Otte argumen­tiert, dass es in diesem Berufs­bild jüngst schon genug Kürzun­gen gegeben habe, als dass man den Fachbe­ruf weiter ausdün­nen sollte. Das würde ihrer Ansicht nach mit der genera­lis­ti­schen Pflege­aus­bil­dung passie­ren. Auch die Weiter­qua­li­fi­zie­rung sei noch völlig unklar. Vielmehr müsse für die angehen­den Kinder­kran­ken­pfle­ge­kräfte viel Zeit in die Ausbil­dung mit Kindern inves­tiert werden, um ein hohes Niveau der Pflege zu erreichen.

Petition ist lautstarke Stimme contra Generalistik

Monika Otte ist nicht die erste Stimme aus der Kinder- und Jugend­me­di­zin, die sich gegen die Genera­lis­tik ausspricht. Bereits im Septem­ber letzten Jahres sprach sich der Präsi­dent der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­me­di­zin, Prof. Ertan Mayate­pek, gegen die genera­lis­ti­sche Pflege­aus­bil­dung aus. Er argumen­tierte unter anderem, dass den neuen Auszu­bil­den­den die nötige Exper­tise fehle. Erfah­run­gen aus der Schweiz würden zeigen, so Mayate­pek, dass die Genera­lis­tik zu einer Verfla­chung des Wissens führe.

Die Petition von Monika Otte wurde von rund 147.000 Perso­nen gezeich­net und erreichte damit das nötige Quorum von 50.000 Unter­zeich­nern. Doch auch wenn der Bundes­tag Petitio­nen ernst nimmt, ist ihr Einfluss auf ein laufen­des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren in der Regel begrenzt. Auf jeden Fall ist diese Petition nochmals eine laute Stimme contra Generalistik.

99 Prozent für die Eigen­stän­dig­keit der Kinderkrankenpflege

In der Sitzung des Petiti­ons­aus­schus­ses betonte Monika Otte noch einmal, dass Kenner der Kinder­kran­ken­pflege „diese nicht mit anderen Pflege­be­ru­fen zusam­men­le­gen“ würden. Für eine Akade­mi­sie­rung des Berufes sei sie aber durch­aus. Man müsse sich die vielen Anfor­de­run­gen vor Augen führen, die eine Schwes­ter beispiels­weise in der Neona­to­lo­gie oder bei der Beglei­tung jugend­li­cher Diabe­ti­ker zu leisten habe. Das könne keine allge­mein ausge­bil­dete Pflege­kraft leisten.

Otte zitierte auch aus einer Umfrage, die sie selbst durch­ge­führt hat. Befragt wurden rund 4.000 Kinder­kran­ken­pfle­ge­kräfte. Dort schätz­ten 43 % der Befrag­ten die aktuelle Ausbil­dung als „gut/sehr gut“ ein, während 82 % die Genera­lis­tik als schlecht beurteil­ten. 95 % würden sich auf einen genera­lis­ti­schen Ausbil­dungs­gang nicht bewer­ben und gar 99 % der Befrag­ten sprachen sich für die Eigen­stän­dig­keit der Kinder­kran­ken­pflege aus.

Erwin Rüddel: „Zugang soll niedrig­schwel­lig bleiben“

Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe beant­wor­tete die Fragen der Peten­tin im Ausschuss. Er betonte, dass Pflege­schü­ler auch Kennt­nisse aus anderen Berei­chen bräuch­ten und stellte klar, dass sich der Bundes­ver­band der Kinder­kran­ken­pflege wieder­holt für die Genera­lis­tik ausge­spro­chen habe. Im übrigen warnte Gröhe davor, Kritik an der aktuel­len Situa­tion nicht mit dem zu verwech­seln, was mit der Genera­lis­tik komme.

Der Pflege­be­auf­tragte der Unions­frak­tion, Erwin Rüddel, der sich schon früher kritisch zur Genera­lis­tik geäußert hatte, deutete an, dass der Zugang zu der Ausbil­dung möglichst niedrig­schwel­lig bleiben solle. Andere Disku­tan­ten wiesen darauf hin, dass die Stärke des deutschen Modells die starke Diffe­ren­zie­rung der Pflege­be­rufe sei, die nicht verlo­ren­ge­hen dürfe.

Quelle: DGKJ, Deutscher Bundestag