Krebsprävention.
Nach Meinung der Forscher werden Krebspräventionsmaßnahmen zu wenig genutzt.Katarzyna Bialasiewicz/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Ob sich Menschen an die Empfehlungen zur Krebsprävention halten oder nicht, macht einen gewaltigen Unterschied: Um bis zu 45 Prozent ließe sich die Rate der Krebserkrankungen durch konsequente Prävention senken. Dies ermittelten US-Forscher kürzlich bei der Zusammenfassung mehrerer großer epidemiologischer Studien. Zugleich schütze ein „krebsgesunder“ Lebensstil auch vor anderen schweren Krankheiten, insbesondere vor Herz-Kreislauferkrankungen.

„Wir müssen das enorme Potential der Krebsprävention noch viel besser ausschöpfen“, sagt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). „Denn schließlich ist die beste Krebstherapie, die Entstehung von Krebs zu verhindern, oder Methoden zu entwickeln, Krebserkrankungen so früh zu erkennen, dass sie mit sehr gutem Erfolg mit den heutigen Methoden behandelt werden können.“ Auf einer zweitägigen Konferenz Mitte Februar tagen im Deutschen Krebsforschungszentrum international ausgewiesene Experten aus allen Gebieten der Krebsprävention. Ziel der Forscher ist, gemeinsam Strategien zu entwickeln, um dieses enorme Potential in Zukunft besser auszuschöpfen. Bisher werde diesem wichtigen Forschungsfeld allerdings wenig Aufmerksamkeit geschenkt, sagt Baumann.

Politik und Bildungseinrichtungen müssen Krebsprävention fördern

Um Krebsentstehung zu vermeiden, sind die Maßnahmen der Primärprävention am bekanntesten: Tabak und Alkohol meiden, körperlich aktiv sein, Gemüse dem roten Fleisch vorziehen, Impfungen wahrnehmen. Als Sekundärprävention gelten Vorsorgeuntersuchungen, die Krebsvorstufen in einem heilbaren Stadium aufspüren. Doch diese individuellen Initiativen reichen nicht aus, um die Prävention in die breite Bevölkerung zu tragen, führt Ernest Hawk vom MD Anderson Cancer Center in Houston in seinem Eröffnungsvortrag aus. Um insbesondere die benachteiligten Gruppen zu erreichen, müssen Politik und Bildungseinrichtungen unterstützende Angebote und Programme liefern.

Diese und weitere Präventionsmaßnahmen werden auf der Konferenz vorgestellt und diskutiert. Darunter zum Beispiel die Situation, wenn Krebs in der Familie liegt. Dann können spezielle Präventionsmaßnahmen zu Diskussion stehen. Liegt gar eine Mutation der „Brustkrebsgene” BRCA 1 oder BRCA 2 vor, so ist der radikalste Weg, das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren, die chirurgische Entfernung beider Brüste und der Eierstöcke. Dies ist für Frauen eine fast unzumutbare Entscheidung, erst recht, wenn das genetische Risiko möglicherweise gar nicht stark ausgeprägt ist. Judy Garber, Dana Faber vom Cancer Institute Boston, stellt eine Vielzahl von Studien vor, die alternative Ansätze zur Reduktion des Brust- und Eierstockkrebsrisikos von Frauen mit genetischer Prädisposition prüfen. Dazu zählt der Einsatz von Impfungen oder verschiedenen Wirkstoffen gegen krebstreibende Genprodukte.

Krebsprävention der Zukunft

Zum Abschluss der Tagung entwickelt Hermann Brenner vom DKFZ, am Beispiel Darmkrebs ein integriertes Modell für die Krebsprävention der Zukunft: Was ließe sich erreichen, würden alle Maßnahmen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention, also Vorbeugung, Früherkennung und Rückfallprophylaxe, konsequent umgesetzt? Der Präventionsexperte setzt sich dafür ein, dass diese integrierte Strategie auch in die breite Gesundheits- und Patientenversorgung Eingang findet.

Quelle:

idw