In der ver­gan­ge­nen Woche haben sich auf der Arbeits- und Sozi­al­mi­nis­ter­kon­fe­renz des Bun­des und der Län­der (ASMK) in Pots­dam die zustän­di­gen Res­sort­mi­nis­ter mer­heit­lich für glei­che Min­des­t­ent­gel­te Ost und West in der Pfle­ge aus­ge­spro­chen. Die Minis­ter folg­ten damit einen ent­spre­chen­den Antrag Meck­len­burg-Vor­pom­merns, der von Lan­des­so­zi­al­mi­nis­te­rin Ste­fa­nie Dre­se (SPD) ein­ge­bracht wor­den ist.

„Ich hof­fe nun, dass es zu einer raschen Anglei­chung kommt. Es gibt kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung mehr für eine regio­na­le Dif­fe­ren­zie­rung“, erklär­te Dre­se. Eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung sei 30 Jah­re nach der Ein­heit den Men­schen im Osten auch ein­fach nicht mehr zu ver­mit­teln, so Minis­te­rin Dre­se wei­ter.

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Mit dem Beschluss ergeht nun­mehr die Auf­for­de­rung an die Bun­des­re­gie­rung einen ent­spre­chen­den Gesetz­ent­wurf vor­zu­le­gen. Bis­lang wur­den jedoch die Min­dest­lohn­ver­ord­nun­gen für die Pfle­ge­bran­che auf der Basis der Emp­feh­lun­gen der Pfle­ge­kom­mis­si­on des Bun­des erlas­sen. Inso­fern ist im Vor­feld mit einer Ände­rung des Arbeit­neh­mer­ent­sen­de­ge­set­zes (AEntG), dass die Arbeits­grund­la­ge der Pfle­ge­kom­mis­si­on schafft, zu rech­nen.

Pflege- steigt ab 2018

Die 3. Pfle­ge­kom­mis­si­on des Bun­des, der jeweils pari­tä­tisch mit Vetre­tern der Arbeit­ge­ber- und der Arbeit­neh­mer­sei­te besetzt ist, hat­te sich erst im April die­sen Jah­res auf höhe­re Min­dest­löh­ne für Beschäf­tig­te in der Pfle­ge ver­stän­digt. Danach soll ab 1. Janu­ar 2018 der auf 10,55 € (West) bzw. 10,05 € (Ost) pro Stun­de stei­gen. Bis Janu­ar 2020 soll er dann schritt­wei­se wach­sen und dann 11,35 € (West) bzw. 10,85 € (Ost) betra­gen.

Brüderle: „Wer A fordert, der muss auch B liefern“

Der Prä­si­dent des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des des Bun­des­ver­ban­des pri­va­ter Anbie­ter sozia­ler Diens­te (bpa), der ehe­ma­li­ge FDP-Spit­zen­po­li­ti­ker Rai­ner Brü­der­le, ver­weist in einer ers­ten Stel­lung­nah­me dar­auf hin, dass die Pfle­ge­kom­mis­si­on den jetzt gül­ti­gen Pfle­ge­min­dest­lohn in einem acht Mona­te dau­ern­den Pro­zess aus­ge­ar­bei­tet hat. „Auch den Kom­mis­si­ons­mit­glie­dern war klar, dass es zu einer schritt­wei­sen Anglei­chung kom­men muss, die sich nun auch in der unter­schied­li­chen Ent­wick­lung des Pfle­ge­min­dest­lohns in Ost und West abbil­det. Wenn jetzt Minis­ter will­kür­lich in die­sen tarif­ähn­li­chen Pro­zess ein­grei­fen, dann brin­gen sie damit auch ein Stück weit ihre Miss­ach­tung gegen­über dem auch hier gel­ten­den Prin­zip der Tarif­au­to­no­mie zum Aus­druck. Im Übri­gen erwe­cken sie den Ein­druck, sie könn­ten den Pfle­ge­min­dest­lohn selbst fest­le­gen. Das ist recht­lich gar nicht mög­lich“, so Brü­der­le.

Und wei­ter: „Ich wünsch­te mir, dass sich die Sozi­al­mi­nis­ter mit dem­sel­ben Enga­ge­ment und der­sel­ben öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit dar­um küm­mern wür­den, dass die Pfle­ge­sät­ze und die Per­so­nal­schlüs­sel in den neu­en Bun­des­län­dern deut­lich ange­ho­ben wer­den. Denn hier besteht der viel gra­vie­ren­de­re Unter­schied zwi­schen Ost und West. Lei­der wer­den dabei die Pfle­ge­diens­te und Pfle­ge­hei­me regel­mä­ßig von der Lan­des­po­li­tik im Stich gelas­sen. Sie schlägt sich da lie­ber in die Büsche und zeigt auf die Kos­ten­trä­ger. Red­lich ist das nicht.“