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MDI-Fachexperten zum Thema Ulcus cruris
(v.l.n.r.) Prof. Dr. Knut Krü­ger, Kers­tin Protz, PD Dr. Ste­pha­nie Reich-Schup­ke, Prof. Dr. Joa­chim Dis­se­mond, Dr. Dr. Peter Schlü­ter, Prof. Dr. Eber­hard Rabe.MDI

Der IWC 2016 leg­te eine Schwer­punkt auf die viel­fäl­ti­gen Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten von Men­schen mit chro­ni­schen Wun­den. Die Exper­ten­grup­pe des MDI beleuch­te­te ent­spre­chend das Ulcus cru­ris, auch land­läu­fig als „offe­nes Bein“ bekannt.

Ein­gangs stell­te PD Dr. Ste­pha­nie Reich-Schup­ke in einem Über­blick ver­schie­de­ne For­men von Venen­lei­den vor. Die­se Erkran­kun­gen sind gekenn­zeich­net durch ein Schwe­re­ge­fühl in den Bei­nen, Waden­krämp­fe und Schwel­lun­gen. Hin­zu kom­men Juck­reiz und Ekze­me bis hin zum soge­nann­ten offe­nen Bein. Nach Ansicht der Bochu­mer Der­ma­to­lo­gin soll­ten Venen­lei­den stär­ker in den Fokus gerückt und als Erkran­kung begrif­fen wer­den. Hier­zu gehört, dass auch Krampf­adern auf­merk­sam beob­ach­tet wer­den und der Behand­ler min­des­tens eine sym­pto­ma­ti­sche The­ra­pie in Erwä­gung zieht, damit sich aus zunächst harm­los erschei­nen­den Besen­rei­sern nicht unbe­ob­ach­tet ein aus­ge­präg­tes Venen­lei­den ent­wi­ckelt. Bereits in jun­gen Jah­ren kann bei­spiels­wei­se eine Throm­bo­se erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf den Betrof­fe­nen haben, wobei deren Risi­ko nicht ver­läss­lich ein­zu­schät­zen ist.

Zur Dia­gno­se des posthrom­bo­ti­schen Syn­droms, das im Zuge einer tie­fen Bein­ven­en­throm­bo­se ent­ste­hen kann, gebe es der­zeit kei­nen „Gold­stan­dard“, erläu­ter­te Prof. Dr. Eber­hard Rabe im Anschluss. Auf­grund der Zer­stö­rung der Venen­klap­pen kommt es hier­bei zu einem Rück­fluss in den Bein­ve­ne­nen. Die­ses Krank­heits­bild äußert sich daher für den Pati­en­ten in schwe­ren, schmer­zen­den Bei­nen, die sich geschwol­len anfüh­len. Hin­zu kom­men Haut­ver­än­de­run­gen bis hin zur Aus­bil­dung eines Ulcus cru­ris veno­sum. Wesent­lich für des­sen ursäch­li­che Behand­lung sei die Aus­schal­tung ober­fläch­li­cher Reflu­xe, so Rabe, zudem gel­te es, gän­gi­ge Risi­ko­fak­to­ren zu min­dern. Hin­zu kom­me eine wirk­sa­me Sekun­där­pro­phy­la­xe und die Behand­lung der tie­fen Bein­ven­en­throm­bo­se sowie aus­rei­chend Bewe­gung und eine sach­ge­mä­ße Kom­pres­si­ons­the­ra­pie.

Die Kom­pres­si­ons­the­ra­pie ist in jeder Pha­se der Behand­lung des Ulcus cru­ris veno­um ange­bracht, ergänz­te Prof. Dr. Joa­chim Dis­se­mond. Der Esse­ner Der­ma­to­lo­ge berich­te­te von den grund­le­gen­den The­ra­pie­prin­zi­pi­en bei die­sem weit ver­brei­te­ten Krank­heits­bild. Hier­bei defi­nier­te er die Kom­pres­si­ons­the­ra­pie als wesent­li­che Säu­le. Hin­zu kommt die adäqua­te Wund­be­hand­lung, ergänzt durch Säu­be­rung und Rei­ni­gung – gemäß dem Mot­to „so viel wie nötig, so wenig wie mög­lich“. Der­zeit bie­ten über 50 Fir­men über 1.000 Wund­auf­la­gen an, doch man benö­tigt nicht die kom­plet­te Band­brei­te, um eine kom­pe­ten­te Wund­ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten, so Dis­se­mond. Die Wund­auf­la­gen sind immer indi­vi­du­ell an den Wund­zu­stand und die Bedürf­nis­se des Betrof­fe­nen anzu­pas­sen.

