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Die zu tra­gen­de Last der Nach­ar­bei­ter/-innen in der Pfle­ge ist regel­mä­ßig äußerst hoch. Stö­run­gen des Schlafrhyth­mus, Müdig­keit und Ein­schrän­kun­gen des sozia­len und fami­liä­ren Lebens gehen häu­fig mit der Nacht­ar­beit ein­her und sor­gen für phy­si­schen und psy­chi­schen Stress.

Als Aus­gleich für die­se zusätz­li­che Belas­tung gibt es den Nacht­zu­schlag. Die fol­gen­den Abschnit­te ent­hal­ten alle Infor­ma­tio­nen und Rege­lun­gen, die man als Pfle­ge­kraft über den Nacht­zu­schlag wis­sen sollte.

Was sind Nachtzuschläge?

Ein Nacht­zu­schlag ist – wie der Name schon ver­rät – ein Lohn­zu­schlag für geleis­te­te Nachtarbeit.

Ab wann ein Anspruch auf einen Gehalts­bo­nus für die nächt­li­chen Schich­ten besteht, wie hoch die­ser ist und wel­che Son­der­re­ge­lun­gen es gibt, erfah­ren Sie in die­sem Artikel.

Wesent­lich für die nach­fol­gen­den Erläu­te­run­gen ist das Arbeits­zeit­ge­setz (ArbZG).

Ab wann gilt der Begriff „Nachtarbeit“?

Ab wann eine Schicht als Nacht­schicht gilt ist in § 2 ArbZG festgelegt.

Sofern sich kei­ne ander­wei­ti­gen Rege­lun­gen aus dem Tarif­ver­trag erge­ben gilt jede Beschäf­ti­gung als Nacht­ar­beit, die zwi­schen 23 und 6 Uhr min­des­tens 2 Stun­den umfasst.

Hat eine Pfle­ge­kraft also von 15 bis 24 Uhr Dienst, fällt zwar eine Stun­de in den Bereich der Nacht­zeit, jedoch betreibt der Arbeit­neh­mer erst rich­tig Nacht­ar­beit, wenn er min­des­tens zwei Stun­den (ohne Pau­se) in dem genann­ten Zeit­fens­ter arbeitet.

Ab wann besteht Anspruch auf Nachtzuschlag?
Ab wann besteht Anspruch auf Nacht­zu­schlag?© Catalin205 | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Ab wann habe ich Anspruch auf Nachtzuschläge?

Aus einem ein­ma­li­gen Ein­satz in der Nacht­schicht, etwa als Ver­tre­tung, geht noch kein Anspruch auf einen Nacht­zu­schlag hervor.

Als Nacht­ar­bei­ter/-in gilt nach § 2 ArbZG jede Arbeits­kraft, die min­des­tens 48 Tage im Jahr oder regel­mä­ßig in Wech­sel­schicht Nacht­ar­beit leistet.

Eine wei­te­re Vor­aus­set­zung für den Nacht­zu­schlag ergibt sich aus der Defi­ni­ti­on der Nacht­ar­beit. Nur wer auch wirk­lich Nacht­ar­beit ver­rich­tet, also min­des­tens zwei Stun­den zwi­schen 23 und 6 Uhr beschäf­tigt ist, hat Anspruch auf einen Nachtzuschlag.

Die­ser wird aller­dings nur für die Arbeits­stun­den berech­net, die auch wirk­lich in der nächt­li­chen Zeit­span­ne liegen.

Beispiele

Pfle­ge­kraft „D. Kubi­tus“ arbei­tet in eine sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tung im Nacht­dienst. Die Arbeits­zeit beläuft sich von 2 Uhr nachts bis um 11 Uhr mit­tags. Von 5 bis 6 Uhr macht die Pfle­ge­kraft eine Stun­de Pau­se.

D. Kubi­tus ver­bringt also 4 Stun­den sei­ner Schicht in der Nacht­zeit. Die wei­te­ren Stun­den fal­len in den Bereich der nor­ma­len Tagesarbeitszeit.

Da die Pfle­ge­kraft mehr als zwei Stun­den nachts arbei­tet, erhält sie für jede nächt­li­che Stun­de ihr nor­ma­les Brut­to­ge­halt plus Nacht­zu­schlag. Da sie eine Stun­de der Nacht­zeit jedoch für ihre Pau­se nutz­te, erhält sie nur für drei ihrer vier Nacht­ar­beits­stun­den einen Zuschlag.

