Pflegeschutzbund fordert Budget für Bewohnervertretungen. (v.l.n.r.: Martin von Berswordt-Wallrabe (Moderator), Staatssekretär Andreas Westerfellhaus (Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung), José Broers (LOC Waardevolle zorg, NL), Ulrike Kempchen (BIVA-Pflegeschutzbund), Prof. Dr. Thomas Klie (Ev. Hochschule Freiburg).
Pfle­ge­schutz­bund for­dert Bud­get für Bewoh­ner­ver­tre­ter. (v.l.n.r.: Mar­tin von Bers­wor­dt-Wall­ra­be (Mode­ra­tor), Staats­se­kre­tär Andre­as Wes­ter­fell­haus (Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­ter der Bun­des­re­gie­rung), José Bro­ers (LOC Waar­de­vol­le zorg, NL), Ulri­ke Kemp­chen (BIVA-Pfle­ge­schutz­bund), Prof. Dr. Tho­mas Klie (Ev. Hoch­schu­le Frei­burg).Foto: Rein­hard Leo­pold

Damit sta­tio­nä­re Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wirk­lich zu einem „Zuhau­se“ für die Bewoh­ner wer­den kön­nen, gibt es die Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen, die sich für die Inter­es­sen der Bewoh­ner ein­set­zen. Sie sichern ihre Teil­ha­be und Mit­be­stim­mung und tra­gen zu einer guten Lebens­qua­li­tät bei. Die The­men rei­chen dabei von der Ver­pfle­gung über die Frei­zeit­ge­stal­tung bis hin zum Hei­ment­gelt. Die Bewoh­ner­bei­rä­te machen das Gan­ze ehren­amt­lich und wer­den dafür nicht ver­gü­tet. Ihr Enga­ge­ment soll ihnen aber auch nicht zum finan­zi­el­len Nach­teil wer­den, zugleich fehlt es ihnen in der Regel an einem eige­nen Bud­get. Sie sind dar­auf ange­wie­sen, dass die Heim­lei­tung ihnen ent­spre­chen­de Mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len – häu­fig mit man­geln­dem Erfolg.

Mit der Absicht, Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen von Alten- und Behin­der­ten­ein­rich­tun­gen zu stär­ken, lud der Pfle­ge­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Staats­se­kre­tär Andre­as Wes­ter­fell­haus, Bei­rats­mit­glie­der aus ganz Deutsch­land am 23. Okto­ber 2019 zur Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung „Stär­kung der Bewoh­ner-Ver­tre­tun­gen in der Lang­zeit­pfle­ge“ nach Ber­lin ein. Der Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­te beton­te die immense Bedeu­tung gut funk­tio­nie­ren­der Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen für die Erhal­tung der Lebens­qua­li­tät der Bewoh­ner. „Bewoh­ner­bei­rä­te berich­ten lei­der aber auch, dass sie nicht immer unab­hän­gig agie­ren kön­nen oder die erfor­der­li­che Unter­stüt­zung nicht erhal­ten. Das muss in Deutsch­land über­all gewähr­leis­tet sein, sonst ist die­ses Gre­mi­um ein stump­fes Schwert“, so Wes­ter­fell­haus wei­ter.

Die Heimgesetzgebung gleicht einem Flickenteppich

Gene­rell wur­de zudem die sehr dif­fe­ren­te Gesetz­ge­bung in den jewei­li­gen Bun­des­län­dern bezüg­lich der Heim­mi­t­wir­kung kri­ti­siert. An die­sem „Fli­cken­tep­pich“ der Län­der-Heim­ge­set­ze hat offen­bar auch die letz­te Föde­ra­lis­mus­re­form kaum etwas geän­dert.

Exem­pla­risch ver­wies Ulri­ke Kemp­chen, Lei­te­rin Recht des BIVA-Pfle­ge­schutz­bun­des, auf Nord­rhein-West­fa­len und Ham­burg. In NRW sei zwar im Lan­des­ge­setz gere­gelt, dass Hei­me für die Kos­ten von Bei­rats­schu­lun­gen auf­kom­men müss­ten, aber nur ein Bruch­teil der Ein­rich­tun­gen die­se Schu­lun­gen auch anbie­te. In Ham­burg sei fest­ge­legt, dass etwa die Mit­glied­schaft von Bei­rä­ten in einem Inter­es­sen­ver­band vom Heim über­nom­men wer­den müs­se, aber dies so gut wie nie erfol­ge. Der BIVA-Pfle­ge­schutz­bund for­dert bereits seit lan­ger Zeit mehr Mit­be­stim­mung und die Erwei­te­rung der Rech­te von pfle­ge­be­trof­fe­nen Men­schen.

Dies zeig­te auch ein Gut­ach­ten zum The­ma „Auf­ga­ben, Rech­te und Mög­lich­kei­ten der Wei­ter­ent­wick­lung von Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen“, das von dem Pfle­ge­be­voll­mäch­tig­ten in Auf­trag gege­ben und von Prof. Tho­mas Klie von der Evan­ge­li­schen Hoch­schu­le Frei­burg auf der Ver­an­stal­tung vor­ge­stellt wur­de. Dar­aus ging zudem her­vor, dass eine wirk­sa­me Arbeit der Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen von vie­len Fak­to­ren abhängt, allen vor­an von ihrer Akzep­tanz und Unter­stüt­zung durch die Ein­rich­tun­gen. Dass dies kein Ding der Unmög­lich­keit ist, zeig­te sich durch einen Blick ins Nach­bar­land: Eine Ver­tre­te­rin des nie­der­län­di­schen LOC-Ver­bands, des Dach­ver­bands der „Kli­en­ten­rä­te“, schil­der­te die weit­rei­chen­den Rech­te der nie­der­län­di­schen Bewoh­ner­ver­tre­tun­gen.