Nina H. Uhlenhaut
Nina H. Uhlen­hautMela­nie Weh­nert, Foto­stu­dio Lux in Ber­lin

„Mit ihren Unter­su­chun­gen hat Frau Dr. Uhlen­haut die mole­ku­la­re Wir­kungs­wei­se von Ste­ro­id­hor­mo­nen wie Cor­ti­son beleuch­tet. Sie konn­te zei­gen, wie der Hor­mon­re­zep­tor durch eine direk­te Bin­dung an die DNA des Erb­ma­te­ri­als Ent­zün­dungs­ge­ne aus­schal­tet. Damit wur­de eine zen­tra­le The­se wider­legt, die pos­tu­lier­te, dass der Rezep­tor nicht über eine direk­te Bin­dung an die DNA, son­dern über Inter­ak­tio­nen mit ande­ren Pro­te­inen sei­ne ent­zün­dungs­hem­men­de Wir­kung ent­fal­tet. Ihre Ent­de­ckung trägt nicht nur zum grund­le­gen­den Ver­ständ­nis von Gen­re­gu­la­ti­ons­pro­zes­sen bei, sie hat auch kli­ni­sche Rele­vanz, z.B. für künf­ti­ge The­ra­pie­an­sät­ze bei Dia­be­tes, Asth­ma oder “, erläu­tert Prof. Dr. Ste­fan H.E. Kauf­mann, Vor­sit­zen­der des Stif­tungs­ra­tes der Sche­ring Stif­tung und Geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Max-Planck-Insti­tuts für Infek­ti­ons­bio­lo­gie, die Ent­schei­dung der Jury.

Die pro­mo­vier­te Mole­ku­lar­bio­lo­gin Uhlen­haut stu­dier­te in den 90er Jah­ren Bio­tech­no­lo­gie an der TU Braun­schweig und erwarb wäh­rend­des­sen einen Mas­ter of Sci­ence am Geor­gia Tech in Atlan­ta. Die For­schung für ihre Diplom­ar­beit führ­te sie am Salk Insti­tu­te in San Die­go durch. Dort begann sie sich für Mecha­nis­men der Gen­re­gu­la­ti­on zu inter­es­sie­ren, die sie wäh­rend ihrer Dok­tor­ar­beit am EMBL in Hei­del­berg wei­ter unter­such­te. Ins­be­son­de­re erforscht Dr. Uhlen­haut die tran­skrip­tio­nel­le Repres­si­on, wes­we­gen sie nach der Pro­mo­ti­on im Jahr 2007 wie­der ans Salk Insti­tu­te in San Die­go ging. Ihre dor­ti­gen Pro­jek­te, die sich um Gen­re­gu­la­ti­on durch Hor­mon­re­zep­to­ren dreh­ten, führ­ten sie als Post­doc am MDC in Ber­lin wei­ter.

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Dr. Uhlen­haut inter­es­siert sich für die Gen­re­gu­la­ti­ons­me­cha­nis­men, die den Hor­mon­ant­wor­ten unse­res Kör­pers zugrun­de lie­gen. Dabei liegt ihr Fokus auf der soge­nann­ten tran­skrip­tio­nel­len Repres­si­on, um zu ver­ste­hen wie Gene aus­ge­schal­tet wer­den. Die For­sche­rin konn­te im Tier­mo­dell zei­gen, dass ein bestimm­tes Gen, der Tran­skrip­ti­ons­fak­tor Foxl2, in Weib­chen stän­dig dazu benö­tigt wird, um die Umwand­lung von Eier­stö­cken in Hoden zu ver­hin­dern, also eine Geschlechts­um­wand­lung zu unter­drü­cken. Die­se revo­lu­tio­nä­re Beob­ach­tung war nicht nur für das Feld der Repro­duk­ti­ons­bio­lo­gie von zen­tra­ler Bedeu­tung, son­dern leis­te­te auch einen wesent­li­chen Bei­trag zum Ver­ständ­nis der zel­lu­lä­ren Plas­ti­zi­tät im All­ge­mei­nen.

Mit ihrer Arbeits­grup­pe will Dr. Uhlen­haut zukünf­tig wei­te­re mole­ku­lar­ge­ne­ti­sche Ansät­ze ver­wen­den, um Hor­mon­re­zep­to­ren zu unter­su­chen, die eine Rol­le im Zucker- und Fett­stoff­wech­sel spie­len.

Die fei­er­li­che Preis­ver­lei­hung fin­det am 28. Sep­tem­ber 2015 um 17.30 Uhr in der Ber­lin-Bran­den­bur­gi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten statt.