Die wei­te­ren fünf Stun­den ab 6 Uhr wer­den mit dem nor­ma­len Brut­to­ge­halt entlohnt.

Pfle­ge­kraft „K. The­ter“ wider­um arbei­tet in der bereits wei­ter oben genann­ten Zeit­span­ne von 15 bis 24 Uhr. Obwohl sie eine Stun­de in der Nacht­zeit arbei­tet, erhät sie dafür kei­nen Bonus, da sich der Anspruch für einen Nacht­zu­schlag erst aus min­des­tens zwei Arbeits­stun­den in der Nacht ergibt.

Warum gibt es Nachtzuschläge?

Nacht­zu­schlä­ge erfül­len in gewis­ser Wei­se eine Schutz­funk­ti­on für den Arbeit­neh­mer. Nacht­ar­beit ist, je öfter und län­ger sie aus­ge­übt wird, umso schäd­li­cher für die Gesund­heit des Arbeitnehmers.

Die Rege­lun­gen aus § 6 ArbZG schüt­zen den Nacht­ar­bei­ten­den vor mög­li­chen Schä­di­gun­gen des Nacht- und Schicht­diens­tes. Dazu soll den Arbeit­neh­mern ein gerech­ter Aus­gleich für die geleis­te­te Nacht­ar­beit gewährt wer­den. Zusätz­lich haben Mit­ar­bei­ter über 50 Jah­re regel­mä­ßig die Mög­lich­keit auf eine arbeits­me­di­zi­ni­sche Untersuchung.

Des Wei­te­ren ist der Nacht­zu­schlag auch als Ent­schä­di­gung für den Ver­zicht auf das abend­li­che Sozi­al­le­ben der Mit­ar­bei­ter zu sehen.

Durch die Ver­teue­rung sol­len Nacht­schich­ten zudem auch für den Arbeit­ge­ber unat­trak­ti­ver wer­den. Somit wer­den die Mit­ar­bei­ter vor zu vie­len nächt­li­chen Ein­tei­lun­gen bewahrt.

Sofern kei­ne betrieb­li­chen Grün­de bestehen, kön­nen Arbeit­neh­mer mit Klein­kin­dern, pfle­ge­be­dürf­ti­gen Ange­hö­ri­gen oder gesund­heit­li­chen Pro­ble­men die Ver­set­zung in den Tages­dienst einfordern.

Ist der Arbeitgeber zu Nachtzuschlägen verpflichtet?

Die Ver­gü­tung der Nacht­ar­beit muss nicht zwin­gend im Arbeits­ver­trag fest­ge­schrie­ben sein. Sofern kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor­lie­gen ist der Arbeit­ge­ber nach § 6 Absatz 5 ArbZG gesetz­lich dazu ver­pflich­tet, die geleis­te­te Nacht­ar­beit zu honorieren.

Aller­dings bleibt dem Arbeit­ge­ber noch eine wei­te­re Mög­lich­keit offen, die Nacht­ar­beit ange­mes­sen zu entlohnen.

Alternative: Freizeitausgleich

Ein Anspruch auf einen Nacht­zu­schlag hängt wei­ter­hin davon ab, ob (tarif-)vertraglich nicht ande­re Rege­lun­gen zum Aus­gleich für die Nacht­ar­beit getrof­fen wor­den sind.

Nach § 6 Absatz 5 ArbZG kann der Arbeit­ge­ber anstel­le eines Lohn­zu­schlags auch einen ange­mes­se­nen Frei­zeit­aus­gleich für die geleis­te­ten nächt­li­chen Stun­den gewähren.

Der Para­graph begrün­det den Anspruch auf Frei­zeit­aus­gleich damit, dass durch mehr Frei­zeit die gesund­heit­li­chen Fol­gen der Nacht­ar­beit gerin­ger gehal­ten wer­den kön­nen und dem Kör­per mehr Zeit zur Rege­ne­ra­ti­on bleibt. Das ist bei einem mone­tä­ren Aus­gleich nicht der Fall.

Die Rechts­spre­chung geht dabei von einem ange­mes­se­nen Aus­gleich von 25 % der geleis­te­ten Nacht­stun­den aus. Bei vier Stun­den Nacht­ar­beit steht einer Pfle­ge­kraft dem­nach eine Stun­de zusätz­li­che Frei­zeit zu.

