Stefanie Gutmann fragt: Ist die Durchführung eines Übergabegespräches Pflicht, und besteht ein Haftungsrisiko für die übernehmende Schicht, wenn die Weitergabe einer (gebotenen) Information versehentlich unterlassen wurde?

Antwort der Redaktion: Eine unmittelbare gesetzliche Verpflichtung zur Durchführung eines Übergabegespräches gibt es nicht. Allerdings stellt der ungehinderte Informationsfluss zwischen allen Beteiligten des Behandlungsgeschehens eine Grundvoraussetzung des Qualitätsmanagements dar.

Daher nimmt neben dem – verbindlichen – Erfordernis der Dokumentation von Behandlung und Pflege die Dienstübergabe zwischen den zeitlich folgenden Schichten eine zentrale Rolle ein, um Behandlungsfehler infolge von Informations- oder  Koordinationsdefiziten zu vermeiden. Dem trägt auch die MDK-Prüfpraxis in den stationären Pflegeeinrichtungen Rechnung, indem im Rahmen der Dienstplanprüfung regelmäßig auch die Übergabezeiten kontrolliert werden. Die Inhalte (z.B. Angaben der Therapie- und Pflegemaßnahmen, Organisationsfragen, Arbeitseinteilungen) und die Form (mündlich/schriftlich) der Übergabe werden vom Arbeitgeber aufgrund seines Direktionsrechtes definiert. Organisationsrechtlich sollte der Einrichtungsträger dafür sorgen, dass die Informationsvermittlung zwischen den verschiedenen Schichten reibungslos und in einem ausreichenden zeitlichen Rahmen sichergestellt werden kann.

Wenngleich das Übergabegespräch methodisch in der Regel durch die Hinzuziehung der Pflegedokumentation oder EDV-generierter Übergabeprotokolle unterstützt wird, sind die Mitarbeiter der übernehmenden Schicht nicht von der Einsicht in die Dokumentation entbunden. Für den Fall der unterlassenen oder fehlerhaften Informationsweitergabe im Übergabegespräch bedeutet dies, dass der übernehmende Mitarbeiter – sofern er aufgrund seines Informationsdefizites eine Patientenschädigung herbeiführt haben sollte – am Maßstab der Dokumentationsinhalte gemessen werden würde.

Eine Haftungsverhinderung aus dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte des Übergabegespräches kann nach diesseitiger Einschätzung nicht angenommen werden.