Immuntherapie gegen Krebs.
Mittels Biomarker soll der Erfolg einer Immuntherapie gegen Krebs vorausgesagt werden.Martinpolak/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Durch das Immunsystem werden regelmäßig alle Gewebe im Körper auf Krankheitserreger und Störungen untersucht. Um etwa schwarzen Hautkrebs (Melanom) und  Lungenkrebs zu bekämpfen, wird diese Funktion des Immunsystems ausgenutzt. Immunzellen werden so aktiviert, dass sie die Krebszellen als Fremdkörper erfassen und eliminieren. Selbst ausgeprägte Metastasen können gefunden und zerstört werden, da das System seine häufig schwächelnde Immunantwort stärkt. Bei bis zu 50 Prozent der Patientinnen und Patienten lässt sich der Krebs auf diese Art kontrollieren, manche werden sogar geheilt.

Mit Gewissheit auf möglichen Erfolg Nebenwirkungen in Kauf nehmen

Allerdings sprechen etwa die Hälfte der Krebskranken nicht auf die Immuntherapie an, müssen aber deren Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Ein Forscherteam der Universität Zürich (UZH) und des Universitätsspitals Zürich hat nun mit einer neuartigen Methode herausgefunden, welche Patienten voraussichtlich auf eine Immuntherapie positiv reagieren werden. Sie konnten in den Blutproben die Biomarker identifizieren, welche noch vor Behandlungsbeginn darauf schließen lassen, ob die Therapie mit größerer Wahrscheinlichkeit wirksam ist – oder eben nicht.

«Bei einem Entscheid für eine Immuntherapie sollte das Blutbild auf diese Biomarker analysiert werden. So kann der Anteil der Patienten, die von der Therapie profitieren, dramatisch erhöht werden», sagt Prof. Burkhard Becher vom Institut für experimentelle Immunologie der UZH. «Bei den restlichen Patienten können dagegen gleich andere Methoden angewandt werden – ohne kostbare Zeit mit einer für sie ineffektiven Immuntherapie zu verlieren.»

Die Forscher untersuchten in Kooperation mit der Dermatologischen Klinik des USZ 40 Blutproben von 20 Patientinnen und Patienten vor und 12 Wochen nach der Immuntherapie auf Biomarker. Dabei wurde die hochdimensionale Zellanalyse-Methode Cytometry-by-time-of flight (Cy-TOF) angewandt, die jede Zelle einzeln auf bis zu 50 verschiedene Eiweiße analysiert. So konnte jede einzelne Zelle identifiziert und ihren Aktivierungszustand dokumentiert werden. Selbst nuancierte Unterschiede zwischen den Patientenproben wurden genau erfasst.

Nach der Analyse der Zellen wurden die Daten zusammen mit Mitarbeitern des Schweizer Instituts für Bioinformatik der UZH auf molekulare Muster analysiert, welche einen Erfolg der Immuntherapie voraussagen können. «Wir fanden selbst vor Therapiebeginn eine subtile und schwache Immunantwort im Blut und identifizierten dieses molekulare Muster als Immunzellen CD14+CD16−HLA-DRhi», sagt Burkhard Becher. Damit der Befund leicht nachzuvollziehen ist, sollten die Biomarker einfach nachgewiesen werden können: In der Tat wurde ein solches Blutbild auch in einer zweiten, unabhängigen Kohorte von mehr als 30 Personen mit herkömmlichen Methoden reproduziert.

In unabhängigen Studien müssen die Ergebnisse nun mit einer höheren Patientenzahl angewandt werden, bevor sie klinisch umgesetzt werden können. In der Studie wird ein wichtiger Baustein in Richtung Präzisionsmedizin gesehen und die Methode könnte künftig auch für andere Krankheitsbilder hilfreich sein.

Quelle:

idw