Transplantation
Vie­le Men­schen benö­ti­gen eine Organ­trans­plan­ta­ti­on. Doch Skan­da­le in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit haben das Ver­trau­en in die deut­sche Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin gestört – mit Aus­wir­kun­gen auf die Spen­den­be­reit­schaft.Dmitry Kali­novs­ky | Dreamstime.com [Dream­sti­me RF]

Wäh­rend die juris­ti­sche Auf­ar­bei­tung der Vor­wür­fe noch immer andau­ert, sol­len Regel­ver­schär­fun­gen und Maß­nah­men für mehr Kon­trol­le und Trans­pa­renz das ver­lo­re­ne Ver­trau­en wie­der her­stel­len. Ges­tern leg­ten die Kom­mis­sio­nen zur Prü­fung bzw. Über­wa­chung von Herz‑, Nieren‑, Pan­kre­as- und Leber­trans­plan­ta­ti­ons­pro­gram­men ihren Jah­res­be­richt vor.

Die Vor­sit­zen­den der gemein­sam vom GKV-Spit­zen­ver­band, der Bun­des­ärz­te­kam­mer und der Deut­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft getra­ge­nen Kom­mis­sio­nen zur Prü­fung bzw. Über­wa­chung der Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren und Trans­plan­ta­ti­ons­pro­gram­men, Anne-Gret Rin­der, Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Kam­mer­ge­richt i.R., und Prof. Dr. Dr. Hans Lip­pert, haben in Ber­lin den Tätig­keits­be­richt für das Jahr 2013/2014 der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt.

Die Prü­fun­gen sind Teil des durch die TPG-Novel­le im Som­mer 2012 auf neu­er Grund­la­ge aus­ge­wei­te­ten Kon­troll­sys­tems im Trans­plan­ta­ti­ons­we­sen. „Wir kön­nen seit­her nicht nur anlass­be­zo­ge­ne, son­dern jetzt auch ver­dachts­un­ab­hän­gi­ge Prü­fun­gen in den Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern und Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren durch­füh­ren“, so Lip­pert.
Ins­ge­samt wur­den in dem Berichts­zeit­raum 33 Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren bzw. 60 Pro­gram­me zur Über­tra­gung von Leber, Herz, Nie­ren und Bauch­spei­chel­drü­se genau­er unter die Lupe genom­men.

Die bis­he­ri­gen Prü­fun­gen haben erge­ben, dass im Bereich der Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on kei­ne Anhalts­punk­te für sys­te­ma­ti­sche Richt­li­ni­en­ver­stö­ße oder Mani­pu­la­tio­nen bestehen. Es wur­den ledig­lich ver­ein­zel­te unrich­ti­ge Mit­tei­lun­gen gegen­über der Ver­mitt­lungs­stel­le Euro­trans­plant fest­ge­stellt, die sich auf das Datum der Erst­dia­ly­se bezo­gen und auf Doku­men­ta­ti­ons­feh­ler zurück­zu­füh­ren waren. Bei den Pan­kre­as– und kom­bi­nier­ten Nie­ren-Pan­kre­as­trans­plan­ta­tio­nen haben die Kom­mis­sio­nen kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten fest­ge­stellt. „Bis auf das Herz­zen­trum Ber­lin wie­sen die im Berichts­zeit­raum abge­schlos­se­nen Herz­prü­fun­gen kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten auf“, kon­sta­tier­te Rin­der, aller­dings sei­en noch nicht alle Prü­fun­gen abge­schlos­sen.

Die Kom­mis­si­ons­vor­sit­zen­den erläu­ter­ten, dass die Prü­fun­gen in der Regel von jeweils zwei Mit­glie­dern der Prü­fungs­kom­mis­si­on oder der Über­wa­chungs­kom­mis­si­on sowie zwei für das jewei­li­ge Trans­plan­ta­ti­ons­pro­gramm sach­ver­stän­di­gen unab­hän­gi­gen Ärz­ten durch­ge­führt wer­den. Wei­ter­hin haben Ver­tre­ter der zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­en an den Prü­fun­gen teil­ge­nom­men. „Sofern sich im Zuge einer Prü­fung Auf­fäl­lig­kei­ten erge­ben haben, die wei­te­re Unter­su­chun­gen erfor­der­lich mach­ten, sind wei­te­re Prü­fun­gen erfolgt“, kon­kre­ti­sier­te Lip­pert hin­sicht­lich der noch lau­fen­den Herz­prü­fun­gen. In den nach­gän­gi­gen Prü­fun­gen zwei­er Leber­trans­plan­ta­ti­ons­pro­gram­me haben sich kei­ne Hin­wei­se auf eine sys­te­ma­ti­sche Vor­ge­hens­wei­se oder auf Mani­pu­la­tio­nen erge­ben.

Die Ergeb­nis­se der ein­zel­nen Prü­fun­gen wer­den nach Abschluss des Ver­fah­rens jeweils in einem Bericht zusam­men­ge­stellt, der von der Prü­fungs­kom­mis­si­on und der Über­wa­chungs­kom­mis­si­on bera­ten und als Kom­mis­si­ons­be­richt ver­ab­schie­det wird. Ein sol­cher Bericht wird dann den ent­spre­chen­den Insti­tu­tio­nen – in jedem Fall dem Ärzt­li­chen Direk­tor des Kli­ni­kums, der zustän­di­gen Lan­des­be­hör­de sowie der Lan­des­ärz­te­kam­mer – zuge­lei­tet sowie auch öffent­lich gemacht, führ­ten Rin­der und Lip­pert aus und wie­sen dar­auf hin, dass Aus­künf­te und Infor­ma­tio­nen in einem lau­fen­den Ver­fah­ren aus Rechts­grün­den nicht mög­lich sind. Dar­über flie­ßen die Ergeb­nis­se der lau­fen­den Prü­fun­gen in die Richt­li­ni­en­ar­beit der Stän­di­gen Kom­mis­si­on Organ­trans­plan­ta­ti­on der Bun­des­ärz­te­kam­mer ein.

Nach Ansicht der Kom­mis­si­ons­vor­sit­zen­den grei­fen die Regel­ver­schär­fun­gen und Maß­nah­men für mehr Kon­trol­le und Trans­pa­renz in der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin. Um dem Auf­trag des Gesetz­ge­bers und dem beson­de­ren Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit zu ent­spre­chen, ver­öf­fent­li­chen die Prü­fungs­kom­mis­si­on und die Über­wa­chungs­kom­mis­si­on in ihrem Jah­res­be­richt auch sämt­li­che Stel­lung­nah­men zu bis­he­ri­gen Prü­fun­gen in anony­mi­sier­ter Form. Vor­ge­se­hen ist, dass alle 48 Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren mit ihren 141 Trans­plan­ta­ti­ons­pro­gram­men min­des­tens ein­mal in einem Zeit­raum von 36 Mona­ten vor Ort geprüft wer­den.