der Ärzteatlas der AOK: Deutschland auf Platz 5 im internationalen Vergleich
Münchner Kliniken machen gemeinsame Sache – zusammen wollen sie eine Lösung für den Pflegepersonalmangel finden.Tyler Olson/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Im Bemühen, auf einem fast leer gefegten Markt Pflegekräfte und Hebammen für die stationäre Arbeit zu finden, gehen die Krankenhäuser in München einen unkonventionellen Weg: Alle 41 Kliniken der bayerischen Landeshauptstadt – ob städtisch, kirchlich oder privat – sollen einen runden Tisch gründen und gemeinsam um Pflegende werben, anstatt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen und Kräfte abzujagen. Das neue Gremium wird bald seine Arbeit aufnehmen. Das berichten die Süddeutsche Zeitung, die Münchner tz und der Merkur unisono.

Stadt will Situation in der Pflege analysieren

An jenem Runden Tisch sollen alle Münchner Pflegedirektoren und die Leitungen der Pflegeschulen teilnehmen. Die Initiative ist als Plattform für Austausch und Vernetzung gedacht. Geplant ist, sie dreimal im Jahr zusammenkommen zu lassen. Die Idee hierzu hatte die CSU im Münchner Rathaus. Für 2017 gibt die Stadt zudem einmalig 100.000 Euro frei, um die Lage der Pflege in München zu sondieren.

Außer einer gemeinsamen Personalstrategie soll der Runde Tisch auch helfen, bessere Rahmenbedingungen – Stichwort Wohnen und Kita-Plätze – für Bewerber durchzusetzen, um mehr Pflegekräfte nach München zu holen. „Den Fachkräftemangel wollen wir mit Nachwuchs- und Personalgewinnung durch aktive Pressearbeit für das Berufsfeld lindern. Außerdem muss die Stadt für potentielle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktive Angebote rund um die Themen Wohnen und Kinderbetreuung machen“, erläutert Prof. Dr. Hans Theiss, CSU-Stadtrat und Oberarzt an der Münchner Uniklinik. „Der runde Tisch ist erst der Einstieg in ein komplexes Thema. Mir ist wichtig, dass die Kliniken nun miteinander reden und sich nicht auf dem Arbeitsmarkt gegenseitig die Kräfte streitig machen„, so Jacobs.

Boomendes München braucht dringend Pflegekräfte

Derzeit arbeiten mehr als 10.000 Pflegekräfte und Hebammen in Münchner Krankenhäusern. Es würden jedoch noch mehr gebraucht, auch steigt die Nachfrage. Der Grund ist neben der allgemein alternden Bevölkerung auch der enorme Zustrom nach München: So stieg die Einwohnerzahl seit 2005 um 18 Prozent, bis 2030 rechnet die Stadt mit weiteren knapp 15 Prozent Wachstum. Dann sollen 1,7 Millionen Menschen an der Isar leben.

München ist jedoch gleichzeitig für seine hohen Lebenshaltungs- und insbesonders Wohnkosten bekannt. Die durchschnittlichen Mieten sind die höchsten in Deutschland. Das macht es für Pflegende schwer, sich mit ihren Gehältern die Stadt wirtschaftlich leisten zu können. Zuletzt mussten die städtischen Kliniken sogar Leihpersonal anheuern.

Quellen: sz.de, tz.de, merkur.de, CSU-Fraktion München