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Es ist wichtig, Pflegepersonal in die Organisation der Schmerztherapie von Patienten mit einzubeziehen. Um Aufgaben in diesem Bereich an Pflegefachkräfte zu delegieren, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Es ist wich­tig, Pfle­ge­per­so­nal in die Orga­ni­sa­ti­on der Schmerz­the­ra­pie von Pati­en­ten mit ein­zu­be­zie­hen. Um Auf­ga­ben in die­sem Bereich an Pfle­ge­fach­kräf­te zu dele­gie­ren, müs­sen bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein.© Aure­mar | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Grund­sätz­lich liegt die Schmerz­the­ra­pie in der Hand und Macht des Sta­ti­ons­arz­tes. Aller­dings wen­den sich von Schmer­zen befal­le­ne Pati­en­ten mit ihren Beschwer­den häu­fig zuerst an Pfle­ge­kräf­te. Daher ist es wich­tig und not­wen­dig, dass die­se auch auf die Schmer­zen der Pati­en­ten reagie­ren können.

Delegation nur bei geringem Risiko und entsprechender Qualifikation

Aus dem oben genann­ten Grund ist es essen­zi­ell, das Pfle­ge­per­so­nal mit in die Orga­ni­sa­ti­on der Schmerz­the­ra­pie ein­zu­be­zie­hen und Mög­lich­kei­ten der Dele­ga­ti­on an Pfle­ge­kräf­te zu schaf­fen. Inzwi­schen ist die Zuläs­sig­keit der Über­tra­gung von intra­ve­nö­sen und intra­mus­ku­lä­ren Injek­tio­nen zur Schmerz­lin­de­rung durch Pfle­gen­de aner­kannt, wenn die ent­spre­chen­den Dele­ga­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen beach­tet wer­den. Bevor der Arzt eine Auf­ga­be an nicht­ärzt­li­ches Per­so­nal über­gibt, muss er sich von fol­gen­den Fak­to­ren überzeugen:

  • Objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Maß­nah­me: Beinhal­tet der Ein­griff ein zu hohes Risi­ko, oder geht mit der Maß­nah­me eine der­art hohe Kom­pli­ka­ti­ons­dich­te ein­her, sodass der Pati­ent gefähr­det wer­den kann, so fällt die Ver­ab­rei­chung in das ärzt­li­che Auf­ga­ben­feld. Umge­kehrt gilt: Je gerin­ger die Kom­pli­ka­ti­on­sich­te und das Gefähr­dungs­ri­si­ko, des­to eher kann die Maß­nah­me an eine Pfle­ge­kraft über­ge­ben werden.
  • Sub­jek­ti­ve Fähig­keit des Ange­wie­se­nen: Weist die Per­son die for­mel­len und mate­ri­el­len Qua­li­fi­ka­tio­nen zur Durch­füh­rung der Schmerz­mit­tel­ver­ab­rei­chung auf? Bei­spiel­haft zu nen­nen sind bei letz­te­rer unter ande­rem: Beherr­schung der Injek­ti­ons­tech­nik, Kennt­nis­se über (Neben-)Wirkungen, Kran­ken­be­ob­ach­tung und mög­li­che Erste-Hilfe-Maßnahmen.
    (Die Prü­fung der Eig­nung des Per­so­nals erüb­rigt sich, soll­te bei der Gefähr­lich­keit fest­ge­stellt wer­den, dass eine Dele­ga­ti­on auf eine Pfle­ge­kraft nicht erfol­gen kann)

Der DNQP-Exper­ten­stan­dard „Schmerz­ma­nage­ment in der Pfle­ge“ sieht eine Dele­ga­ti­on der Schmerz­be­hand­lung an Pfle­ge­kräf­te eben­falls vor und weist auf die Not­wen­dig­keit hin, dass das Pfle­ge­per­so­nal, auf das die Auf­ga­be letzt­lich dele­giert wird, über nach­weis­ba­re Kennt­nis­se bezüg­lich Wir­kung und Neben­wir­kung der ein­ge­setz­ten Phar­ma­zeu­ti­ka verfügt.

Die Hand­lun­gen des Pfle­ge­per­so­nals kön­nen durch haus­in­ter­ne Stan­dards erleich­tert wer­den. Bei­spiels­wei­se kann bei einer Schmerz­the­ra­pie mit Basis­an­al­ge­sie (Ver­ab­rei­chung von Nichtopio­iden und Opio­iden) nach ärzt­li­cher Anwei­sung fest­ge­legt sein, ab wel­cher Schmerz­stu­fe wel­che Art von Medi­ka­ti­on durch die Pfle­ge­kraft ver­ab­reicht wer­den kann und darf. Fer­ner soll­te auch das WHO-Stu­fen­sche­ma den Pfle­gen­den bekannt sein, wel­ches eine Aus­wahl der Medi­ka­men­te in Rela­ti­on zur Schmerz­in­ten­si­tät empfiehlt.

Grund­la­ge für den rei­bungs­lo­sen Dele­ga­ti­ons­pro­zess ist zudem die regel­mä­ßi­ge Schmerz­mes­sung und ‑doku­men­ta­ti­on durch das Pfle­ge­per­so­nal sowie die Beach­tung der­sel­ben durch den Sta­ti­ons­arzt. Die Kennt­nis im Umgang mit die­sen Instru­men­ta­ri­en ist die Grund­vor­aus­set­zung für die beden­ken­lo­se Wahr­neh­mung ärzt­li­cher Auf­ga­ben durch Pfle­ge­kräf­te in der Schmerztherapie.

„Falsche“ Schmerztherapie ist Körperverletzung

Die Wich­tig­keit einer adäqua­ten Schmerz­the­ra­pie zeigt sich dar­in, dass die­se sogar als Maß­nah­me zur Lebens­ver­län­ge­rung bei­tra­gen kann. „Sie (gemeint sind hier die Pati­en­ten) haben einen Anspruch dar­auf, schmerz­frei, soweit das mög­lich ist, gehal­ten zu wer­den“, erläu­tert Prof. Dr. Vol­ker Groß­kopf. Das Recht auf eine adäqua­te Schmerz­the­ra­pie ist eben­so im Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit (Arti­kel 2 Absatz 2 Satz 1 GG) ver­an­kert. Fer­ner han­delt es sich bei einer nicht-adäqua­ten Schmerz­the­ra­pie um Kör­per­ver­let­zung durch Unter­las­sen im Sin­ne von § 13 in Ver­bin­dung mit § 223 StGB. 

Fazit: Dadurch, dass Pfle­ge­kräf­te den Pati­en­ten häu­fig als ers­ter Ansprech­part­ner zur Sei­te ste­hen, ist es not­wen­dig und erlaubt, dass die­se auch geeig­ne­te Schmerz­mit­tel ver­ab­rei­chen dür­fen. Die Pfle­ge­kräf­te müs­sen jedoch über ent­spre­chen­de Fach­kennt­nis­se ver­fü­gen, ande­rer­seits kön­nen straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen drohen.

Quel­le: Großkopf/Klein (2019): „Recht in Medi­zin und Pfle­ge“, 5. Auf­la­ge, S. 214 ff. / RDG 2013, Mai/Juni, S. 140f.