Mutation des CLCN2-Gens als Ursache für seltenen Bluthochdruck.
Verantwortlich für den seltenen Bluthochdruck: Eine Mutation des CLCN2-Gens.Pixabay

Vor 25 Jahren wurde bei einer australischen Familie erstmals eine spezielle erbliche Form des Bluthochdrucks beschrieben, deren genetische Ursache bisher unentdeckt blieb. Einem internationalen Forscherteam aus Australien und den USA um Professorin Ute Scholl vom Berlin Institute of Health (BIH) ist es gelungen, bei dieser und sieben weiteren Familien eine neue Genmutation nachzuweisen, die für die Entstehung einer familiären Form von Hyperaldosteronismus verantwortlich ist.

Mutation des CLCN2-Gens verantwortlich für den Bluthochdruck

Nur in seltenen Fällen wird Bluthochdruck in Familien durch Mutationen in einem einzigen Gen verursacht. Diese Gene sind meist an der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Mutationen in solchen Genen können bereits bei Kindern und Jugendlichen zu einem Bluthochdruck führen. Ute Scholl und das Wissenschaftlerteam haben in einer Studie ein solches Gen identifiziert. Dafür untersuchten sie eine spezielle und selten auftretende Form des Bluthochdrucks, den sogenannten familiären Hyperaldosteronismus Typ II. Bei dieser erblichen Form bildet die Nebenniere zu viel Aldosteron. Aldosteron ist ein Hormon, das in der Niere bewirkt, dass Salz und Wasser im Körper zurückgehalten werden. Dadurch steigt der Blutdruck.

Verantwortlich für die veränderte Blutdruckregulation ist eine Mutation des CLCN2-Gens. Das Gen trägt die Information für den Bau eines Kanals in der Zellmembran, durch den Chloridionen hindurchwandern können. Solche Chloridkanäle regulieren in den Nebennierenzellen die Spannung, die über der Zellmembran anliegt, und steuern die Bildung des Hormons Aldosteron. Die Mutationen bei Patientinnen und Patienten mit familiärem Hyperaldosteronismus führen dazu, dass sich die Spannung ändert und zu viel Aldosteron gebildet wird. Der Blutdruck steigt.

Studienergebnisse ermöglichen Früherkennung und Therapie

„Patienten mit Verdacht auf einen familiären Hyperaldosteronismus und deren Angehörige profitieren von unseren Studienergebnissen, weil sie sich künftig auf Mutationen im Gen CLCN2 untersuchen lassen können“, sagt die Erstautorin Ute Scholl. Außerdem sprachen Patientinnen und Patienten der Studie auf Medikamente an, die bereits zur Behandlung des Hyperaldosteronismus verwendet werden. Die Professorin will gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe die Forschungsarbeiten basierend auf den Studienergebnissen am Berliner Institut für Gesundheitsforschung weiter vertiefen.

Die Studienergebnisse wurden in dem Fachmagazin Nature Genetics veröffentlich.

Koalitionsvertrag der GroKo.
Union und SPD konnten einen Koaltionsvertrag aushandeln.Marco Di Bella

136 Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen bis nun Union und SPD nach langwierigen Koalitionsverhandlungen einen Koalitionsvertrag erarbeiten konnten. Dabei hat man auch bisherige Einigungen im Bereich der Gesundheit und Pflege treffen können.

8000 neue Fachkraftstellen für die Pflege

Um die Pflege sowie die häusliche Versorgung zu verbessern, haben sich die Koalitionspartner auf ein Sofortprogramm Pflege sowie eine „Konzertierte Aktion Pflege“ geeinigt. Im Rahmen des Sofortprogramms sollen vorerst 8000 neue Fachkraftstellen geschaffen werden. Auf diese Maßnahme folgen in Zukunft weitere Schritte, heißt es in dem Vertrag.

