Die Öffentlichkeits-Kampagne
Die Öffent­lich­keits-Kampa­gne „Mach‘ Karriere als Mensch!“ unter Feder­füh­rung des Famili­en­mi­nis­te­ri­ums ist gestar­tet.Bild: © Chormail | Dreamstime.com

Unter dem Motto „Mach‘ Karriere als Mensch!“ ist am Diens­tag, 22. Oktober, die lange erwar­tete Infor­ma­ti­ons- und Öffent­lich­keits­kam­pa­gne für mehr Auszu­bil­dende und ausbil­dende Betriebe in der Pflege gestar­tet. Plakat-Slogans wie „Das Ding hat Zukunft“, „Lässt Deine Zukunft steil­ge­hen“, „Anerkannt und wertge­schätzt“, „Macht sogar Deine Mudda stolz“ oder „Mehr echte Likes gibt’s nirgends“ sollen bei jungen Schul­ab­sol­ven­ten Appetit auf eine Karriere in der Pflege machen. Die Kampa­gne verweist gezielt auf die Möglich­kei­ten der neuen, genera­li­sier­ten Pflege­aus­bil­dung, die Weiter­bil­dungs-Möglich­kei­ten zur Pflege­fach­kraft und das neu aufge­legte Pflege­stu­dium. Die freige­schal­tete Kampa­gnen-Website pflegeausbildung.net infor­miert Inter­es­sen­ten an einer Pflege­aus­bil­dung, sowie Betriebe und Pflege­schu­len. „Die Motive sind modern und auffäl­lig und sollen vor allem Jugend­li­che errei­chen, die gerade in der Berufs­ori­en­tie­rungs­phase sind“, so Bundes-Famili­en­mi­nis­te­rin Franziska Giffey (SPD) in Berlin, bei der Kampa­gnen-Präsen­ta­tion, zusam­men mit einer Schülergruppe.

Zehn Prozent mehr Pflege-Azubis als Ziel der Werbekampagne

„Pflege ist ein Zukunfts­be­ruf“, erklärte Giffey (SPD) weiter. „Die neue Ausbil­dung hat viele Vorteile und Chancen.“ Die Kampa­gne ist ein Teil der Anfang dieses Jahres gebil­de­ten „Ausbil­dungs­of­fen­sive Pflege“. Unter Führung des Famili­en­mi­nis­te­ri­ums sind drei weitere Bundes­mi­nis­te­rien, Minis­ter­kon­fe­ren­zen der Länder, die Bundes­agen­tur für Arbeit, Gewerk­schaf­ten, der GKV-Spitzen­ver­band und rund 25 Verbände aus dem Gesund­heits­sek­tor mit an Bord. Erklär­tes Ziel der Ausbil­dungs­of­fen­sive – und gerade der Kampa­gne – ist es, die Ausbil­dungs­zah­len in der Pflege bis 2023 um 10 Prozent zu steigern. Auch zusätz­li­che Betriebe sollen motiviert werden, Ausbil­dungs­plätze bereit­zu­stel­len. Das Bündnis soll zunächst bis 2023 bestehen bleiben.

Die gestar­tete Werbe­kam­pa­gne ist eine von 111 inner­halb der Ausbil­dungs­of­fen­sive verab­re­de­ten Einzel-Maßnah­men, um die Pflege attrak­ti­ver zu machen. Sie erstre­cken sich auf die Themen­fel­der Pflege­be­rufs-Reform, Stärkung der betrieb­li­chen und schuli­schen Ausbil­dung, Quali­fi­zie­rung, Weiter­bil­dung und Öffentlichkeitsarbeit.

Pflege-Berufs­ver­band DBfK: Quanti­tät ist nicht alles!

Der Berufs­ver­band für Pflege­be­rufe (DBfK), der unter den Partnern der Ausbil­dungs­of­fen­sive ist, warnt zum Kampa­gnen­start davor, die Quanti­tät zum Maß aller Dinge zu machen. Man begrüße die Werbe­kam­pa­gne zwar ausdrück­lich. Das Zehn-Prozent-Ziel bewerte der Verband jedoch kritisch. „Politi­scher Druck, Ausbil­dungs­zah­len zu steigern, birgt immer das Risiko, bei Auswahl­ver­fah­ren alle Augen zuzudrü­cken. So vielfach gesche­hen in den vergan­ge­nen Jahren. Das bringt die zu pflegen­den Menschen in Gefahr und führt zu frühzei­ti­gem Ausbil­dungs­ab­bruch“, erklärt der DBfK.

Um das Motto der Werbe­kam­pa­gne, „Mach‘ Karriere als Mensch!“, mit Leben zu füllen, müsse es an den Arbeits­plät­zen in der Pflege tatsäch­lich mensch­li­cher zugehen. „An den Arbeits­plät­zen von profes­sio­nell Pflegen­den ist es in den vergan­ge­nen Jahren wenig mensch­lich zugegan­gen, viele sind dadurch krank gewor­den oder haben sich zurück­ge­zo­gen. Der Pflege­be­ruf hat viel von seiner Attrak­ti­vi­tät einge­büßt durch Arbeits­be­din­gun­gen, die zu lange von den Verant­wort­li­chen toleriert worden sind“, heißt es in der Erklä­rung. Die Kampa­gne könne nur erfolg­reich sein, wenn zu aller­erst die momen­ta­nen Auszu­bil­den­den eine positive Verän­de­rung erleb­ten, und sich als Lernende wahrge­nom­men und wertge­schätzt fühlten. Nur dann könnten sie erstens dem Beruf erhal­ten bleiben, und zweitens aktiv für ihn werben.

„Wer ausbil­det, trägt Verant­wor­tung und ist eine Verpflich­tung einge­gan­gen“, erinnert außer­dem des Weite­ren DBfK-Präsi­den­tin Prof. Chris­tel Bienstein. Die neuen Pflege-Azubis dürften nicht nur dazu dienen, Lücken in den Betrie­ben zu stopfen. Oftmals lägen jedoch „Welten zwischen dem, was Pflegeschüler/innen im theore­ti­schen Unter­richt lernen, und der erleb­ten Pflege­pra­xis in den Ausbildungsbetrieben.“