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Krank
Pflege­kräfte sind häufi­ger krankBild: Pixabay

Im vergan­ge­nen Jahr fehlten Pflege­kräfte im Durch­schnitt 22,8 Tage pro Krank­heits­fall. Das haben Auswer­tun­gen von Arbeits­un­fä­hig­keits­da­ten der Kaufmän­ni­schen Kranken­kasse (KKH) ergeben. Pflegende sind damit so lange arbeits­un­fä­hig wie noch nie in den vergan­ge­nen Jahren. Auch der Kranken­stand war in den Pflege­be­ru­fen mit 8,8 Prozent beson­ders hoch. Zum Vergleich: Der Bundes­durch­schnitt aller Berufs­grup­pen lag bei fünf Prozent. Mit durch­schnitt­lich 17,1 Tagen, waren andere Berufs­grup­pen auch deutlich kürzer krank.

Für den Deutschen Berufs­ver­band der Pflege­be­rufe (DBfK) sind diese Zahlen nicht überra­schend, „da trotz jahrzehn­te­lan­ger Warnun­gen nichts zur Entlas­tung der Pflegen­den getan wurde und sie nun seit über zwei Jahren die zusätz­li­chen Belas­tun­gen durch die Pande­mie tragen müssen“, wie eine Spreche­rin des Verbands auf Nachfrage der Rechts­de­pe­sche mitteilte.

Mehr Krank­heits­tage im Corona-Jahr

Die KKH hat dafür die Arbeits­un­fä­hig­keits­da­ten ihrer Versi­cher­ten ausge­wer­tet. Demnach litten Pflege­kräfte also beson­ders häufig an Rücken­schmer­zen, Schlaf­stö­run­gen und Depres­sio­nen. Die Verant­wort­li­chen der Unter­su­chung führen das auf die gestie­gene Arbeits­be­las­tung während der Corona-Pande­mie zurück. Durch sie habe sich die Situa­tion in statio­nä­ren und ambulan­ten Pflege­ein­rich­tun­gen noch einmal verschärft.

„Wenn es gelingt, die Arbeits­pro­zesse in der Einrich­tung zukünf­tig gesün­der zu gestal­ten und gleich­zei­tig die Gesund­heit der Mitar­bei­ter zu stärken, kann dies im besten Fall die tägli­che Arbeits­be­las­tung bei den Beschäf­tig­ten reduzie­ren“, erklärt Bettina Schulze, Präven­ti­ons­ex­per­tin bei der KKH.

Die Versi­che­rung spricht sich für verschie­dene Präven­ti­ons­maß­nah­men aus, um der Arbeits­be­las­tung von Pflegen­den entge­gen­zu­wir­ken. Stress­se­mi­nare, Gesund­heits­tage oder Präven­ti­ons­kurse können so beispiels­weise dabei helfen, die Gesund­heit der Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter nachhal­tig positiv zu beein­flus­sen. Darüber hinaus sei es wichtig bei den Einrich­tun­gen selbst anzuset­zen. Auch die Arbeits­or­ga­ni­sa­tion wie etwa Schicht­pläne, soziale Bezie­hun­gen, Arbeits­ab­läufe und auch Arbeits­in­halte können Stress und somit eine zusätz­li­che Arbeits­be­las­tung begünstigen.

Auch der DBfK befür­worte Maßnah­men zur Gesund­heits­för­de­rung und für eine gesunde Arbeits­um­ge­bung. Der wichtigste Punkt sei aller­dings eine bedarfs­ge­rechte Perso­nal­aus­stat­tung. „Nur mit genügend Perso­nal, kann gute Pflege geleis­tet werden, die keine Gefahr für die Gesund­heit der Pflegen­den bedeu­tet“, so die Spreche­rin des DBfK weiter.

Vor allem dürfe man nicht in die Falle tappen die syste­ma­ti­sche Überbe­las­tung der beruf­lich Pflegen­den zu indivi­dua­li­sie­ren. „Allein mit gesund­heits­be­wuss­tem Verhal­ten, Sport oder Achtsam­keits­übun­gen ist das Problem nicht gelöst“. Das bedeute auch, dass Betrof­fene in konkre­ten Fällen Überlas­tungs­an­zeige erstat­ten sollen, wenn die Situa­tion die Pflegen­den und die Menschen mit Pflege­be­darf gefährde.