Die „Konzertierte Aktion Pflege“ sieht vor, dass die Situation in der Altenpflege bedarfsgerecht weiterentwickelt wird. Erreicht werden soll dies durch Personalbemessungsinstrumente sowie durch eine Ausbildungsoffensive und die Schaffung von Anreizen für eine Rückkehr von Teil- in Vollzeitbeschäftigte. Zudem soll es eine Weiterbildungsqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften geben. Auch die Bezahlung in der Altenpflege soll sich verbessern und entsprechende gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Mithilfe eines Entlastungsbudgets und entsprechender Angebote in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sollen zudem die pflegenden Angehörigen besser unterstützt werden. Durch den Ausbau von Präventionsmaßnahmen möchte man einer frühzeitigen Pflegebedürftigkeit vorbeugen.

Ambulante und stationäre Versorgung

Für gesetzlich Versicherte erhöht sich das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte von 20 auf 25 Stunden und mittels regionaler Zuschläge möchte man Ärzte unterstützen, die in ländlichen oder wirtschaftlich schwachen Gebieten praktizieren. Auch der 2016 eingeführte Innovationsfonds zur Förderung von innovativen Versorgungsformen und der Versorgungsforschung soll über das Jahr 2019 mit 200 Millionen Euro fortgesetzt werden.

Die flächendeckende Versorgung durch wohnortnahe Geburtshilfe, Hebammen und Apotheken steht ebenfalls auf dem Programm. So möchte man sich beispielsweise für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln einsetzen, um die Apotheken vor Ort zu unterstützen. Finanzierungsgrundlagen für den Einsatz von Belegärzten in der Geburtshilfe möchte man überprüfen.

In der Krankenhauslandschaft soll ein Strukturwandel her. Dazu werden erhöhte Investitionen getätigt, die in Umstrukturierungen, neue Technologien und die Digitalisierung fließen sollen. Erreichen möchte man dies mit dem Strukturfonds, der für weitere vier Jahre mit einer Milliarde Euro pro Jahr fortgeführt wird. Die Pflegepersonalvergütung möchte man unabhängiger von der Fallpauschale machen, sodass die Krankenhausvergütung künftig auf eine Kombination von Fallpauschalen und einer Personalvergütung umgestellt wird.

Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung möchte man weiter fördern und daher das Präventionsgesetz fortentwickeln. Mit einem Nationalen Gesundheitsportal sollen Patienten verlässliche über medizinische Fragestellungen informiert werden.

Zurück zur paritätischen Finanzierung

Mit Beginn des Jahres 2019 soll eine Wiederherstellung der Parität bei den Beiträgen zur Gesetzlichen Krankenversicherung stattfinden. Das heißt, dass die Beiträge dann wieder von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleichem Maße getragen werden.

Digitalisierung des Gesundheitswesens

In E-Health und Digitalisierungsmaßnahmen werden große Potentiale, zugleich aber auch eine der größten Herausforderungen gesehen. Generell soll die Telematikinfrastruktur weiter ausgebaut werden und die elektronische Patientenkarte eingeführt werden. Vor allem für die Bürokratie erhofft man sich Abhilfe durch Digitalisierung zu erhalten, sowohl in der Pflege als auch im ärztlichen Bereich. So sollen beispielsweise die Regelungen zur Fernbehandlung überprüft werden.

Weitere Ergebnisse des Koalitionsvertrags können dem Download entnommen werden.

Koalitionsvertrag_2018.pdf
Beschluss zur Gründung des DHZB.
Pressekonferenz (v.l.n.r.): Astrid Lurati, Prof. Axel Radlach Pries, Prof. Ulrich Frei, Prof. Einhäupl, Michael Müller, Prof. Volkmar Falk, Marcus Polle, Christian Maier (Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DHZB).Wiebke Peitz Charité Universitätsmedizin Berlin

Die Herzmedizin in Berlin wird weiter ausgebaut: Ein zukunftssicheres Konzept zur Gründung des Universitären Herzzentrums Berlin (UHZB) konnte erfolgreich erarbeitet und beschlossen werden. Dies gaben der Regierende Bürgermeister von Berlin, die Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, der Charité – die Universitätsmedizin Berlin sowie das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt.

