Etwa 17 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Schichtdiensten, davon rund 3,5 Millionen Menschen in regelmäßiger Nachtarbeit
Etwa 17 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land arbei­ten in Schicht­diens­ten, davon rund 3,5 Mil­lio­nen Men­schen in regel­mä­ßi­ger Nacht­ar­beit.Katar­zy­na Bialasiewicz/Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Fakt #1 – Historisches

1918, vor genau 100 Jah­ren, wur­de in Deutsch­land der Acht­stun­den­tag ein­ge­führt, ganz nach der Devi­se „Acht Stun­den Arbeit, acht Stun­den Frei­zeit und Erho­lung und acht Stun­den Schlaf“. Die­ser Slo­gan geht auf Robert Owen zurück, ein wali­si­scher Unter­neh­mer und Sozi­al­re­for­mer. Mit Aus­nah­me von eini­gen Unter­bre­chun­gen durch diver­se Arbeits­zeit­ver­ord­nun­gen sowie von der Auf­he­bung wäh­rend der Kriegs­jah­re hat sich der Acht­stun­den­tag bis heu­te in Deutsch­land gehal­ten. Wei­te­re Mei­len­stei­ne sind die Ein­füh­rung der Fünf­ta­ge- bzw. Vier­zig­stun­den­wo­che (1956) sowie der Leber-Kom­pro­miss (1984), durch wel­chen eine fle­xi­ble­re Ver­tei­lung der Arbeits­zei­ten und Arbeits­zeit­ver­kür­zun­gen mög­lich gemacht wur­den. 1994 trat das Arbeits­zeit­ge­setz in Kraft, das bis heu­te Gül­tig­keit hat.

Fakt #2 – Das Arbeitszeitgesetz

Etwa 17 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land arbei­ten in Schicht­diens­ten, davon rund 3,5 Mil­lio­nen Men­schen in regel­mä­ßi­ger Nacht­ar­beit. 1994 ist in Deutsch­land das Arbeits­zeit­ge­setz (ArbZG) in Kraft getre­ten, das zwecks Sicher­heit und Gesund­heits­schutz für Arbeit­neh­mer ent­spre­chen­de Rege­lun­gen ent­hält, die unter ande­rem auch für Beschäf­tig­te im gel­ten. Dar­in gere­gelt sind mit­un­ter Vor­ga­ben für die täg­li­che Arbeits­zeit, für Ruhe­zei­ten und –pau­sen sowie für den Nachtdienst.

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Fakt #3 –  und Schlafen

Das Arbei­ten im Schicht­dienst for­dert vor allem unse­ren Bio­rhyth­mus bzw. unse­re „inne­re Uhr“ in beson­de­rem Maße her­aus. Wis­sen­schaft­ler gehen davon aus, dass man etwa drei Jah­re benö­tigt, um sich an die Schicht­ar­beit zu gewöh­nen – man­che For­scher sind sogar der Mei­nung, dass der Mensch sich nie­mals voll­stän­dig dar­an gewöh­nen kön­ne. Unab­hän­gig von der For­scher­mei­nung ist es aber grund­sätz­lich wich­tig, den Schicht­dienst nach bes­ten Mög­lich­kei­ten mit dem Lebens­all­tag und dem Schlafrhyth­mus zu ver­ein­ba­ren. Schließ­lich ist Müdig­keit ver­ant­wort­lich für eine man­geln­de Kon­zen­tra­ti­on und erhöht das Unfall­ri­si­ko wäh­rend der Arbeit.

Ein gesun­der Schlaf trotz Schicht­dienst gelingt, wenn man sich unter ande­rem je nach Schicht an fes­te Schlaf­zei­ten hält und eine bestimm­te Schlaf­hy­gie­ne pflegt. Auch gele­gent­li­che „Power-Naps“ vor einer Schicht kön­nen zur Stei­ge­rung der Leis­tungs­fä­hig­keit sor­gen. Zudem soll­te geprüft wer­den, ob der eige­ne Schicht­plan „schlaf­freund­lich“ gestal­tet ist und die Schicht­wech­sel von früh, auf spät zu nachts im Uhr­zei­ger­sinn stattfinden.

Fakt #4 – Schichtdienst und Ernährung

Zwar wer­den Kör­per und Geist durch einen stän­dig wech­seln­den Schicht­dienst ordent­lich aus dem Takt gebracht, den­noch soll­ten Schicht­ar­bei­ten­de gera­de in Sachen Ernäh­rung auf eine gewis­se Regel­mä­ßig­keit und Kon­trol­liert­heit ach­ten. Dabei darf man sich den eige­nen Kör­per wie eine Maschi­ne vor­stel­len, die gut geölt wer­den muss, damit sie läuft. Heißt: Um leis­tungs­fä­hig, kon­zen­triert und gestärkt durch den Arbeits­all­tag zu kom­men, muss auf eine dau­er­haft gesun­de Ernäh­rung geach­tet wer­den. Drei Grund­re­geln lau­ten, an die man sich dabei hal­ten soll­te: Zwei gesun­de Mahl­zei­ten pro Schicht – wäh­rend der Schicht und vor dem Schla­fen­ge­hen kei­ne fet­ti­gen, schwe­ren Spei­sen – immer viel Trinken.

Fakt #5 – Ein besonderer Fall vor Gericht

Im Jahr 2014 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ein wich­ti­ges Grund­satz­ur­teil für Schicht­ar­bei­ten­de getrof­fen (Az.: 10 AZR 637/13). Geklagt hat­te eine Kran­ken­pfle­ge­rin, die auf­grund ihres gesund­heit­li­chen Zustands nach 30 Jah­ren Schicht­dienst nicht mehr in der Lage war, Nacht­schich­ten zu leis­ten. Zugleich war sie aber nicht grund­sätz­lich arbeits­un­taug­lich. Daher sag­te ihr das BAG Anspruch auf eine Anstel­lung ledig­lich für Tages­schich­ten zu. Die­ses Urteil hat damit die Rech­te von Arbeit­neh­mern im Grund­satz erheb­lich gestärkt.