Inwieweit können neue Technologien für den Umgang mit Patienten, Pflegebedürftigen und Bewohnern helfen und wo sind die Grenzen zu ziehen?
Inwie­weit kön­nen neue Tech­no­lo­gien für den Umgang mit Pati­en­ten, Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und Bewoh­nern hel­fen und wo sind die Gren­zen zu zie­hen?© Vadym­vd­ro­bot | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Noch nie hat sich die Tech­nik so rasend schnell wei­ter­ent­wi­ckelt wie in Zei­ten der digi­ta­len Revo­lu­ti­on. Vie­le Chan­cen gehen mit ihr ein­her, denn sie bie­tet in einem noch nie so umfäng­lich da gewe­se­nem Aus­maß Mög­lich­kei­ten, ver­schie­de­ne Berei­che des Lebens ein­fa­cher und effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Aber ist dies auch immer wün­schens­wert? Die­se Fra­ge stellt sich ins­be­son­de­re im Hin­blick auf jene Beru­fe, in denen nahe am Men­schen gear­bei­tet wird wie etwa in der .

Die­se steht der­zeit vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, die in abseh­ba­rer Zeit nicht unbe­dingt gerin­ger wer­den. Im Gegen­teil: der demo­gra­fi­sche Wan­del und der damit ein­her­ge­hen­de wach­sen­de Per­so­nal­not­stand ver­schär­fen die pre­kä­re Situa­ti­on zuneh­mend. Aus die­sem Grund sind gera­de für die Pfle­ge­bran­che Lösun­gen gefragt, unzäh­li­ge Bei­trä­ge gibt es schon zu dem The­ma wie die opti­miert wer­den kann. Voll­kom­men zu Recht steht hier­bei die Schaf­fung von mehr Per­so­nal und bes­se­ren Arbeits­be­din­gun­gen ganz weit oben auf der Opti­mie­rungs­lis­te. Aber auch der Ruf nach digi­ta­li­sier­ter Opti­mie­rung wird immer lau­ter. Zu ver­lo­ckend sind die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­wi­ckelt wor­den sind, als dass man die­se ein­fach nicht beach­ten könn­te. Wie unter­schied­lich jedoch die Ansät­ze sein kön­nen, die den Bereich der neu gestal­ten sol­len, ist gut an zwei Bei­spie­len fest­zu­hal­ten.

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Pflege- versus Kuschelroboter

Schon meh­re­re Unter­neh­men ent­wi­ckeln bei­spiels­wei­se soge­nann­te Pfle­gero­bo­ter. Ob man sol­che Ent­wick­lun­gen für gut oder schlecht befin­den soll­te, will hier nun in Abhän­gig­keit davon betrach­tet wer­den, mit wel­cher Inten­ti­on die­se zum Ein­satz gebracht wer­den.

So gibt es zum einen jene Robo­ter, die Pfle­ge­kräf­te dabei unter­stüt­zen sol­len, bett­le­ge­ri­sche Pati­en­ten oder Bewoh­ner aus ihren Bet­ten zu hie­ven, wie etwa der Pfle­gero­bo­ter „Robe­ar“ des For­schungs­in­sti­tu­tes Riken. Wer ein­mal sol­che Tätig­kei­ten mit sei­ner rei­nen Mus­kel­kraft aus­ge­übt hat, weiß war­um sol­che Hel­fer in Zukunft ein wah­rer Segen sein kön­nen. Zah­len der Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge (BGW) aus dem Jahr 2016 unter­stüt­zen dies: Immer­hin lagen im besag­ten Jahr 2.672 Ver­dachts­fäl­le von Wir­bel­säu­len­er­kran­kun­gen bei Pfle­ge­fach­kräf­ten vor. Dies mach­te rund ein Vier­tel der Berufs­krank­hei­ten in die­sem Sek­tor aus.

Zum ande­ren gibt es sol­che Robo­ter, die eher frag­wür­di­ge Funk­tio­nen erfül­len sol­len, wie bei­spiels­wei­se soge­nann­te „Kuschel­ro­bo­ter“ in Form von Plüsch­tie­ren, die auf Berüh­run­gen und Geräu­sche reagie­ren. Zu Tei­len kom­men sie bereits in Deutsch­land zum Ein­satz. Der Grund­ge­dan­ke dahin­ter ist klar: älte­re Men­schen und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, ins­be­son­de­re sol­che mit Demenz, brau­chen ein beson­de­res Maß an Zuwen­dung, Auf­merk­sam­keit und Nähe, das sie durch einen „Kuschel­ro­bo­ter“ bekom­men kön­nen. Die­se Attri­bu­te kön­nen im pfle­ge­ri­schen All­tag, unter ande­rem wegen des aktu­el­len Pfle­ge­not­stands, oft nicht mehr im not­wen­di­gen Umfang umge­setzt wer­den. Hier muss nun jedoch die Gefahr beach­tet wer­den, dass sol­che tech­ni­schen Mit­tel nicht mehr ledig­lich als Ergän­zung im pfle­ge­ri­schen All­tag zum Ein­satz kom­men, son­dern dass sie nach und nach fes­te pfle­ge­ri­sche Tätig­kei­ten dau­er­haft über­neh­men und es so zu weni­ger direk­tem Pati­en­ten­kon­takt kommt.

Hier stellt sich nun die Fra­ge, ob die­ser Ansatz nicht in eine fal­sche Rich­tung gehen wür­de? Denn soll­te es nicht viel mehr so sein, dass tech­ni­sche Hilfs­mit­tel den Pfle­ge­kräf­ten dabei hel­fen sol­len, mehr Zeit für den Pati­en­ten auf­wen­den zu kön­nen und nicht, dass die­se immer wei­ter vom Men­schen ent­fernt wer­den? Zwar ist der aus der tier­ge­stüt­zen The­ra­pie kom­men­de Ansatz, der hin­ter der Ent­wick­lung der „Kuschel­ro­bo­ter“ steckt, mit posi­ti­ven Gedan­ken ver­bun­den – sie sol­len einen beru­hi­gen­den Ein­fluss auf Pati­en­ten und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge haben – jedoch muss hier die grund­le­gen­de Fra­ge­stel­lung vor­an­ge­stellt wer­den, inwie­weit sol­che tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen in den All­tag inte­griert wer­den sol­len. Folgt man einem Umfra­ge­er­geb­nis des Digi­tal­ver­bands Bit­kom, dann kön­nen sich immer­hin 41 Pro­zent der Deut­schen vor­stel­len, sich zumin­dest zeit­wei­se von einem Robo­ter pfle­gen zu las­sen. Doch wel­che Spiel­ar­ten aus der sind tat­säch­lich für das Wohl des Pati­en­ten und der Pfle­gen­den ziel­füh­rend?

Ein Kom­men­tar von Micha­el Schirp, Mit­glied der Rechts­de­pe­sche-Redak­ti­on. An Ihren Mei­nun­gen zur Fra­ge „Inwie­weit kön­nen neue Tech­no­lo­gien für den Umgang mit Pati­en­ten, Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und Bewoh­nern hel­fen und wo sind die Gren­zen zu zie­hen?“ ist das Redak­ti­ons­team sehr inter­es­siert, hin­ter­las­sen Sie uns ger­ne einen Kom­men­tar.