"Menschlichkeit statt Bürokratie" lautet das Motto der Buurtzorg-Pflegedienste.
„Mensch­lich­keit statt Büro­kra­tie“ lau­tet das Mot­to der Buurt­zorg-Pfle­ge­diens­te.Pho­to 71286828 © Arne9001 – Dreamstime.com

Arbeits­druck, feh­len­des Per­so­nal und zu wenig Zeit für das Zwi­schen­mensch­li­che lau­ten oft­mals die Eigen­schaf­ten, die in Zusam­men­hang mit der ambu­lan­ten Pfle­ge in Deutsch­land fal­len. Grün­de dafür sieht man mit­un­ter in Fehl­an­rei­zen im Ver­gü­tungs­sys­tem und dem durch das Abrech­nungs­sys­tem ent­ste­hen­den Kos­ten­druck. Vie­le Pfle­ge­fach­kräf­te ambu­lan­ter Pfle­ge­diens­te haben das Gefühl, ein­zel­ne Leis­tun­gen ledig­lich „abar­bei­ten“ zu kön­nen. Vie­le Bedürf­nis­se der Pati­en­ten blei­ben dadurch auf der Stre­cke und auch die Per­so­nal­bin­dung gestal­tet sich auf die­se Wei­se schwie­rig.

Ein voll funk­tio­nie­ren­des Pfle­ge­sys­tem mag man sich anders vor­stel­len. Daher bringt das soge­nann­te Buurt­zorg-Modell fri­schen Wind in die und erscheint nahe­zu revo­lu­tio­när gegen­über bis­he­ri­gen Pfle­ge­kon­zep­ten.

Sei­nen Ursprung hat das Erfolgs­mo­dell in den Nie­der­lan­den, die Idee stammt von dem Buurt­zorg-Grün­der Jos de Blok. Unter dem Mot­to „Mensch­lich­keit vor Büro­kra­tie“ hat er ein Pfle­ge­kon­zept ent­wi­ckelt und eta­bliert, bei dem der Mensch tat­säch­lich im Mit­tel­punkt steht. Im Unter­schied zu ande­ren ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­ten wird bei dem Buurt­zorg-Pfle­ge­mo­dell nicht nach ein­zel­nen Leis­tun­gen, wie Waschen oder Nah­rungs­auf­nah­me, abge­rech­net, son­dern nach Zeit­auf­wand. Die Pfle­gen­den kön­nen sich so viel Zeit neh­men, wie der Pati­ent benö­tigt.

In kleinen Teams Großes bewirken

Eine wei­te­re Beson­der­heit: Die Buurt­zorg-Teams set­zen sich aus maxi­mal 10 Per­so­nen zusam­men, die alle eine gleich­wer­ti­ge Posi­ti­on ein­neh­men. Auf Hier­ar­chi­en, etwa durch den Ein­satz einer Pfle­ge­dienst­lei­tung, wird gänz­lich ver­zich­tet. Die Team­mit­glie­der müs­sen selb­stän­dig Ent­schei­dun­gen tref­fen, wodurch ihnen mehr Eigen­ver­ant­wor­tung und letzt­lich mehr Aner­ken­nung zu Teil wird – etwas, das vie­le Pfle­ge­kräf­te sonst in ihrer all­täg­li­chen Arbeit ver­mis­sen. Mit klei­nen, unab­hän­gi­gen Pfle­ge­teams möch­te man also für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Pfle­ge sor­gen, bei der es nicht um wirt­schaft­li­che Gewinn­ma­xi­mie­rung geht, son­dern um das Errei­chen von Pati­en­ten- und Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit. Gemäß der Bedeu­tung des Begriffs „Buurt­zorg“, zu deutsch „Nach­bar­schafts­hil­fe“, wird zudem Wert dar­auf gelegt, dass Ange­hö­ri­ge, Nach­barn und Freun­de der zu Pfle­gen­den nach Mög­lich­keit in die pfle­ge­ri­schen Auf­ga­ben ein­be­zo­gen wer­den, um die Selb­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wei­test­ge­hend zu för­dern und zu erhal­ten.

Mitt­ler­wei­le fin­det das Buurt­zorg-Modell nicht nur in den Nie­der­lan­den Anwen­dung, son­dern hat auch inter­na­tio­nal Ein­zug in die Pfle­ge gehal­ten, und so auch teil­wei­se schon in Deutsch­land. Ein TV-Tipp der Rechts­de­pe­sche-Redak­ti­on gilt an die­ser Stel­le dem Bei­trag „Erfolgs­mo­dell in der Pfle­ge“ des ZDF-Ser­vice­ma­ga­zins „Vol­le Kan­ne“, in dem Ein­blick in die Arbeit eines Buurt­zorgs-Pfle­ge­teams, nahe bei Hörs­tel, gebo­ten wird.