Exemplarisch für einen Behandlungsfehler ist der Fall einer Patientin, bei der die Überwachung des Medikamentsspiegels und der Blutwerte unterlassen worden ist. Dies hatte zurfolge, dass die Leber der Patientin derart schwer geschädigt worden ist, sodass diese transplantationspflichtig wurde. Andere Beispiele sind Infektionen, die durch die Verwendung von nicht oder nicht ausreichend sterilisierten Instrumenten ausgelöst worden sind. Oder das nicht Durchführen von zwingend gebotenen Diagnosemaßnahmen.

Ein Behandlungsfehler kann schnell passieren. Die Folgen für den betroffenen Patienten können jedoch unter Umständen ein Leben lang andauern und sich somit dramatisch auswirken.

Behandlungsfehler und Beweislast

Die Faustregel für die Definition eines groben Behandlungsfehlers lautet nach Prof. Dr. Großkopf: Ein normaler Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn man sagt das kann mal passieren – ein grober Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn man sagen würde: das darf nicht passieren.

Wird das Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers festgestellt, kann sich das für den Betroffen prozessual günstig auswirken: Denn dann muss er selbst (als Kläger) nicht mehr die Beweislast tragen. Vielmehr muss der Beklagte (z.B. der Krankenhausträger, die Praxis oder der Arzt) nunmehr einen Entlastungsnachweis erbringen.