Ange­sichts der immer weni­ger wer­den­den Zahl an Organ­spen­den haben sich die Ärz­te­kam­mern West­fa­len-Lip­pe (ÄKWL) und Nord­rhein (ÄKNo) sowie das NRW-Minis­te­ri­um für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les in einer gemein­sa­men Pres­se­mit­tei­lung für eine Frei­stel­lung der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten von ihren Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten aus­ge­spro­chen. „Ihr Enga­ge­ment wird behin­dert durch hohes Arbeits­auf­kom­men und Zeit­man­gel, die feh­len­de Akzep­tanz inner­halb des Kran­ken­hau­ses oder die Tat­sa­che, dass sie für ihre -Tätig­keit nicht frei­ge­stellt wer­den“, bemän­gel­te ÄKWL-Prä­si­dent Theo­dor Wind­horst. Erst kürz­lich wur­den von der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on (DSO) die Organ­spen­de­zah­len für das Jahr 2017 ver­öf­fent­licht und der nied­rigs­te Stand seit 20 Jah­ren aus­ge­ru­fen.

Kammern wollen „bayerische Lösung“

Sowohl Wind­horst als auch Rudolf Hen­ke, Prä­si­dent der ÄKNo, plä­dier­ten für die „baye­ri­sche Lösung“, denn in Bay­ern wer­den die Beauf­trag­ten seit ver­gan­ge­nem Jahr frei­ge­stellt. Auf die­se Wei­se kön­nen sie sich ver­stärkt der Zusam­men­ar­beit mit den Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern, Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren und der DSO wid­men. Auch Zeit für die Doku­men­ta­ti­ons­ar­beit und die Für­sor­ge für Ange­hö­ri­ge sei dadurch gege­ben. Vor allem tra­gen sie auch ent­schei­dend dazu bei, poten­zi­el­le Organ­spen­der im Kran­ken­haus zu iden­ti­fi­zie­ren.

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Auch Neu­ro­lo­gen wür­den ins­be­son­de­re in den klei­ne­ren Häu­sern feh­len, die einen irrever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­fall fest­stel­len kön­nen, erklär­te Wind­horst wei­ter. Des­halb haben die Ärz­te­kam­mern alle Neu­ro­lo­gen in NRW ange­schrie­ben, um sie für eine kon­si­li­ar­ärzt­li­che Tätig­keit bei der Hirn­tod-Dia­gnos­tik zu gewin­nen und so die Zahl der Neu­ro­lo­gen für die zu stei­gern. Die Akti­on hat Wir­kung gezeigt: In bei­den Lan­des­tei­len gibt es etwa 20 Ärz­tin­nen und Ärz­te, die ins­be­son­de­re den klei­nen Kran­ken­häu­sern ohne neu­ro­lo­gi­sche Abtei­lung für die Fest­stel­lung des irrever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­falls zur Ver­fü­gung ste­hen.

Letzt­lich muss auch dafür gesorgt wer­den, dass die Kran­ken­häu­ser nicht nur per­so­nell, son­dern auch finan­zi­ell in die Lage kom­men, die not­wen­di­gen Pro­zes­se für die Organ­spen­de umzu­set­zen. Als wei­te­re Maß­nah­men, um dem aku­ten Organ­spen­de-Pro­blem ent­ge­gen­zu­wir­ken, müss­te die Bevöl­ke­rung ver­stärkt über das The­ma infor­miert wer­den. Auch Fort­bil­dungs­maß­nah­men für Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te soll­ten alle zwei Jah­re statt­fin­den, so Wind­horst.