Mindesmengenregelungen für komplizierte Operationen.
Für sieben Leistungsbereiche herrscht eine Mindestmengenregelung.Photovs/Dreamstime.com [Dreamstime RF]

Bisher herrscht in Deutschland eine Mindestmengenregelung für insgesamt sieben Leistungsbereiche. In diesen muss vom Krankenhaus eine bestimmte Anzahl an Operationen in dem jeweiligen Fachgebiet pro Jahr vorgewiesen werden, damit die komplizierten Operationen überhaupt durchgeführt werden dürfen. Darunter befinden sich beispielsweise schwierige Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre sowie Leber- und Nierentransplantationen.

Mehrheit begrüßt Mindestmengenregelung

Im Auftrag der AOK Hessen wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung „Qualität in der stationären Versorgung 2017“ durchgeführt, die nach der Bewertung von Mindestmengenregelung in Krankenhäusern gefragt hat. Dem Ergebnis zufolge begrüßen insgesamt 86 Prozent der Deutschen eine solche Regelung und 80 Prozent sind der Überzeugung, dass bessere Behandlungsergebnisse durch mehr Routine erzielt werden können. Gut eingespielte Operationsabläufe seien für 67 Prozent der Befragten ausschlaggebend für eine optimale Behandlungsqualität, worin 79 Prozent der über 60-Jährigen übereinstimmten.

Viele schauen auch auf die Spezialisierung eines Krankenhauses, wenn eine komplizierte Operation ansteht (69 Prozent) und ähnlich viele haben angegeben (64 Prozent), dass die Qualifikation der Ärzte ebenso berücksichtigt wird. Gut 50 Prozent ist zudem für die Ausarbeitung eines überzeugenden Konzepts zu Patientensicherheit und Fehlervermeidung. Aufgrund der Ergebnisse und um international das Niveau halten zu können, fordert die AOK eine striktere Einhaltung der Regelungen und zudem eine Ausweitung der Leistungsbereiche, beispielsweise um komplizierte Lungen- und Brustkrebsoperationen.

Nachteile der Mindestmengenregelung

Doch viele befürchten ebenso, dass sich entsprechende Mindestmengenregelungen auch negativ für manche Krankenhäuser auswirken könnten. Gut die Hälfte der Befragten hält es für möglich, dass damit Schließungen von Klinken oder die Abwanderung von Fachärzten aus weniger spezialisierten Krankenhäusern einhergehen könnten. Ebenso viele sorgen sich, dass dadurch der Weg zum entsprechenden Krankenhaus weiter werden wird, allerdings würden etwa 75 Prozent diesen auch in Kauf nehmen, wenn eine bessere Behandlungsqualität zu erwarten ist. Ein Anfahrtsweg von 132 Kilometern im Durchschnitt wäre für sie akzeptabel.

Um die Ergebnisse zu stützen, hat die AOK in ihrer Mittelung im Zusammenhang mit der Studie auf den Qualitätsmonitor 2018 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hingewiesen, wonach in spezialisierten Krebszentren mit höheren Fallzahlen an erbrachten komplizierten Operationen eine niedrigere Sterblichkeitsrate zu verzeichnen sei als es in Kliniken mit weniger routinierten Krebsoperationen der Fall sei.

Darauf hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in der Vergangenheit mit Kritik reagiert und warnte vor voreiligen Schlüssen aus dem Qualitätsmonitor 2018, da man die Todesfälle nicht pauschal nur auf das zu operierende Krankenhaus zurückführen könne. Zudem sei es widersprüchlich, dass trotz derartiger Ergebnisse die Krankenkassen gleichzeitig die Förderung von spezialisierten Zentren erschweren würden.

Für die Bevölkerungsbefragung „Qualität in der stationären Versorgung 2017“ wurden im Auftrag der AOK Hessen im Oktober 2017 insgesamt 1000 Bundesbürger repräsentativ (nach Alter, Geschlecht und Bundesland) sowie 200 Hessen repräsentativ (nach Alter und Geschlecht) befragt.

Quelle:

aok