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Dar­stel­lung eines Blut­ge­fä­ßes.

Phar­ma­ko­lo­gi­sche Throm­bo­zy­ten­hem­mer wie Aspi­rin hem­men die­sen Pro­zess und kön­nen vor Throm­bo­sen schüt­zen. Aller­dings wir­ken sie nur begrenzt, außer­dem hem­men sie die Blut­plätt­chen im gesam­ten Kör­per und kön­nen des­we­gen Blu­tun­gen ver­ur­sa­chen. „Daher ist es unser Ziel, anti­throm­bo­ti­sche Medi­ka­men­te zu ent­wi­ckeln, die einer­seits wirk­sa­mer sind, und ande­rer­seits weni­ger Neben­wir­kun­gen haben“, sagt Prof. Wolf­gang Siess vom Insti­tut für Pro­phy­la­xe und Epi­de­mio­lo­gie der Kreis­lauf­krank­hei­ten der Uni­ver­si­tät , des­sen Team nun die Wirk­sam­keit zwei­er neu­er Stra­te­gien der Throm­bo­zy­ten­hem­mung ver­gli­chen hat.

Die Rup­tur athe­ro­sklero­ti­scher Plaques kann die Bil­dung arte­ri­el­ler Throm­bo­sen initi­ie­ren, weil dabei Plaque­ma­te­ri­al wie Kol­la­gen mit dem zir­ku­lie­ren­den Blut in Ver­bin­dung kommt. Kol­la­gen ist ein Struk­tur­pro­te­in des Bin­de­ge­we­bes und der wich­tigs­te Akti­va­tor für Throm­bo­zy­ten: Die­se hef­ten sich an das Kol­la­gen an und set­zen bestimm­te Lock­stof­fe frei, durch die wei­te­re Throm­bo­zy­ten rekru­tiert wer­den. „In der Fol­ge aggre­gie­ren die Throm­bo­zy­ten und bil­den einen Throm­bus, der im Extrem­fall zum Ver­schluss der Gefä­ße füh­ren kann“, sagt Siess.

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Zwei Strategien, wie Antikörper eingesetzt werden

Wäh­rend für die Bin­dung an ‚nor­ma­le‚ Kol­la­ge­ne noch ein wei­te­rer Throm­bo­zy­ten-Rezep­tor eine wich­ti­ge Rol­le spielt, aggre­gie­ren Throm­bo­zy­ten an Plaque-Kol­la­ge­ne aus­schließ­lich mit­hil­fe des Rezep­tors Gly­ko­pro­te­in VI (GPVI), der nur bei Throm­bo­zy­ten vor­kommt. „Die­se Eigen­schaft wol­len wir nut­zen: Durch die Hem­mung von GPVI kann mög­li­cher­wei­se selek­tiv die Throm­bo­zy­ten-Akti­vie­rung durch Plaque-Kol­la­gen ver­hin­dert wer­den, ohne dass es zu einer gestei­ger­ten Blu­tungs­nei­gung an ande­ren ver­letz­ten Stel­len der Gefä­ße kommt“, sagt Siess.

Dabei gibt es grund­sätz­lich zwei Stra­te­gien: „Zum einen kön­nen ver­schie­de­ne Anti­kör­per ein­ge­setzt wer­den, die direkt GPVI auf den Throm­bo­zy­ten hem­men“, sagt Siess, „eine ande­re Mög­lich­keit ist, die Bin­dung an das Plaque-Kol­la­gen zu ver­hin­dern, indem ein im Labor her­ge­stell­tes soge­nann­tes GPVI-Fc Fusi­ons­pro­te­in ein­ge­setzt wird, das am Kol­la­gen die Bin­dungs­plät­ze für die Throm­bo­zy­ten besetzt“. Bei­de Stra­te­gien haben die Wis­sen­schaft­ler in Koope­ra­ti­on mit inter­na­tio­na­len Kol­le­gen sowie der advance­COR GmbH unter­sucht und deren Effek­ti­vi­tät ver­gli­chen.

Die Fließgeschwindigkeit macht den Unterschied

Dabei zeig­te sich, dass die Anti­kör­per GPVI sehr effek­tiv hem­men, und zwar unab­hän­gig von der Fließ­ge­schwin­dig­keit des Blu­tes. GPVI-Fc war ver­gleichs­wei­se weni­ger wirk­sam. „Über­ra­schen­der­wei­se ist die Hem­mung durch GPVI-Fc jedoch strö­mungs­ab­hän­gig: Je höher die Fließ­ge­schwin­dig­keit des Blu­tes war, des­to stär­ker aus­ge­prägt war die Hem­mung“, erzählt Siess, „bei nied­ri­ger Fließ­ge­schwin­dig­keit lagern sich trotz GPVI-Fc immer eini­ge Throm­bo­zy­ten in Strö­mungs­ni­schen an Plaque-Kol­la­ge­ne an und ver­ur­sa­chen über ihre Lock­stof­fe die Bil­dung von Throm­bo­zy­ten­ag­gre­ga­ten. Bei höhe­ren Fließ­ge­schwin­dig­kei­ten wer­den die­se Lock­stof­fe weg­ge­schwemmt, sodass nur sel­ten klei­ne Throm­bo­zy­ten­ag­gre­ga­te gebil­det wer­den. “

Ins­ge­samt schlie­ßen die Wis­sen­schaft­ler, dass die neu­en GPVI-Hem­mer Blut­ge­rinn­seln in Schlag­adern bes­ser und neben­wir­kungs­frei­er ent­ge­gen­wir­ken als die der­zei­ti­ge Stan­dard­the­ra­pie mit Aspi­rin und soge­nann­ten P2Y12 Ant­ago­nis­ten.