Mit dem UHZB wollen die Universitätsmedizin Berlin und das DHZB ihre Herz-Kreislaufeinrichtungen vereinen und so eine wissenschaftliche, klinische, rechtliche und wirtschaftliche Einheit bilden. In intensiver und konstruktiver Zusammenarbeit sowie unter konnte ein tragfähiges und zukunftsorientiertes Konzept finalisiert werden, heißt es in der Mitteilung. Damit konnten alle Voraussetzungen zur Gründung des neuen UHZB geschaffen werden.

Führender Standort der Herz-Kreislaufmedizin

Berlin wird damit zum führenden Standort der Herz-Kreislaufmedizin und sichert sich damit die internationale Spitzenstellung in diesem Bereich. Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist ein Neubau für die Universitäre Herzmedizin am Charité Campus Virchow-Klinikum. Das neue Zentrum konzentriert die Expertise beider Partner, stellt den DHZB-Stiftungszweck sicher und erfolgt unter strategischer Führung der Charité. Das gemeinsame Universitäre Herzzentrum Berlin erfüllt zudem die bundesgesundheitspolitischen Vorgaben zur Bildung von komplexen, fachübergreifenden Herztherapiezentren und versteht sich als fester Partner im Netzwerk aller Berliner Krankenhäuser.

Erleichterung bei den Verhandlungspartnern

Der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, freute sich über den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen: „Durch eine kluge Nutzung von Synergien bauen wir Berlin zu einem führenden Standort der Herzmedizin weiter aus. Es ist unser gemeinsames Ziel, die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in unserer Stadt zu sichern.“

Auch Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, begrüßt das Verhandlungsergebnis: „Ich bin sehr erleichtert, dass es nun gelungen ist, zwei wichtige Partner im Universitären Herzzentrum zusammenzuführen. Wir danken dem Regierenden Bürgermeister ausdrücklich für seine Moderation. Die Möglichkeiten und Netzwerke einer international renommierten Wissenschaftseinrichtung, der Charité, vereint mit der exzellenten Expertise in allen Bereichen der Herzchirurgie des Deutschen Herzzentrums Berlin, eröffnen nun neue Wege in der Behandlung und Erforschung von Herzkrankheiten. Damit sind wir in der Lage, Innovationstreiber europäischer Herz-Kreislaufforschung zu sein.“

Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.
Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.© Maren Winter | Dreamstime

Etwa 200 Millionen Frauen weltweit sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge von Genitalverstümmelungen betroffen. Dr. Ulrich Clever, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK) und Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, betonte anlässlich des heutigen Tages gegen Genitalverstümmelung: „Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und hat schwerwiegende körperliche und seelische Folgen.“ Er hob weiter hervor, dass Deutsche Ärztetage mehrfach eine weltweite Ächtung und Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung gefordert hatten.

Rund 58.000 Betroffene in Deutschland

In Deutschland steht die Genitalverstümmelung unter Strafe und kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Da die Tat gemäß § 228 StGB gegen die „guten Sitten“ verstößt, rechtfertigt auch eine eventuelle Einwilligung der Patientin in den Eingriff nicht die Tat. Vor allem Eltern drohen erhebliche strafrechtliche Konsequenzen, je nach Tatbeitrag in den Eingriff.

Der gemeinnützige Verein Terre de Femmes schätzt, dass mehr als 58.000 Mädchen und junge Frauen von Genitalverstümmelung in Deutschland betroffen sind, etwa 13.000 sind gefährdet. Man müsse davon ausgehen, dass dieses Problem mit der wachsenden Zahl von Geflüchteten in Europa zunehme, sagte Clever.

