein Fremdkörper befindet? (Messer, Splitter, Glasscherbe) Darf ich besagtes herausziehen?

Vermeiden Sie es unter allen Umständen einen, sich in der Wunde befindlichen Fremdkörper zu entfernen. Auch wenn es für die Person schmerzvoll ist, der Fremdkörper kann beim Eindringen eventuell eine Arterie getroffen haben, beim herausziehen würden Sie lediglich die Blutung vehement verstärken und die verwundete Person könnte innerhalb von Sekunden verbluten.

Stattdessen versuchen Sie den Fremdkörper zu stabilisieren, in dem Sie die Glasscherbe oder sonstiges mit Mullbinden und Bandagen polstern.

Weitere nützliche Informationen erhalten Sie unter dem Webportal des DRK e.V. und auf dem Nachrichtenportal Nordbayern.

Wenn Sie sich für moderne Behandlungstechniken im Gesundheitswesen interessieren oder Ihnen die Wundversorgung und die Behandlung chronischer Wunden aus persönlichen oder beruflichen Gründen am Herzen liegt, verweisen wir an dieser Stelle auf den Interdisziplinären WundCongress, welcher sich mit der Thematik detailliert auseinander setzt. Sie können sich bereits mit wenigen Klicks hier anmelden.