Die Betreuung von Sterbenden kann für Mitarbeiter zur emotional-psychischen Belastung werden. (Symbolbild)
Die Betreu­ung von Ster­ben­den kann für Mit­ar­bei­ter zur emo­tio­nal-psy­chi­schen Belas­tung wer­den. (Sym­bol­bild)© Sri­sa­korn Won­gla­korn | Dreamstime.com

Für vie­le Bewoh­ner ist eine Pfle­ge­ein­rich­tung ihr letz­tes Zuhau­se. Gebrech­lich­keit, Krank­heit und Ster­ben beglei­ten den Arbeits­all­tag des Alten­pfle­ge­per­so­nals dau­er­haft. Gleich­wohl gibt es Mit­ar­bei­ter, die sich der emo­tio­nal-psy­chi­schen Belas­tun­gen in der Betreu­ung von Ster­ben­den nicht gewach­sen fühlen und die pal­lia­ti­ve Pfle­ge ger­ne den Kol­le­gen überlassen. Wie ist die­ses Ver­hal­ten zu bewer­ten?

Anspruchsvolle Sterbebegleitung

Es steht außer Fra­ge, dass der Pro­zess der Ster­be­be­glei­tung den Pfle­gen­den ein hohes Maß an fach­li­chen, sozia­len und kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­ten­zen abver­langt. Die Beglei­tung Ster­ben­der ist daher auch als eines der wesent­li­chen Aus­bil­dungs­zie­le den Pfle­ge­fach­frau­en oder Pflegefachmännern durch das Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz vom 17. 7. 2017 auf­er­legt worden.[1] Kon­kret müssen die Absol­ven­tin­nen und Absol­ven­ten die ver­ant­wort­li­che Pla­nung, Orga­ni­sa­ti­on, Gestal­tung, Durchführung, Steue­rung und Eva­lu­ie­rung der Pfle­ge­pro­zes­se von Men­schen an ihrem Lebens­en­de beherrschen.[2] Hier­bei han­delt es sich im Übrigen nicht um ein neu­es Kom­pe­tenz­pro­fil. Auch die dem Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz vor­her­ge­hen­den Aus­bil­dungs­ge­set­ze mit den kor­re­spon­die­ren­den Aus­bil­dungs­ord­nun­gen – KrPflG i. V. m. KrPflA- PrV und Alt­PflG i.V.m. Alt­PflA­PrV – sahen die Ein­be­zie­hung pal­lia­ti­ver Maß­nah­men, respek­ti­ve die Ver­mitt­lung von Kennt­nis­sen, Fähigkeiten und Fer­tig­kei­ten zur selbstständigen, eigen­ver­ant­wort­li­chen und umfas­sen­den Beglei­tung Ster­ben­der in den Unterrichtsplänen vor. Inso­weit ist also die fach­li­che Anord­nung zur Durchführung pal­lia­tiv­pfle­ge­ri­scher Ver­sor­gungs­maß­nah­men an exami­nier­tes Pfle­ge­fach­per­so­nal von dem arbeit­ge­ber­sei­ti­gen Wei­sungs­recht gemäß § 106 GewO abge­deckt, weil es nach dem Aus­bil­dungs­grad und Aus­bil­dungs­pro­fil dem ver­lang­ba­ren pfle­ge­ri­schen Auf­ga­ben­spek­trum zuzu­wei­sen ist, von dem in aller Regel auch nicht durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung abge­wi­chen wird.

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„Dienstplangerechtigkeit“: Verteilung von psychisch anspruchsvollen Aufgaben

Die soge­nann­te „Dienst­plan­ge­rech­tig­keit“ ist ein wei­te­rer juris­ti­scher Aspekt der gegen eine immer wie­der­keh­ren­de, ein­sei­ti­ge Ver­la­ge­rung spe­zi­el­ler Auf­ga­ben auf die glei­chen Arbeitskräfte spricht. Vor allem belas­ten­de Diens­te, wie die Pal­lia­tiv­pfle­ge, soll­ten aus dem Wei­sungs­ge­sichts­punkt des „bil­li­gen Ermes­sens“ gerecht unter den Team­mit­glie­dern auf­ge­teilt wer­den.

Von der juris­ti­schen Bewer­tung abzu­gren­zen ist dabei die arbeits­psy­cho­lo­gi­sche Ebe­ne: Die dau­ern­de Ver­wei­ge­rung eines Arbeit­neh­mers, den Ster­be­pro­zess pfle­ge­risch zu beglei­ten, kann als Indiz für ein Pro­blem auf der insti­tu­tio­nel­len oder zwi­schen­mensch­li­chen Ebe­ne gedeu­tet wer­den. Ins­ge­samt ist das The­ma Pal­lia­tiv­pfle­ge sehr facet­ten­reich und bie­tet aus der behand­lungs­pfle­ge­ri­schen Sicht ein brei­tes Auf­ga­ben­spek­trum (, Schmerz­the­ra­pie, Sto­ma­ver­sor­gung, etc). Inso­weit könnte eine nei­gungs­ge­rech­te Ver­tei­lung der Auf­ga­ben einen Lösungsansatz dar­stel­len. Pal­lia­tiv­pfle­ge­ri­sche Fort- oder Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te für das gesam­te Team können zudem einen Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung der hori­zon­ta­len und ver­ti­ka­len Arbeits­ebe­ne leis­ten.

Letzt­lich ist aber vor allem die Ver­sor­gung in der letz­ten Lebens­pha­se immer auf die Wünsche und Bedürfnisse des ster­ben­den Men­schen aus­zu­rich­ten.

[1] Vgl. § 5 Abs. 2 PflBG.

[2] Vgl. Anla­ge 2 zu § 9 Abs. 1 Satz 2 PflBG.