Empfehlung für Ärzte zum Umgang mit Betroffenen

Für einen richtigen Umgang mit betroffenen und traumatisierten Frauen hat die BÄK eine „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung“ erarbeitet. „Die anatomischen und seelischen Folgen von Genitalverstümmelung müssen bei Geburt, Operation sowie Wundversorgung medizinisch und psychotherapeutisch berücksichtigt werden“, erklärt Clever. Eine kultursensible Beratung und Anamnese sei in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ohne jedoch die Aufklärung über die Rechtslage zu vernachlässigen. Weitere Hintergrundinformationen zu dem Thema können auf der Seite der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung abgerufen werden.

Empfehlungen-zum-Umgang-mit-Patientinnen-nach-weiblicher-Genitalverstuemmelung.pdf
OP-Barometer 2017.
Der OP-Barometer 2017 zur Arbeitssituation von Pflegekräften im OP- und Anästhesie-Bereich.Photovs/Dreamstime.com

Alle zwei Jahre wird von der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) der OP-Barometer herausgebracht, für den Pflegekräfte aus dem Operations- und Anästhesie-Bereich zu ihrer Arbeitssituation befragt werden. Für die nun sechste Befragung nahmen 1.950 Mitarbeitende aus den entsprechenden Bereichen teil, 14 Prozent mehr gegenüber dem letzten OP-Barometer 2015. Die Frankfurt UAS hat nun einige Ergebnisse des OP-Barometers 2017 veröffentlicht. Generell scheinen Personalknappheit und schlechte Organisationsstrukturen Grund dafür zu sein, dass die Leistungsfähigkeit in deutschen OP-Sälen sinkt – so die Bilanz der Frankfurt UAS.

Keine Verbesserung im Bereich der Patientengefährdung

Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) gab an, dass die Patientengefährdung ihrer Einschätzung nach in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis ist man in der vorangegangenen Befragung gekommen, verbessert hat sich die Situation also nicht. Von den Befragten, die in großen Kliniken mit neun bis 12 oder mehr Sälen tätig sind, traf über die Hälfte eine solche Aussage. Dass Patientensicherheit ein wichtiges Thema in ihrem OP-Bereich ist, bestätigten 76 Prozent.

Die genannten Gründe dafür sind nicht neu: mangelndes Pflegepersonal und eine hohe Krankenquote scheinen die Befragten als Ursache für die mangelhafte Patientensicherheit anzusehen. Nur 28 Prozent gaben an, dass die Besetzung des Pflegepersonals ausreichend ist, um den Klinikalltag bewältigen zu können. 65 Prozent haben eine hohe Krankheitsquote bemängelt und sogar 35 Prozent gaben an, sich mit dem Thema Mobbing auseinandersetzen zu müssen.

Thema Hygiene wird noch nicht überall groß geschrieben

60 Prozent aller Befragten sagten, dass die Hygienerichtlinien in ihrem OP-Saal streng eingehalten werden. „Hygiene im Krankenhaus ist ein sensibles Thema, deshalb wird in den OP-Bereichen verstärkt viel Wert darauf gelegt“, sagt Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und –recht der Frankfurt UAS. „Zufrieden kann man allerdings erst sein, wenn die Hygienerichtlinien zu 100 Prozent streng eingehalten werden“, mahnt er. Gleiches gelte für die Patientensicherheit. Verbessert hat sich die Sterilgutversorgung. 34 Prozent empfand diese als problematisch, im Jahr 2011 fanden dies noch etwa 44 Prozent.

Viele würden sich in ihrem OP nicht operieren lassen

Erschreckend scheint das Vertrauen in den eigenen OP-Bereich zu sein, denn nur 62 Prozent der Befragten würden sich aus fachlicher Hinsicht in ihrem OP operieren lassen. Vor allem diejenigen Befragten aus den großen Kliniken mit über 12 Sälen gaben dies an. Die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz stellt sich auch hinten an: 61 Prozent sind zufrieden mit ihrer Arbeitssituation, 2011 waren es noch 71 Prozent.

