Am Mon­tag hat das Bun­des­ka­bi­nett zwei von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) vor­ge­leg­te For­mu­lie­rungs­hil­fen für Geset­zes­ent­wür­fe zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Epi­de­mie beschlos­sen. Das „COVID-19-Kran­ken­haus­ent­las­tungs­ge­setz“ ver­folgt das Ziel, die wirt­schaft­li­chen Schä­den der Kran­ken­häu­ser und Ver­trags­ärz­te wäh­rend der Coro­na-Zeit auf­zu­fan­gen. Das „Gesetz zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“ ist hin­ge­gen all­ge­mein gehal­ten und soll die Reak­ti­ons­fä­hig­keit auf zukünf­ti­ge Epi­de­mi­en ver­bes­sern. Bei­de Geset­zes­ent­wür­fe sol­len noch in die­ser Woche von Bun­des­tag und Bun­des­rat fina­li­siert und beschlos­sen wer­den.

Unterstützung für Krankenhäuser, Pflegeheime und Personal

Beim COVID-19-Kran­ken­haus­ent­las­tungs­ge­setz han­delt es sich um ein Gesetz zum Aus­gleich der finan­zi­el­len Belas­tung der Gesund­heits­ein­rich­tun­gen, die durch das Virus ver­ur­sacht wur­den. Kern des Gan­zen ist die Unter­stüt­zung von Kran­ken­häu­sern bei der Schaf­fung von Ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten für Coro­na-Pati­en­ten. Außer­dem sol­len neben den Kran­ken­häu­sern auch Pfle­ge­ein­rich­tun­gen von Büro­kra­tie befreit und nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te vor Hono­rar­einbu­ßen geschützt wer­den.

Die wich­tigs­ten Geset­zes­in­hal­te im Über­blick:

  • Kran­ken­häu­ser bekom­men eine finan­zi­el­le Ent­schä­di­gung für OPs und Behand­lun­gen, die wegen der Unter­brin­gung von Coro­na-Pati­en­ten ver­scho­ben wer­den muss­ten. Für jedes Bett, das zwi­schen dem 16.03.2020 und dem 30.09.2020 nicht belegt ist, erhal­ten die Ein­rich­tun­gen pau­schal 560 € pro Tag. Für jedes Inten­siv­bett, was zusätz­lich geschaf­fen wird, erhal­ten die Kran­ken­häu­ser zudem einen Bonus von 50.000 €.
  • Für anfal­len­de Mehr­kos­ten, z.B. für Schutz­aus­rüs­tun­gen, erhal­ten die Kran­ken­häu­ser vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 50 € pro Pati­ent. Der Zuschuss kann auf Antrag ver­län­gert bzw. erhöht wer­den.
  • Der sog. „vor­läu­fi­ge Pfle­ge­ent­gelt­wert erhöht sich auf 185 €.
  • Die Rech­nungs­prü­fung durch den Medi­zi­ni­schen Dienst wird umfas­send gelo­ckert, der sog. „Fix­kos­ten­de­gres­si­ons­ab­schlag“ fällt 2020 aus und den Erlös­aus­glei­chen wird mehr Fle­xi­bi­li­tät ein­ge­räumt.
  • Die Liqui­di­tät der Kran­ken­häu­ser wird durch eine auf fünf Tage ver­kürz­te Zah­lungs­frist in die­sem Jahr gestärkt.
  • Zur Ent­las­tung der Kran­ken­häu­ser kön­nen unter gege­be­nen Vor­aus­set­zun­gen auch Vor­sor­ge- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen Kran­ken­haus­leis­tun­gen über­neh­men.
  • Nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te und Psy­cho­the­ra­peu­ten wer­den bei zu hoher Umsatz­min­de­rung durch Aus­gleichs­zah­lun­gen und ange­pass­ten Hono­rar­ver­tei­lun­gen geschützt.
  • Kran­ken­kas­sen erstat­ten die Kos­ten für die Finan­zie­rung von außer­or­dent­li­chen Maß­nah­men der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen.
  • Pfle­ge­ein­rich­tun­gen bekom­men die durch die Pan­de­mie anfal­len­den Mehr­kos­ten oder Min­der­ein­nah­men durch die Pfle­ge­ver­si­che­rung erstat­tet. Qua­li­täts­prü­fun­gen, Begut­ach­tun­gen und Bera­tungs­be­su­che der sta­tio­nä­ren und ambu­lan­ten Pfle­ge fal­len erst ein­mal aus.
  • Zur Auf­recht­erhal­tung der Ver­sor­gung kann von den gesetzlichen/vertraglichen Anfor­de­run­gen zur Per­so­nal­aus­stat­tung abge­se­hen wer­den. Pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gungs­lü­cken in der häus­li­chen Ver­sor­gung sol­len ver­mie­den wer­den.
  • Aus­zu­bil­den­de, die sich zur Ent­las­tung des Gesund­heits­sys­tems enga­gie­ren, erhal­ten kei­nen Nach­teil beim Bezug von BAföG.
  • Die Finan­zie­rung und anfal­len­de Mehr­aus­ga­ben erfol­gen aus der Liqui­di­täts­re­ser­ve des Gesund­heits­fonds.

