Im Vorstellungsgespräch muss man sich nicht vor jeder Frage fürchten, denn bestimmte Fragen sind gar nicht erst zulässig.
Nicht vor jeder Fra­ge eines bevor­ste­hen­den Vor­stel­lungs­ge­sprä­ches muss man sich fürch­ten, denn bestimm­te Fra­gen sind gar nicht erst zuläs­sig.Pho­to 135726755 © Pho­to­gra­pher­lon­don – Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Am Ende eines jeden Bewer­bungs­ver­fah­rens steht das Vor­stel­lungs­ge­spräch. Was für man­che ein Klacks ist, stellt ande­re Bewer­ber jedoch vor gro­ße Pro­ble­me. Unsi­cher­heit und tücki­sche Fra­gen des zukünf­ti­gen Arbeit­ge­bers machen die Situa­ti­on häu­fig schwe­rer, als sie eigent­lich sein soll­te.

Das darf ich meinen Bewerber fragen

Grund­sätz­lich gilt für den Bewer­ber, alle Fra­gen des Arbeit­ge­bers wahr­heits­ge­mäß zu beant­wor­ten. Dies betrifft alle Aus­künf­te, die unmit­tel­bar im Zusam­men­hang mit dem künf­ti­gen Arbeits­platz ste­hen. Andern­falls kann es im spä­te­ren Beruf zu einer Anfech­tung des Arbeits­ver­trags oder zu einem erheb­li­chen Ver­trau­ens­bruch kom­men. Zuläs­sig sind bei­spiels­wei­se Fra­gen nach den per­sön­li­chen Fähig­kei­ten und Qua­li­fi­ka­tio­nen des Bewer­bers, nach der Berufs­er­fah­rung, sowie nach den Stär­ken und Schwä­chen des zukünf­ti­gen Mit­ar­bei­ters.

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Eben­falls unein­ge­schränkt zuläs­sig sind Fra­gen nach der Staats­an­ge­hö­rig­keit, nach wei­te­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen und nach Wett­be­werbs­ver­bo­ten. In der ambu­lan­ten Pfle­ge ist auch die Fra­ge nach der Fahr­erlaub­nis zuläs­sig.

Das sind die No-Go-Fragen in einem Vorstellungsgespräch

Es gibt eine Rei­he von The­men, die in einem Vor­stel­lungs­ge­spräch tabu sind. Ver­bo­ten sind im Sin­ne der Gleich­be­hand­lung Fra­gen nach …

  • (sie­he dazu § 3 Abs. 1 Satz 2 AGG) und künf­ti­ger Fami­li­en­pla­nung (Heirat/Kinder)
  • … sexu­el­ler Ori­en­tie­rung
  • … Beru­fen von Fami­li­en­mit­glie­dern
  • … poli­ti­scher Prä­fe­renz, Par­tei­an­ge­hö­rig­keit oder Gewerk­schafts­mit­glied­schaft
  • … lau­fen­den Ermitt­lungs­ver­fah­ren
  • … ver­gan­ge­nen Krank­hei­ten, OP’s oder Alko­hol­pro­ble­men

Eben­falls ver­bo­ten, aber in Aus­nah­me­fäl­len erlaubt, sind Fra­gen bezüg­lich:

Achtung Sonderfall: Diese Themen sind tabu, aber trotzdem manchmal relevant

Die Fra­ge nach anste­cken­den Krank­hei­ten ist grund­sätz­lich ver­bo­ten. Aller­dings gilt hier eine Aus­nah­me, wenn die Krank­heit des Bewer­bers mit dem Beruf tan­giert. So darf sich ein Arbeit­ge­ber eines Kran­ken­hau­ses oder Pfle­ge­heims über eine anste­cken­de Krank­heit des Arbeit­neh­mers (z.B. HIV) infor­mie­ren. Zuläs­sig ist auch die Fra­ge, ob in abseh­ba­rer Zeit mit einer län­ge­ren Arbeits­un­fä­hig­keit gerech­net wer­den muss, zuläs­sig, z.B. wegen anste­hen­der Ope­ra­tio­nen.

Ähn­lich ver­hält es sich mit Behin­de­run­gen des Arbeit­neh­mers. Tan­giert die die beruf­li­che Tätig­keit, so soll­te dies nicht unaus­ge­spro­chen blei­ben. Für Men­schen mit einer schwe­ren gel­ten aller­dings auch Son­der­re­geln im Bewer­bungs­gang, mehr zu die­sem The­ma kann hier nach­ge­le­sen wer­den.

Die Fra­ge nach dem Alter des Bewer­bers ist im Sin­ne von § 10 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes dann erlaubt, „wenn sie objek­tiv und ange­mes­sen und durch ein legi­ti­mes Ziel gerecht­fer­tigt ist.“ Dazu zäh­len u.a. die Bezah­lung, die Arbeits­zeit und das Min­dest- bzw. Höchst­al­ter als Ein­stel­lungs­kri­te­ri­um.

Wich­tig: Unzu­läs­si­ge Fra­gen muss der Bewer­ber nicht beant­wor­ten. Schwei­gen, oder sogar eine Lüge sind hier erlaubt. Daher ist es im Sin­ne des Arbeit­ge­bers, sol­che Fra­gen zu umge­hen bzw. sie nur im Fal­le von hoher Rele­vanz zu stel­len. In weni­gen Fäl­len kön­nen sol­che Fra­gen auch zu Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen füh­ren, wenn z.B. die Gleich­be­hand­lung der Bewer­ber durch ent­spre­chen­de Fra­gen ver­letzt wird. Gene­rell hat sich der Arbeit­ge­ber an das All­ge­mei­ne Gesetz der Gleich­be­hand­lung (§1 AGG) zu hal­ten.