Die persönliche Wäsche von Pflegeheimbewohnern als potenzielles Hygienerisiko.
Die per­sön­li­che Wäsche von Pfle­ge­heim­be­woh­nern als poten­zi­el­les Hygie­ne­ri­si­ko.© DTV

Der Umgang mit der per­sön­li­chen Beklei­dung der Bewoh­ner von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, also etwa Nacht­wä­sche, Unter­wä­sche und Ober­be­klei­dung, ist für die Pfle­gen­den und zu Pfle­gen­den ein sen­si­bles The­ma. Die­se per­sön­li­chen Wäsche­stü­cke kön­nen ein poten­zi­el­les Hygie­ne­ri­si­ko dar­stel­len, wenn sie stark ver­schmutzt sind, aber nicht gesi­chert hygie­nisch auf­be­rei­tet wer­den. In den Ein­rich­tun­gen erhält jeder Bewoh­ner in der Regel sei­nen per­sön­li­chen Wäsche­sack, in dem er sei­ne eige­ne Beklei­dung sam­melt. Doch was pas­siert mit die­ser per­sön­li­chen Wäsche und wie soll­te sie auf­be­rei­tet wer­den?

Infektionsrisiko der Bewohnerwäsche bleibt oft unerkannt

Das Robert-Koch-Insti­tut emp­fahl im Jahr 2005 bei der bewoh­ner­ei­ge­nen Wäsche aus Alten- und Pfle­ge­hei­men nur dann eine Auf­be­rei­tung mit des­in­fi­zie­ren­den Wasch­ver­fah­ren, wenn ein Infek­ti­ons­ri­si­ko vor­liegt, also bei­spiels­wei­se eine Virus­er­kran­kung in der Ein­rich­tung bekannt ist. Anders als in Kran­ken­häu­sern und Kli­ni­ken gibt es in vie­len Pfle­ge­hei­men aller­dings oft kei­ne Hygie­ne­fach­kräf­te direkt vor Ort, die die Infek­ti­ons­ri­si­ken sofort erken­nen und ein­schät­zen kön­nen. Dies bedeu­tet oft, dass die­se Wäsche zunächst ein­mal als nicht infek­ti­ons­ver­däch­tig ein­ge­stuft wird.

Erstaun­li­cher­wei­se ist die Bear­bei­tung der per­sön­li­chen Beklei­dung von Bewoh­nern also bis­her eine Grau­zo­ne. Bei­spiels­wei­se ist nicht ver­ständ­lich, dass die Bett­wä­sche wegen eines poten­zi­el­len Infek­ti­ons­ri­si­kos einer­seits des­in­fi­zie­rend bear­bei­tet wer­den muss, die per­sön­li­che Nacht­wä­sche oder Hand­tü­cher des­sel­ben Bewoh­ners aus Infek­ti­ons­sicht aber wie pri­va­te Wäsche behan­delt wer­den soll­ten – also nicht des­in­fi­zie­rend bear­bei­tet wer­den müs­sen. MRSA-Viren oder Noro­vi­ren kön­nen aber an allen Tex­ti­li­en anhaf­ten, ins­be­son­de­re wenn sie mit Kör­per­flüs­sig­kei­ten ver­schmutzt sind.

Infektionskette kann nur durch desinfizierendes Verfahren durchbrochen werden

Bei vie­len Infek­ti­ons­krank­hei­ten wird der Pfle­ge­ein­rich­tung erst bei Aus­bruch bekannt, dass ein oder meh­re­re Bewoh­ner infi­ziert sind. Wenn deren Wäsche nach der Infek­ti­on, aber vor dem Aus­bruch der Krank­heit in den Wäsche­kreis­lauf gerät und zusam­men mit der Wäsche ande­rer Bewoh­ner nicht des­in­fi­zie­rend in nor­ma­len Haus­halts­wasch­ma­schi­nen bear­bei­tet wird, ist das Risi­ko einer wei­te­ren Ver­brei­tung der Infek­ti­on über die Tex­ti­li­en hoch. Eine mög­li­che Infek­ti­ons­ket­te wird also nur durch ein wirk­sam des­in­fi­zie­ren­des Ver­fah­ren unter­bro­chen.

Die öffent­li­che Prüf­stel­le für das Tex­til­we­sen der Hoch­schu­le Mön­chen­glad­bach emp­fiehlt daher: Falls die hei­min­ter­ne Sor­tie­rung der Wäsche hin­sicht­lich des Infek­ti­ons­ri­si­kos nicht ange­mes­sen durch­ge­führt wird, soll­te die Kon­se­quenz für die Wäsche­rei­mit­ar­bei­ter sein, dass die gesam­te anfal­len­de Wäsche die­ser Insti­tu­ti­on als infek­ti­ons­ver­däch­tig ange­se­hen wird.

Zum der Bewoh­ner und auch des Per­so­nals ist daher immer ein des­in­fi­zie­ren­des Wasch­ver­fah­ren zu emp­feh­len. Denn gera­de unter älte­ren Men­schen in Pfle­ge­hei­men befin­den sich oft sol­che mit einer ange­schla­ge­nen gesund­heit­li­chen Kon­sti­tu­ti­on. Für sie ist die Tex­til­hy­gie­ne also von ganz beson­de­rer Bedeu­tung. Denn in allen Arten von Tex­ti­li­en kön­nen Mikro­or­ga­nis­men über­le­ben und wer­den erst durch des­in­fi­zie­ren­de Ver­fah­ren abge­tö­tet.

Einrichtungen sind gefragt: Aufklärung über geeignete Wäsche für desinfizierendes Verfahren

Bei der Bear­bei­tung soll­ten die glei­chen Anfor­de­run­gen ein­ge­hal­ten wer­den, wie bei­spiels­wei­se bei Wäsche aus Kran­ken­häu­sern und der Bett­wä­sche aus den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen. Ein­rich­tun­gen kön­nen hier­zu exter­ne, zer­ti­fi­zier­te Dienst­leis­ter beauf­tra­gen oder auch in der eige­nen Wäsche­rei kon­ti­nu­ier­lich über­wa­chen, ob die per­sön­li­che Wäsche ihrer Bewoh­ner des­in­fi­zie­rend auf­be­rei­tet wird.

Für die Bewoh­ner der Ein­rich­tung und ihre Ange­hö­ri­gen ist es oft schwer nach­voll­zieh­bar, dass die eige­nen pri­va­ten Wäsche­tei­le bei den Wasch­pro­zes­sen nur bedingt des­in­fi­zie­rend wasch­bar sind. Die Pfle­ge­ein­rich­tun­gen soll­ten also dar­auf ach­ten, dass die Bewoh­ner Beklei­dung ver­wen­den, die für die des­in­fi­zie­ren­den Ver­fah­ren – also auch für höhe­re Wasch­tem­pe­ra­tu­ren, die Mecha­nik und die des­in­fi­zie­ren­den Wasch­mit­tel – geeig­net ist. Hier sind die Ein­rich­tun­gen gefragt, die Bewoh­ner und ihre Ange­hö­ri­gen über die Zusam­men­hän­ge zwi­schen Beklei­dung und Wasch­bar­keit auf­zu­klä­ren. Schu­lungs­ma­te­ri­al dazu stellt bei­spiels­wei­se die Güte­ge­mein­schaft für sach­ge­mä­ße Wäsche­pfle­ge bereit.