Insgesamt scheinen vor allem Fachkräfte großer Kliniken die eigene Leistungsfähigkeit negativer einzuschätzen als es in kleineren Kliniken der Fall ist, so Busse. „Nach der Datenlage aus dem OP-Barometer 2017 scheint es große Unterschiede im Hinblick auf Personal, Organisation und Patientengefährdung in den unterschiedlichen Krankenhäusern zu geben. Manche Krankenhäuser haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, nämlich Organisationsabläufe optimiert oder beispielsweise Hygienemängel abgestellt, anderen ist dies wohl nicht gelungen. Es ist den Patientinnen und Patienten daher anzuraten, genau hinzuschauen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren lassen“, resümiert Busse abschließend.

Dies sind erste Ergebnisse des OP-Barometers 2017, die von der Frankfurt UAS in einer Pressemitteilung veröffentlicht wurden. Die vollständige und aufbereitete Auswertung soll es laut Mitteilung in der folgenden Woche geben.

Staatsanwaltschaft Oldenburg wirft Niels H. weitere 97 Morde zur Last.
Der neue Prozess um Niels H. beginnt frühestens im Oktober.06photo/Dreamstime.com

Gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. wurde erneut Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg wirft ihm vor, 97 weitere Morde an Patienten während seiner Tätigkeit als Krankenpfleger begangen zu haben (Az.: 5 Ks 1/18). Wie ein Sprecher des Landgerichts Oldenburg vor wenigen Tagen mitteilte, wird die Hauptverhandlung voraussichtlich am 18. oder 19. Oktober beginnen.

Für sechs Taten war Niels H. bereits in zwei Prozessen aus den Jahren 2006/2008 und 2014/2015 rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte den Patienten absichtlich Medikamente verabreicht, die zu einem Herzkreislaufversagen führen, um sie anschließend zu reanimieren. Zuletzt gab die Staatsanwaltschaft Oldenburg im November vergangenen Jahres bekannt, dass man von insgesamt 106 Menschen ausgeht, die Niels H. getötet haben soll, allerdings musste für einige Fälle noch Ermittlungen und toxikologische Untersuchungen abgewartet werden. Nun würde für 97 dieser Mordfälle Anklage erhoben. Aktuell findet im Rahmen eines Zwischenverfahrens eine Prüfung statt, ob ein hinreichender Tatverdacht vorliegt.

 RT-QuIC-Methode zur Früherkennung von Alzheimer.
Ein Forscherteam möchte die RT-QuIC-Methode zur Frühdiagnose der Alzheimer-Krankheit anwendbar machen.Kts/Dreamstime.com

Eine frühe Diagnose der Alzheimer-Krankheit bringt viele Vorteile: Die Behandlung kann frühzeitig beginnen und damit Lebensqualität erhalten. Außerdem können Menschen, die in einem frühen Stadium diagnostiziert wurden, wichtige Dinge noch alleine regeln und für die Zukunft vorsorgen. Bislang ist eine Frühdiagnose mit den derzeit verfügbaren diagnostischen Verfahren aufwändig und führt nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Dr. Maria Cramm von der Universitätsmedizin Göttingen möchte dies ändern.

Dazu versucht sie die „Real-Time Quaking induced Conversion” (RT-QuIC), die zur Diagnose von Prionkrankheiten wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit genutzt wird, auch für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit anwendbar zu machen. Sowohl bei Prionkrankheiten als auch bei der Alzheimer-Krankheit spielen fehlgefaltete Proteine eine zentrale Rolle.

Exakte Ergebnisse durch die RT-QuIC-Methode

„Mit der RT-QuIC-Methode lassen sich fehlgefaltete Proteine vervielfältigen, so dass auch geringste Proteinmengen messbar werden. Bei Prionkrankheiten liefert die Methode sehr exakte Ergebnisse. Sollte sich die RT-QuIC-Methode auch bei der Alzheimer-Diagnose als zuverlässig erweisen, könnte die Erkrankung früher sicher erkannt werden“, sagt Dr. Maria Cramm.

