Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.
Internationaler Tag gegen Genitalverstümmelung.Maren Winter/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Etwa 200 Millionen Frauen weltweit sind Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge von Genitalverstümmelungen betroffen. Dr. Ulrich Clever, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK) und Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, betonte anlässlich des heutigen Tages gegen Genitalverstümmelung: „Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und hat schwerwiegende körperliche und seelische Folgen.“ Er hob weiter hervor, dass Deutsche Ärztetage mehrfach eine weltweite Ächtung und Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung gefordert hatten.

Rund 58.000 Betroffene in Deutschland

In Deutschland steht die Genitalverstümmelung unter Strafe und kann mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Da die Tat gemäß § 228 StGB gegen die „guten Sitten“ verstößt, rechtfertigt auch eine eventuelle Einwilligung der Patientin in den Eingriff nicht die Tat. Vor allem Eltern drohen erhebliche strafrechtliche Konsequenzen, je nach Tatbeitrag in den Eingriff.

Der gemeinnützige Verein Terre de Femmes schätzt, dass mehr als 58.000 Mädchen und junge Frauen von Genitalverstümmelung in Deutschland betroffen sind, etwa 13.000 sind gefährdet. Man müsse davon ausgehen, dass dieses Problem mit der wachsenden Zahl von Geflüchteten in Europa zunehme, sagte Clever.

Empfehlung für Ärzte zum Umgang mit Betroffenen

Für einen richtigen Umgang mit betroffenen und traumatisierten Frauen hat die BÄK eine „Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung“ erarbeitet. „Die anatomischen und seelischen Folgen von Genitalverstümmelung müssen bei Geburt, Operation sowie Wundversorgung medizinisch und psychotherapeutisch berücksichtigt werden“, erklärt Clever. Eine kultursensible Beratung und Anamnese sei in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ohne jedoch die Aufklärung über die Rechtslage zu vernachlässigen. Weitere Hintergrundinformationen zu dem Thema können auf der Seite der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung abgerufen werden.

Empfehlungen-zum-Umgang-mit-Patientinnen-nach-weiblicher-Genitalverstuemmelung.pdf

Quelle:

BÄK