Die bei­den Optio­nen Nacht­zu­schlag und Frei­zeit­aus­gleich ste­hen glei­cher­ma­ßen für einen ange­mes­se­nen Aus­gleich der Nacht­ar­beit. Letzt­end­lich obliegt dem Arbeit­ge­ber die Ent­schei­dung, wel­che Vari­an­te er wählt. Dabei ist auch jeder Ein­zel­fall anders zu berücksichtigen.

Wie hoch ist der Nachtzuschlag?

Der Gesetz­ge­ber macht kei­ne Anga­be zum Umfang der Ver­gü­tung bei einem Nachtzuschlag.

Der Zuschlag wird für jede geleis­te­te Stun­de der Nacht­ar­beit gezahlt und bezieht sich damit auf den Brut­to­lohn pro Stun­de. Im Gegen­satz zum Brut­to­lohn muss der Zuschlag nicht ver­steu­ert werden.

Wie auch beim Frei­zeit­aus­gleich geht man zunächst vom Fak­tor 1/4 aus. Der Nacht­zu­schlag beträgt also übli­cher­wei­se 25 % vom Brut­to­stun­den­lohn x die geleis­te­ten Stun­den der Nachtarbeit.

Neben mög­li­chen tarif­ver­trag­li­chen Abwei­chun­gen kann der Nacht­zu­schlag in fol­gen­den Situa­tio­nen eben­falls höher oder gerin­ger ausfallen:

  • Wenn die Arbeits­be­las­tung wäh­rend der Nacht­ar­beit recht gering aus­fällt, bei­spiels­wei­se bei einem Bereitschaftsdienst
  • Wenn die Arbeits­be­las­tung wäh­rend des Nacht­diens­tes dau­er­haft hoch ist. Hier­bei ist es nicht unüb­lich, dass sich der Zuschlag auf 30 % erhöht

Der Nacht­zu­schlag ist in der Regel für alle Berufs­fel­der gleich.

Nachtarbeit an Sonn- und Feiertagen

Sonn- und Fei­er­ta­ge sind arbeits­freie Tage, nicht jedoch in der Pfle­ge. Durch arbeits- oder tarif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen haben Pfle­ge­kräf­te an die­sen Tagen mit­un­ter Anspruch auf einen Gehalts­zu­schlag. Die­ser bezieht sich auf jede an einem Fei­er­tag ver­rich­te­te Stun­de bis ein­schließ­lich 4 Uhr des Folgetages.

Doch was ist, wenn an einem Fei­er­tag gleich­zei­tig auch noch eine Nacht­schicht anfällt? In die­sem Fall kann der Arbeit­neh­mer sogar einen dop­pel­ten Bonus aus Nacht- und Fei­er­tags­zu­schlag erhalten.

Auch hier­für ein Bei­spiel zum bes­se­ren Verständnis:

Pfle­ge­kraft „B. Reit­schaft“ arbei­tet an Neu­jahr von 23 bis 8 Uhr des Fol­ge­ta­ges. Zwi­schen 3 und 4 Uhr macht sie Pau­se. Für den Zeit­raum von 23 bis 3 Uhr erhält sie bei­de Zuschlä­ge. Von 4 bis 6 Uhr erhält sie nur noch den Nacht­zu­schlag, jedoch kei­nen Fei­er­tags­zu­schlag mehr. Die letz­ten bei­den Stun­den wer­den regu­lär vergütet.

Nachtzuschläge für Teilzeitkräfte?

Nacht­zu­schlä­ge gel­ten für alle Lohn­klas­sen ab dem Min­dest­lohn. Dabei sind auch Teil­zeit­kräf­te mit ein­zu­be­zie­hen. Ihr gerin­ge­res Arbeits­vo­lu­men recht­fer­tigt nicht den Ver­lust des Anspru­ches auf einen ange­mes­se­nen Zuschlag für nächt­lich geleis­te­te Stunden.

Aus­ge­nom­men sind nach dem Jugend­ar­beits­schutz­ge­setz jedoch Jugend­li­che unter 18 Jah­ren. Hier sieht das Gesetz ein Beschäf­ti­gungs­ver­bot vor 6 und nach 20 Uhr vor.

Dies gilt auch für schwan­ge­re Frau­en, die jedoch auf ein­ge­nen Wunsch bis 22 Uhr arbei­ten dür­fen. Aller­dings fällt die­se Zeit­span­ne nicht in die Nacht­zeit, wes­we­gen kein Anspruch auf einen Bonus besteht.