Dr. Cramm und ihr Team werden die RT-QuIC-Methode zunächst für die Anwendung in der Alzheimer-Diagnostik modifizieren. Dabei wird das Aggregationsverhalten der für die Alzheimer-Krankheit typischen Proteine Beta-Amyloid und Tau dargestellt. Danach folgt der Vergleich mit bereits bekannten Biomarkern, die im Zentrum der aktuellen Alzheimer-Diagnostik stehen.

Aktuell kann die gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) zehn neue Forschungsprojekte mit insgesamt 798.357 Euro unterstützen. Das zweijährige Projekt wird von der AFI mit 40.000 Euro gefördert.

Ambulante Intensivpflege.
Für die ambulante Intensivpflege wurden neue Qualitätsmaßstäbe vereinbart.Mirage3/Dreamstime.com

Die Ersatzkassen haben zusammen mit dem Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) erstmals verbindliche und bundesweite Regelungen zur Qualität der Versorgung der häuslichen Krankenpflege abgeschlossen. Dies soll vor allem den Versorgungsstandard von Wachkomapatienten und anderen intensivpflegebedürftigen Menschen verbessern, die unter anderem eine künstliche Beatmung benötigen. Ihr Versorgungsbedarf ist besonders hoch, da sie rund um die Uhr eine besondere medizinische und pflegerische Behandlung benötigen.

Durch die neuen Regelungen muss nun beispielsweise ein Pflegedienst eine speziell qualifizierte, examinierte Pflegekraft mit Zusatzqualifikation als Atmungstherapeut o.ä. vorweisen können und jeden Tag 24 Stunden erreichbar sein. Die Pflegebedürftigen und deren Angehörige sollen zudem mit Unterstützung des Pflegedienstes in die Lage versetzt werden, krankenpflegerische Maßnahmen ganz oder teilweise zu übernehmen.

15.000 Menschen benötigen ambulante außerklinische Intensivpflege

Bernd Tews, bpa-Geschäftsführer, bezeichnete die Vereinbarung als einen „Meilenstein für die Intensivpflege“, da bisher die intensivpflegerische Versorgungslandschaft eher zersplittert. Vereinbarungen zwischen den Krankenkassen und den speziellen Pflegediensten zu der krankenpflegerischen Versorgung wurden in der Regel von einzelnen Krankenkassen und Diensten vor Ort geschlossen.

Bundesweit gibt es ca. 15.000 Menschen, die diese ambulante außerklinische Intensivpflege in Anspruch nehmen. Die Kosten aller Krankenkassen lagen 2017 bei über einer Milliarde Euro.

Gewalt gegenüber Rettungskräften.
Kriminologen fragten nach der Erfahrung mit Gewalt während der Einsätze von Rettungskräften.

Vergangene Woche wurde der Abschlussbericht zu einer Studie vorgelegt, für die Kriminologen der Ruh-Universität Bochum (RUB) 4.500 Rettungskräfte aus NRW zu ihren Erfahrungen mit Gewalt im Diensteinsatz befragt haben. Dazu wurde zwischen verbaler, nonverbaler und körperlicher Gewalt unterschieden. Unter nonverbale Gewalt fielen beispielsweise Gesten wie einen Vogel oder den Mittelfinger zeigen. Generell zeigte sich zunächst einmal, dass mehr Übergriffe auf Rettungsdienste, darunter Notärzte, Notfallsanitäter und Rettungsassistenten, stattfinden als auf Einsatzkräfte im Brandeinsatz.

So haben 26 Prozent der befragten Rettungskräfte angegeben, dass sie in den zwölf Monaten vor der Befragung körperlicher Gewalt zum Opfer gefallen sind. Nonverbale Gewalt hat bei 75 Prozent und verbale Übergriffe haben bei 92 Prozent stattgefunden.