Die Grund­la­ge der Abhei­lung eines Ulcus cru­ris sei die Kom­pres­si­ons­the­ra­pie bestä­tig­te Prof. Dr. Knut Krö­ger. Aller­dings wird oft beob­ach­tet, dass Pati­en­ten ihre Kom­pres­si­ons­strümp­fe nicht mehr tra­gen, wenn die Wun­de abge­heilt ist. Hier­durch steigt das Risi­ko, dass sich eine erneu­te Wun­de ent­wi­ckelt, also ein soge­nann­tes Rezi­div ent­steht. Es gilt daher, auf Sei­ten der Betrof­fe­nen ein Bewusst­sein für die Rezi­di­vpro­phy­la­xe zu schaf­fen, so der Kre­fel­der Angio­lo­ge. Hin­zu kommt die Not­wen­dig­keit, den Pati­en­ten über sei­ne Mög­lich­kei­ten, sich bei der Pro­phy­la­xe mit ein­zu­brin­gen, auf­zu­klä­ren. Grund­sätz­lich soll­te die Wie­der­ent­ste­hung eines jeden Ulcus ver­meid­bar sein, so Krö­ger. Hier­für sei es – neben der aus­rei­chen­den Auf­klä­rung und Mit­ein­bin­dung der Betrof­fe­nen not­wen­dig, den Ver­sor­gern ent­spre­chen­des Know-how und Behand­lungs­stra­te­gi­en an die Hand zu geben, den Pati­en­ten beim Selbst­ma­nage­ment anzu­lei­ten und zu unter­stüt­zen.

Auch auf den Erfolg der Kom­pres­si­ons­the­ra­pie kann der Infor­ma­ti­ons­stand der Betrof­fe­nen erheb­li­che Aus­wir­kun­gen haben, so Kers­tin Protz, Pro­jekt­ma­na­ge­rin Wund­for­schung am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Eppen­dorf. Die Ham­bur­ger Fach­au­torin stell­te den aktu­el­len Ver­sor­gungs­stand und den Infor­ma­ti­ons­grad von Men­schen dar, die in Deutsch­land mit einer Kom­pres­si­ons­the­ra­pie behan­delt wer­den. Hier­bei zei­gen sich einer­seits erheb­li­che Defi­zi­te bei der Behand­lung die­ser Pati­en­ten aber auch Ver­bes­se­rungs­be­darf hin­sicht­lich der Kennt­nis­se der Pati­en­ten über ihre eige­ne Ver­sor­gung, ihre Haut­pfle­ge und Venen­sport. Bei­spiels­wei­se bestehen Unsi­cher­hei­ten, wie das Bin­den­ma­te­ri­al oder die Kom­pres­si­ons­strümp­fe zu waschen sind und wel­che Art des Trock­nens das Mate­ri­al am bes­ten schont. Durch sach­ge­rech­ten Umgang, so Protz, kön­nen Betrof­fe­ne dazu bei­tra­gen, dass die Mate­ria­li­en ihre Wir­kung mög­lichst lan­ge erhal­ten und somit die The­ra­pie effi­zi­ent durch­ge­führt wer­den kann. Ins­ge­samt besteht bei der Kom­pres­si­ons­ver­sor­gung von Men­schen mit Ulcus cru­ris veno­sum der­zeit noch viel Ver­bes­se­rungs­be­darf, so Protz.

Der mit über 1.000 Besu­chern aus­ge­buch­te Inter­dis­zi­pli­nä­re Wund­Con­gress 2016 trug viel dazu bei, die aktu­el­len Fak­ten in der Behand­lung von Men­schen mit chro­ni­schen Wun­den zu beleuch­ten. Der Pro­gramm­punkt der Exper­ten­grup­pe des MDI hat­te hier­an gro­ßen Anteil. Mit dem Sym­po­si­um „Kom­pres­si­on 2.0 – Mehr als nur Wund­be­hand­lung“ ver­deut­lich­te die inter­dis­zi­pli­när und inter­pro­fes­sio­nell auf­ge­stell­te Exper­ten­grup­pe des MDI den Stel­len­wert, der einer Kom­pres­si­ons­the­ra­pie in der Behand­lung von Men­schen mit Venen­lei­den heut­zu­ta­ge zukommt.