Es gibt einen Zusammhang zwischen Volkskrankheiten und Körpergröße
Auf die Grö­ße kommt es an – zumin­dest beim Bas­ket­ball und bei ver­schie­de­nen Volks­krank­hei­ten.

Gro­ße Men­schen haben zwar ein ernied­rig­tes Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Typ-2-Dia­be­tes, aber ein höhe­res Risi­ko für . Eine kalo­rien­rei­che Ernäh­rung mit einem erhöh­ten Anteil an Milch und Milch­pro­duk­ten in schnel­len Wachs­tums­pha­sen, wie z.B. in der Schwan­ger­schaft, ist wahr­schein­lich für das welt­weit zuneh­men­de Grö­ßen­wachs­tum und sei­ne Zusam­men­hän­ge mit die­sen Erkran­kun­gen ver­ant­wort­lich.

Die ist weit­ge­hend gene­tisch fest­ge­legt, den­noch beob­ach­tet man in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten welt­weit eine ste­te Zunah­me bei Kin­dern und Erwach­se­nen: Die Kin­der sind im Erwach­se­nen­al­ter fast immer deut­lich grö­ßer als ihre Eltern. Die größ­te Zunah­me der über die letz­ten Jahr­zehn­te fin­det man in den Nie­der­lan­den. Hol­län­di­sche Män­ner sind mitt­ler­wei­le 20 cm grö­ßer als sie es vor 150 Jah­ren waren. Inter­es­san­ter­wei­se ist in den Nie­der­lan­den auch der Pro-Kopf-Kon­sum von Milch und Milch­pro­duk­ten welt­weit am höchs­ten. Die­se Beob­ach­tun­gen nah­men die Wis­sen­schaft­ler zum Anlass, die Ursa­chen und medi­zi­ni­schen Aus­wir­kun­gen die­ser Zunah­me im Grö­ßen­wachs­tum zu ana­ly­sie­ren.

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Ein Überangebot an tierischem Eiweiß

Die Unter­su­chung zeigt, dass die einen wich­ti­gen Ein­fluss auf die Sterb­lich­keits­ra­te bestimm­ter Volks­krank­hei­ten hat, und zwar unab­hän­gig von Kör­per­fett­mas­se und ande­ren modu­lie­ren­den Fak­to­ren. Bis­he­ri­ge Stu­di­en bele­gen anschau­lich, dass gro­ße im Ver­gleich zu klei­nen Men­schen ein ernied­rig­tes Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Typ-2-Dia­be­tes haben, aber ein erhöh­tes Risi­ko haben, an zu erkran­ken. „Epi­de­mio­lo­gi­sche Daten zei­gen, dass pro 6,5 cm Kör­per­grö­ße das Risi­ko für kar­dio­vasku­lä­re Sterb­lich­keit um 6 Pro­zent sinkt, dafür aber die Krebs­mor­ta­li­tät um 4 Pro­zent steigt“, erläu­tert Prof. Mat­thi­as Schul­ze vom Deut­schen Insti­tut für Ernäh­rungs­for­schung in Pots­dam (DIfE).

Die Autoren gehen davon aus, dass eine zuneh­men­de Kör­per­grö­ße Aus­druck eines Über­an­ge­bots von hoch­ka­lo­ri­scher Nah­rung reich an tie­ri­schem Eiweiß in ver­schie­de­nen Sta­di­en des Wachs­tums ist. Dadurch könn­te bereits im Mut­ter­leib eine lebens­lan­ge Pro­gram­mie­rung statt­fin­den, die bis­lang vor allem für das insu­lin like growth fac­tor 1 und 2 sowie das IGF‑1/2‑System belegt wer­den konn­te. Eine Akti­vie­rung die­ses Sys­tems führt u.a. dazu, dass der Kör­per emp­find­li­cher wird für die Wir­kung des Insu­lins und, dass der Fett­stoff­wech­sel güns­tig beein­flusst wird. „Ent­spre­chend zei­gen unse­re neu­en Daten, dass gro­ße Men­schen insu­lin­emp­find­li­cher sind und einen gerin­ge­ren Fett­ge­halt in der Leber haben, was ihr nied­ri­ges Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Typ-2-Dia­be­tes mit erklä­ren kann“, schluss­fol­gert Prof. Nor­bert Ste­fan von der Medi­zi­ni­schen Kli­nik IV in Tübin­gen.

Ärzte sollten für das Thema Größe sensibilisiert werden

Die­se Erkennt­nis­se pas­sen zu publi­zier­ten Daten, die nahe­le­gen, dass gro­ße Men­schen einen rela­ti­ven Schutz vor Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen haben. Aber gera­de die­se Akti­vie­rung des IGF‑1/2‑System und ande­rer Signal­we­ge könn­te zu einem erhöh­ten Risi­ko für bestimm­te Krebsarten,vor allem Brust­krebs, Dick­darm­krebs, schwar­zer Haut­krebs, füh­ren, indem das Zell­wachs­tum dau­er­haft geför­dert wird ver­mu­ten die Autoren. Es resul­tie­ren somit zwar posi­ti­ve Aus­wir­kung für die Ent­ste­hung von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Typ-2-Dia­be­tes, aber nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen für die Ent­ste­hung von Krebs.

Die Wis­sen­schaft­ler plä­die­ren dafür, den Fak­tor Grö­ßen­wachs­tum und Kör­per­grö­ße mehr als bis­lang bei der Prä­ven­ti­on der genann­ten Volks­krank­hei­ten ein­zu­be­zie­hen. Dies­be­züg­lich soll­ten Ärz­te beson­ders dafür sen­si­bi­li­siert wer­den, dass gro­ße Men­schen, obwohl sie weni­ger häu­fig mit Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen oder Typ-2-Dia­be­tes auf­fal­len, ein erhöh­tes Risi­ko für Krebs­krank­hei­ten haben. Schließ­lich kommt der Ernäh­rung, vor allem in der Schwan­ger­schaft und im Kin­des- und Jugend­al­ter, eine bis­lang unter­schätz­te Bedeu­tung zu.