Geringe Beteiligung

Allerdings war die Beteiligungsquote sehr gering, denn von allen Befragten haben nur 18 Prozent tatsächlich an der Studie teilgenommen. Prof. Thomas Feltes, Zuständiger für die Auswertung, hatte mit mehr Teilnahmen gerechnet: „Wir hätten uns eine höhere Beteiligung gewünscht, vor allem auch, weil das Thema in den Medien so intensiv diskutiert wird.“ Über die Gründe könne er nur spekulieren. Möglicherweise betreffe das Problem doch nicht derart viele Rettungskräfte, mutmaßt er.

Auf die jährlichen über hunderte Einsätze pro Rettungskraft sind die körperlichen Übergriffe zudem als eher seltenes Ereignis zu werten. Bei den Tätern handelte es sich bei über die Hälfte der Fälle um alkoholisierte Personen zwischen 20 und 40 Jahren, die überwiegend männlich waren.

Fortbildungen gewünscht

Viele gaben an, dass sie den letzten Übergriff verbaler und nonverbaler Art auf ihre Person gar nicht meldeten (80 Prozent), da sie es nicht für nötig hielten bzw. glaubten, dass sich die Situation ohnehin nicht ändern würde. 70 Prozent der Fälle körperlicher Gewalt wurden hingegen gemeldet.

Zwar zeigten sich die Befragten insgesamt sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung, wünschten sich aber dennoch eine intensivere Vorbereitung auf Verhaltensmaßnahmen bei Gewaltübergriffen im Einsatz. Insbesondere der Bedarf an Fortbildungen zu Deeskalationstechniken und Abwehrtechniken scheint den Ergebnissen zufolge groß zu sein.

Für die Befragung zuständig waren Prof Thomas Feltes und Marvin Weigert vom Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der RUB. Unterstützt wurde die Studie unter anderem vom Ministerium des Innern sowie vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Die Rolle der Nervenzellen bei dem Wunheilungsprozess.
Sogenannte Gliazellen spielen bei dem Wundheilungsprozess eine wichtige Rolle.Ivan Vicencio/Freeimages.com

Damit Wunden abheilen können, müssen neue Hautschichten gebildet werden. Verschiedene Zelltypen treten dabei in ein komplexes Wechselspiel. Der Prozess, der dahinter steckt, ist jedoch noch nicht gänzlich erschlossen worden. Nun konnte ein Forscherteam um Lukas Sommer, Professor am Anatomischen Institut der Universität Zürich, allerdings herausfinden, dass Nervenzellen dabei eine zentrale Rolle spielen. Seine Forschungsgruppe ist Teil von «Skintegrity», einem Flaggschiff-Projekt der Hochschulmedizin Zürich.

Dass Nervenzellen eine zentrale Funktion für eine optimale Wundheilung haben, war schon seit längerem bekannt – der Grund aber war unklar. Die Forscher von „Skintegrity“ konnten nun entdecken, dass sich sogenannte Gliazellen, die sich entlang der verletzten Nervenbahn befinden, stark verändern. Sie ändern ihre ursprünglich Identität, indem sie zu „Reperaturzellen“ programmiert werden und schwärmen in das Wundbett aus. «Dort schütten sie einen Cocktail verschiedenster Faktoren aus, welche die Wundheilung unterstützen», erklärt Lukas Sommer.

Auch bedeutsam für chronische Wunden

Im weiteren Schritt wollen die Forscher die verschiedenen Faktoren des „Wundheilungs-Cocktails“ näher untersuchen: „Nun wollen wir zusammen mit Klinikern des Universitätsspitals Zürich die Wundheilungsfaktoren besser charakterisieren, die von Nervenzellen ausgeschüttet werden“, erklärt Sommer. Sie erhoffen sich davon wichtige Erkenntnisse, um wirksamere Therapien für Menschen mit chronischen Wunden entwickeln zu können. „Vielleicht könnten damit eines Tages chronische Wunden wirksam behandelt werden“, sagt Sommer weiter.