Ende 2012 hat­te sich die Frau beim Ret­tungs­dienst einer Schwei­zer Kli­nik am Boden­see als Fach­ärz­tin für Anäs­the­sie bewor­ben und ohne Zulas­sung als frei­be­ruf­li­che Not­ärz­tin in Kon­stanz gear­bei­tet. Vor Gericht räum­te sie die Vor­wür­fe ein.

Um den Job zu bekom­men, hat­te die inzwi­schen in Ber­lin leben­de Frau aus Sicht der Kam­mer gefälsch­te Beschei­ni­gun­gen ein­ge­reicht. „Sie haben fal­sche Urkun­den vor­ge­legt, Ihre Tätig­keit als Ärz­tin erschli­chen und Titel benutzt, obwohl Sie wuss­ten, dass Sie das nicht dür­fen“, sag­te die Rich­te­rin bei der Urteils­ver­kün­dung. Die Frau habe sich mit den fal­schen Unter­la­gen ein Lügen­ge­bäu­de auf­ge­baut. Als sie gemerkt habe, dass das funk­tio­nie­re, habe sie sich selbst über­schätzt und dabei Men­schen gefähr­det.

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Angeklagte verfügte wohl über Fachwissen

Tat­säch­lich ist die Ange­klag­te aus­ge­bil­de­te Kran­ken­schwes­ter mit Fach­aus­bil­dung für Anäs­the­sie und Inten­siv­me­di­zin. Auf­ge­wach­sen als ältes­tes von fünf Kin­dern habe sie immer viel arbei­ten und Ver­ant­wor­tung tra­gen müs­sen, erklär­te die 53-Jäh­ri­ge. Mit dem ers­ten Bil­dungs­weg hat es bis zum Abitur nicht gereicht. Sie habe aber an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck eine Stu­di­en­be­rech­ti­gung erwor­ben. Und ihr gro­ßes Ziel sei ein Medi­zin­stu­di­um.

Bis Juni 2013 arbei­te­te die Frau von Kon­stanz aus für den Ret­tungs­dienst. Als Vor­wür­fe gegen sie auf­ka­men, sei die Ange­klag­te zunächst frei­ge­stellt und spä­ter das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis been­det wor­den, heißt es beim Herz­zen­trum Boden­see, zu dem der Ret­tungs­dienst gehört. Das Kli­ni­kum stand 2013 und 2014 selbst mona­te­lang in der Kri­tik – unter ande­rem wur­de dem Kran­ken­haus vor­ge­wor­fen, Pati­en­ten nicht zer­ti­fi­zier­te Herz­klap­pen ein­ge­setzt zu haben. Die Staats­an­walt­schaft hat ent­spre­chen­de Unter­su­chun­gen aber inzwi­schen in meh­re­ren Punk­ten wegen gerin­ger Schuld ein­ge­stellt.

Nach Aus­sa­ge des Geschäfts­füh­rers der Kli­nik, habe es in der Zeit, in der die Ange­klag­te für den Ret­tungs­dienst gear­bei­tet habe, kei­ne Pro­ble­me gege­ben. Auch ihren Kol­le­gen sei nichts auf­ge­fal­len, sag­te er. „Wenn man lan­ge genug im Pfle­ge­be­reich arbei­tet, hat man in einem schma­len Fach­be­reich hohe Erfah­run­gen.“ Auch Rich­te­rin Hei­ke Wil­len­berg beschei­nig­te der 53-Jäh­ri­gen Fach­wis­sen. Obwohl sie das Anse­hen der Medi­zin beschä­digt habe, habe das Gericht ent­schie­den, ihr eine Chan­ce zu geben. Das Gericht ver­ur­teil­te die Ange­klag­te unter ande­rem wegen gewerbs­mä­ßi­gen Betrugs, , Miss­brauchs von Titeln und uner­laub­ter Tätig­keit in Heil­be­ru­fen zu zwei Jah­ren Gefäng­nis, aus­ge­setzt auf vier Jah­re, ver­ur­teilt. Sie muss 3000 Euro an eine Nach­sor­ge­kli­nik bezah­len und trägt die Ver­fah­rens­kos­ten des Verfahrens.Darüber hin­aus erhält sie einen Bewäh­rungs­hel­fer.

„Wir hegen die Hoff­nung, dass Sie sich die­ses Ver­fah­ren zur War­nung neh­men, damit so etwas nicht noch­mal pas­siert. Wir wer­den Ihnen zukünf­tig auf die Fin­ger schau­en,“ so das Gericht.

Staats­an­wäl­tin Clau­dia Frit­schi hat­te zuvor eine Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und fünf Mona­ten für die 53-Jäh­ri­ge gefor­dert. Die Ange­klag­te, die schon 2011 und 2013 unter ande­rem wegen Miss­brauchs von Titel ver­ur­teilt wor­den sei, nei­ge dazu, sich „nach außen als mehr dar­zu­stel­len, als sie eigent­lich ist“. Die­ses Den­ken sei noch nicht been­det – es sei daher mit wei­te­ren Straf­ta­ten zu rech­nen. Die Ent­schei­dung, ob die Staats­an­walt­schaft Revi­si­on oder Beru­fung ein­legt, steht noch aus.