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Von links: Angela Nelissen, Henry Maske und Christiane Haasis auf der Konferenz Eurominds 2020
(v.l.n.r.): Ange­la Nelis­sen, Hen­ry Mas­ke und Chris­tia­ne Haa­sis auf der Kon­fe­renz Euro­m­inds 2020.Uta Kanen­gie­ßer, avan­ti GmbH

Das bes­te gesell­schafts­po­li­ti­sche Key-Word des ers­ten Tages lie­fer­te Pro­fes­so­rin und Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin Gesi­ne Schwan, die vor allem durch ihre zwei­ma­li­ge Kan­di­da­tur für das Bun­des­prä­si­den­ten-Amt bekannt wur­de. Die Vor­sit­zen­de der SPD-Grund­wer­te­kom­mis­si­on brach­te es auf den Punkt: Die bür­ger­lich-demo­kra­ti­sche Gesell­schaft müs­se den Mut auf­brin­gen, Hal­tung zu zei­gen und die gemein­sa­men Wer­te wie die Men­schen­rech­te zu ver­tei­di­gen. Lang­fris­tig wür­de Euro­pa sonst deut­lich gegen die eige­nen Inter­es­sen han­deln. Als Kon­flikt­punkt und „toxi­sches“ The­ma nann­te sie den Umgang der EU mit der Flücht­lings­po­li­tik. Ihr Fazit: „Wer­te sind ohne toxi­sche The­men nicht zu haben.“

Der spannende Panel „Arbeit und Bildung“ war prominent besetzt

Box-Legen­de und Unter­neh­mer Hen­ry Mas­ke, der sich mit sei­ner Stif­tung „A Place For Kids“ für benach­tei­lig­te Kin­der und Jugend­li­che ein­setzt, ver­trat die Posi­ti­on, dass der mensch­li­che Fak­tor trotz der immer wei­ter fort­schrei­ten­den für Unter­neh­mer den­noch wesent­lich blei­ben wird.

Mar­kus Bier­cher, einer der Geschäfts­füh­rer der Bun­des­agen­tur für Arbeit, berich­te­te, dass die neu­es­ten Stu­di­en von For­schungs­in­sti­tu­ten die Pro­gno­se bestä­tig­ten, dass durch die einer­seits 1,5 Mil­lio­nen Arbeits­plät­ze ver­schwin­den wer­den. Gleich­zei­tig ent­ste­hen jedoch durch die auch rund 1,5 Mil­lio­nen Jobs, für die jedoch die Arbeit­neh­mer ande­re Qua­li­fi­ka­tio­nen und Fähig­kei­ten brau­chen wer­den. Bier­cher beton­te wei­ter­hin: Die Berufs­wahl der Jugend­li­chen sei auch heut­zu­ta­ge über­wie­gend von alten Rol­len­kli­schees bestimmt. Dies sei beson­ders nach­tei­lig, da vie­le der bis­he­ri­gen Berufs­bil­der teil­wei­se oder sogar ganz ver­schwin­den wer­den.

War­um mobi­les Arbei­ten bzw. Home-Office, auch da wo es inhalt­lich mög­lich wäre, bei den Unter­neh­men immer noch so wenig beliebt ist, stell­te SPD-Gene­ral­se­kre­tär Lars Kling­beil in den Fokus. „Der Auf­bruch in die Digi­ta­li­sie­rung muss jetzt pas­sie­ren“, stell­te Kling­beil klar. „Die Men­schen soll­te man befä­hi­gen, die Vor­tei­le der neu­en Tech­no­lo­gie zu nut­zen.“ Arbeit sei und blei­be ein sinn­stif­ten­des Ele­ment im Leben.

Erprobtes, erfolgreiches Job-Sharing auf Führungsebene

Zukunft­wei­sen­des Bei­spiel auf dem Podi­um: ein sehr erfolg­rei­ches, jedoch immer noch als unge­wöhn­lich gel­ten­des Arbeits­zeit-Modell der bei­den Vice Pre­si­dents von Uni­le­ver, die sich ihre Füh­rungs­rol­le für über 300 Mit­ar­bei­ter tei­len. Das Job-Tan­dem, Chris­tia­ne Haa­sis und Ange­li­na Nelis­sen, ist damit bereits seit zehn Jah­ren das ers­te erfolg­rei­che Job-Sharing-Duo auf Geschäfts­füh­re­r­ebe­ne. Immer­hin beschäf­tigt Uni­le­ver inzwi­schen wei­te­re 20 Job-Tan­dems.

Alle Panel­teil­neh­mer waren sich bei den Arbeits­trends der Zukunft in wesent­li­chen Punk­ten einig:

  • Lebens­lan­ges Ler­nen wird in Zukunft noch wich­ti­ger. Sinn­voll sei es, das Schul­sys­tem dar­auf­hin zu ver­än­dern. Lebens­lan­ges Ler­nen müs­se schon in der Schu­le ein­ge­übt wer­den.
  • In eini­gen Fir­men wie z.B. Uni­le­ver wer­den bereits die ver­schie­dens­ten moder­nen For­men der Wei­ter­bil­dung ange­bo­ten: E‑Learning, Lern­platt­for­men etc. Aller­dings feh­le es in den meis­ten Unter­neh­men noch an fes­ten Lern­zei­ten, die als Teil der Arbeits­zeit gewer­tet wer­den. So sei es auch sinn­voll, Lern­zie­le in die jähr­li­chen Ziel­ver­ein­ba­run­gen als wei­te­ren Fak­tor für die Erfolgs­kon­trol­le auf­zu­neh­men, wie Ange­li­na Nelis­sen anmerk­te.
  • Chris­tia­ne Haa­sis wies dar­auf hin, dass es den jun­gen Beschäf­tig­ten immer mehr um das „War­um tue ich etwas?“ gehen wür­de. Die Sinn­fra­ge prägt die neue Genera­ti­on immer stär­ker. Nur mit der Beant­wor­tung des „pur­po­se“, des Zwe­ckes, ist noch die gewünsch­te Moti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ter zu errei­chen.
  • Mar­kus Bier­cher wies dar­auf hin, dass ab März ein wirk­li­cher Dog­men­wech­sel greift: Deutsch­land wird durch das Inkraf­tre­ten des Fach­kräf­te­ein­wan­de­rungs­ge­set­zes zum Ein­wan­de­rungs­land. Es blei­be eine gro­ße Auf­ga­be, die Will­kom­mens­kul­tur zu stär­ken, um den Fach­kräf­te­man­gel damit redu­zie­ren zu kön­nen. Bis­her ver­zö­ger­te und erschwer­te die deut­sche Aner­ken­nungs­kul­tur von Qua­li­fi­ka­tio­nen die Ein­glie­de­rung in den natio­na­len Arbeits­markt. Nur wenn Deutsch­land als attrak­ti­ves Ein­wan­de­rungs­land wahr­ge­nom­men wer­de, kön­ne es wett­be­werbs­fä­hig blei­ben.