Das Gesetz bedarf kei­ner Zustim­mung des Bun­des­ra­tes. Es soll heu­te (Stand: Mitt­woch, 25.03.2020) vom Bun­des­tag beschlos­sen wer­den und sofort in Kraft tre­ten.

Besser reagieren auf zukünftige Epidemien

Neben dem Maß­nah­men­pa­ket gegen die Coro­na-Pan­de­mie wird über einen zwei­ten Geset­zes­ent­wurf bera­ten. Mit dem „Gesetz zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“ soll der Bund in einer epi­de­mi­schen Situa­ti­on für einen befris­te­ten Zeit­raum zusätz­li­che Kom­pe­ten­zen erhal­ten, um schnell und effek­tiv han­deln zu kön­nen. Eine „epi­de­mi­sche Lage von natio­na­ler Trag­wei­te“ ist dann erreicht, wenn die WHO eine Pan­de­mie aus­ruft und die Ein­schlep­pung sowie die bun­des­län­der­über­grei­fen­de Aus­brei­tung einer bedroh­lich über­trag­ba­ren Krank­heit droht. Die Bun­des­re­gie­rung hat das Recht, eine sol­che Situa­ti­on zu erklä­ren. Bun­des­tag und Bun­des­rat erhal­ten den Anspruch, die Auf­he­bung der Fest­stel­lung zu ver­lan­gen.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit wird bemäch­tigt, Vor­keh­run­gen zum Schutz der Bevöl­ke­rung zu tref­fen und die Gesund­heits­ver­sor­gung zu sichern. Dazu zäh­len:

  • Vor­schrif­ten für den grenz­über­schrei­ten­den Bus- und Bahn­ver­kehr.
  • Mel­de- und Unter­su­chungs­pflich­ten.
  • Regeln, die nor­ma­ler­wei­se durch die Selbst­ver­wal­tungs­part­ner getrof­fen wer­den.
  • Maß­nah­men zur Sicher­stel­lung von Arze­n­imit­teln, Schutz­aus­rüs­tung und Labor­dia­gnos­tik.
  • Fle­xi­bi­li­sie­rung der Vor­schrif­ten medi­zi­ni­scher und pfle­ge­ri­scher Ein­rich­tun­gen.
  • Finan­zi­el­le Ent­schä­di­gun­gen (max. 2016 €) für Eltern, deren Kin­der auf­grund von Schul- und Kita­schlie­ßun­gen zuhau­se ver­sorgt wer­den müs­sen.
  • Aus­nah­men gel­ten für das Bau­recht, um kurz­fris­tig medi­zi­ni­sche Ein­rich­tun­gen errich­ten zu kön­nen.

Das Gesetz bedarf der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes.

Eine detail­lier­te Fas­sung bei­der Geset­zes­ent­wür­fe ist über das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um abruf­bar.