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Fußpflege einer Seniorin.
Fuß­pfle­ge einer Senio­rin.© Alex­an­der Raths | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Die­se Fra­ge lässt sich zum einen aus haf­tungs­recht­li­cher und zum ande­ren aus arbeits­recht­li­cher Per­spek­ti­ve beantworten.

Ein Blick in das Gesetz gibt eine Ant­wort auf die­se Fra­ge: Zunächst ein­mal sehen sowohl das alte Kran­ken­pfle­ge­ge­setz (KrPflG) als auch das nun neue Pfle­ge­be­ru­fe­ge­setz (PflBG) kei­ne aus­drück­li­che Auf­lis­tung von spe­zi­fi­schen Tätig­kei­ten vor, die der Pfle­ge zuge­wie­sen sind. Das in § 5 PflBG for­mu­lier­te Aus­bil­dungs­ziel stellt viel­mehr auf die Erlan­gung der für die Berufs­aus­bil­dung erfor­der­li­chen gene­rel­len Kom­pe­ten­zen ab. Die Befä­hi­gung bzw. Berech­ti­gung von Pfle­ge­fach­frau­en und Pfle­ge­fach­män­nern zur Durch­füh­rung kon­kre­ter Maß­nah­men, wie hier zur fuß­pfle­ge­ri­schen Ver­sor­gung, lässt sich des­we­gen nur unter Zuhil­fe­nah­me ande­rer Quel­len erschließen.

Das Podo­lo­gen­ge­setz (PodG) aus dem Jahr 2001 ist hier auf­schluss­rei­cher. Und zwar wird hier­in ein Podo­lo­gen-Vor­be­halt aus­drück­lich ver­neint, auch um rein kos­me­ti­sche Fuß­pfle­ge­pra­xen durch das Gesetz nicht in ihrer Berufs­aus­übung zu hin­dern. Heißt: Auch ande­re (Gesundheits-)Berufe kön­nen und dür­fen grund­sätz­lich Maß­nah­men zur Fuß­pfle­ge durch­füh­ren. Ob Pfle­ge­kräf­te Fuß­pfle­ge über­neh­men dür­fen, kann daher also grund­sätz­lich erst ein­mal ange­nom­men werden.

Expertise der Podologen bei medizinisch notwendiger Fußpflege gefragt

Aller­dings ist den Begrün­dun­gen zum Podo­lo­gen­ge­setz eben­so zu ent­neh­men, dass die Ver­sor­gung krank­haf­ter Ver­än­de­run­gen an Haut und Nägeln am Fuß, zum Bei­spiel bei Pati­en­ten mit Durch­blu­tungs­stö­run­gen, Dia­be­tes mel­li­tus oder Blut­krank­hei­ten, zum Gefah­ren­po­ten­zi­al für den Pati­en­ten wer­den kön­nen, wenn sie nur unzu­läng­lich sei­tens des Fuß­pfle­gers berück­sich­tigt wer­den. Erfol­gen also fuß­pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men auf ärzt­li­che Anord­nung, im Kon­text der Prä­ven­ti­on, The­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on von Fuß­er­kran­kun­gen, so ist eine qua­li­fi­zier­te Fuß­pfle­ge durch ent­spre­chend aus­ge­bil­de­te Podo­lo­gen unab­ding­bar. Deut­lich wird hier­durch, dass es sich bei der podo­lo­gi­schen The­ra­pie um eine dem Arzt zuge­wie­se­ne Auf­ga­be mit dele­ga­ti­ons­fä­hi­gem Cha­rak­ter handelt.

Das Aufgabengebiet der Podologie umfasst nach den Angaben des Deutschen Verbandes für Podologie (ZFD) folgende Tätigkeiten:

  • die podo­lo­gi­sche Behand­lung als sol­che ein­schließ­lich der Hygienemaßnahmen
  • die Ana­mne­se und podo­lo­gi­sche Befunderstellung
  • die Bio­me­cha­ni­sche Untersuchung
  • das Erstel­len des Behand­lungs­plans und die Auf­klä­rung über das Behandlungsziel
  • spe­zi­el­le Behand­lungs­maß­nah­men bei Nagel- und Hautveränderungen
  • die Beherr­schung spe­zi­el­ler Tech­ni­ken (Ver­bän­de, Ent­las­tun­gen, Mas­sa­gen, Mobi­li­sie­rungs­übun­gen) in inter­dis­zi­pli­nä­rer Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Berufsgruppen

Auf sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Ebe­ne wird die­ses Ergeb­nis durch die Heil­mit­tel-Richt­li­nie unter­stri­chen. In den §§ 27–29 wird die podo­lo­gi­sche The­ra­pie nach einer ärzt­li­chen Ein­gangs­dia­gnos­tik als Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ausgewiesen.

Es ist also fest­zu­hal­ten, dass der Aus­übung die­ses ärzt­lich über­tra­ge­nen Auf­ga­ben­kom­ple­xes durch Pfle­ge­kräf­te kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken ent­ge­gen­ste­hen und sie die ent­spre­chen­den Maß­nah­men durch­füh­ren dür­fen. Im Kon­text der medi­zi­ni­schen Mit­wir­kung bei kom­ple­xen fuß­the­ra­peu­ti­schen Behand­lun­gen – ins­be­son­de­re wenn die­se im Zusam­men­hang mit der Erbrin­gung von Heil­mit­tel-Leis­tun­gen ste­hen – emp­fiehlt es sich jedoch auf die Exper­ti­se von Podo­lo­gen zurückzugreifen.

Ger­ne wer­den die fuß­pfle­ge­ri­schen Maß­nah­men auf Pfle­ge­kräf­te „abge­wälzt“. Die Über­nah­me die­ser fuß­pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten erfreut sich jedoch unter Pfle­gen­den kei­ner gro­ßen Beliebt­heit. Es stellt sich nun­mehr aus arbeits­recht­li­cher Sicht die Fra­ge, ob sie die Fuß­pfle­ge ihrer Pati­en­ten über­neh­men müs­sen. Wie oben beschrie­ben, ist die Fuß­pfle­ge cur­ri­cu­lar nicht expli­zit auf­ge­nom­men, sodass man anneh­men darf, dass sie auch nicht zum Tätig­keits­pro­fil von Pfle­ge­kräf­ten gehört. Gleich­wohl kann der Arbeit­ge­ber im Rah­men sei­nes Direk­ti­ons­rechts die Über­nah­me der fuß­pfle­ge­ri­schen Tätig­keit auf die Pfle­ge­kraft über­tra­gen. Da es sich zudem dabei nicht um eine art­frem­de Tätig­keit zu den sons­ti­gen pfle­ge­ri­schen Auf­ga­ben han­delt, wäre dies jeden­falls dann ver­tret­bar, solan­ge dadurch kei­ne Gesund­heits­ge­fahr für den Pati­en­ten ent­steht. Ist die­ses Auf­ga­ben­ge­biet aus­drück­lich im Arbeits­ver­trag ver­an­kert, so müs­sen die fuß­pfle­ge­ri­schen Tätig­kei­ten ohne­hin über­nom­men werden.

Quel­le: RDG 2020, 17(1), S. 40